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Bommeleeër: Die Fingerabdruck-Frage
Am Tag nachdem der Sprengsatz von Asselscheuer entschärft worden war, nahmen die Ermittler auch die Hochspannungsmasten in der unmittelbaren Nähe des Fundorts unter die Lupe.

Bommeleeër: Die Fingerabdruck-Frage

Foto: Lé Sibenaler
Am Tag nachdem der Sprengsatz von Asselscheuer entschärft worden war, nahmen die Ermittler auch die Hochspannungsmasten in der unmittelbaren Nähe des Fundorts unter die Lupe.
Lokales 3 Min. 02.11.2012

Bommeleeër: Die Fingerabdruck-Frage

„Sachen gibt es, die gibt es gar nicht“ - das ist eine Schlussfolgerung, die sich im Bommeleeër-Dossier immer wieder aufdrängt - Pleiten, Pech und Pannen eben. Und dann gibt es Dinge, von denen immer wieder behauptet wird, dass es sie nicht gebe und die dann einfach da sind. So etwa der Fingerabdruck eines der Bommeleeër.

Von Steve Remesch

„Sachen gibt es, die gibt es gar nicht“ - das ist eine Schlussfolgerung, die sich im Bommeleeër-Dossier immer wieder aufdrängt - Pleiten, Pech und Pannen eben. Und dann gibt es Dinge, von denen immer wieder behauptet wird, dass es sie nicht gebe und die dann einfach da sind.

So etwa der Fingerabdruck eines der Bommeleeër: „Les connections des câbles se faisaient par ligotage, serre-fils ou bande adhésive. Il importe de noter que les auteurs n'ont pas laissé d'empreintes digitales, même pas à l'intérieur du ruban“, schrieb Generalstaatsanwalt Robert Biever im März 2010 in seiner Anklageschrift. Kurz: Die Täter der Anschlagsserie haben keine Fingerabdrücke hinterlassen.

Eine Tatsache, möchte man meinen, wäre da nicht die Aktennotiz AE-453/04 vom 6. September 2004.  In dem Dokument, das dem „Luxemburger Wort“ vorliegt, ist folgendes zu lesen: „Wie aus dem Bericht Nr. AE-303/99 vom 8. Januar 1999 hervorgeht, gelang es comch [Name der Redaktion bekannt] der Abteilung 'Police Technique' des SPJ, den bis dahin verschwundenen Fingerabdruck an der Taschenlampe des Tatortes Asselscheuer wieder sichtbar zu machen.“ Es gibt ihn also doch, den Fingerabdruck.

Booby-Trap am Waldrand: Eine tödliche Falle

Rückblick: Am 5. Juli 1985 entdecken Passanten einen Lichtkegel im Gestrüpp in unmittelbarer Nähe eines Hochspannungsmasts zwischen Asselscheuer und Heisdorf. Es ist der Höhepunkt der zweijährigen Anschlagserie, bei der vor allem zu Beginn vorrangig Strommasten gesprengt werden und die beiden Zeugen reagieren richtig: Sie verständigen die Sicherheitskräfte. Zwei Gendarmen entdecken schließlich, dass das Licht Teil einer perfiden Sprengfalle ist.

Sie sollte Ordnungshüter aber vielleicht auch Spaziergänger anlocken, die dann anhand eines in der Dunkelheit gespannten Stolperdrahts eine tödliche Explosion ausgelöst hätten. Doch dazu kam es nicht. Die Bombe wurde entschärft und sichergestellt.

Wie aus den unserer Redaktion vorliegenden Dokumenten hervorgeht, wurden im Jahr 2003 vom rechtsmedizinischen Institut der Universität Mainz an neun Stellen an einem Klebestreifen, der an einer blauen Batterie der Marke „Berec“ befestigt war und an einer rot-schwarzen Taschenlampe der Marke „Daimon“ DNA-Spuren gesichert.

110 DNA-Profile - Kein Täter

Es folgte ein umfangreicher Abgleich von Fingerabdrücken und DNA-Spuren. Insgesamt wurden DNA-Profile und Fingerabdrucksätze von 110 „berechtigten Spurenlegern“ erstellt, demnach von Personen, die am Tatort selbst, oder aber im Laufe der Ermittlungen mit den Asservaten in Berührung gekommen sein konnten. Dazu gehörten auch die zehn Mann der Brigade Mobile inklusive der beiden Angeklagten Marc Scheer und Jos Wilmes, zwei Beamte der Waffenkammer der Gendarmerie, zwei Gendarmerie-Kommandanten, der oft als Verdächtiger genannte Ben Geiben, elf Mitglieder des „Comité permanent de sécurité“ und sechs inzwischen verstorbene Personen.

Am 8. Februar 2005 schlussfolgerten die Bommeleeër-Ermittler wie folgt: „Nach wie vor konnte der Abdruck an der fraglichen Taschenlampe bis dato nicht zugeordnet werden. Es ist demzufolge nicht auszuschließen, dass dieser vom Täter stammt, es sei denn die Taschenlampe wäre noch von weiteren, uns nicht bekannten berechtigten Spurenlegern manipuliert, respektiv angefasst worden.“ Das gleiche gilt für die DNA-Spuren.

Solche gab es übrigens auch auf dem zweiten, vierten und achten Erpresserbrief der Bommeleeër. Doch auch diese DNA-Spuren, die von einer und der gleichen Person stammen, konnten bislang nicht zugeordnet werden. Sie werden aber zumindest in der Anklageschrift erwähnt. Vom Fingerabdruck und der DNA an der Sprengfalle ist jedoch im Requisitoire keine Rede.


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