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Bommeleeër: Der Prinz und der Zeuge
Lokales 6 Min. 18.02.2014 Aus unserem online-Archiv

Bommeleeër: Der Prinz und der Zeuge

Die Prinzen Jean (l.) und Guillaume (r.) werden kommende Woche am Donnerstag als Zeugen angehört.

Bommeleeër: Der Prinz und der Zeuge

Die Prinzen Jean (l.) und Guillaume (r.) werden kommende Woche am Donnerstag als Zeugen angehört.
Foto: Gerry Huberty / Archiv
Lokales 6 Min. 18.02.2014 Aus unserem online-Archiv

Bommeleeër: Der Prinz und der Zeuge

Wie kam es zur Spur „Prince Jean“? Wann und wodurch kamen die Gerüchte über eine Tatbeteiligung auf? Was hat es mit dem RTL-Zeugen auf sich, der den Prinzen am Findel gesehen haben will? Mit diesen Fragen beschäftigte sich die Kriminalkammer am 133. Verhandlungstag.

(str) - Wie kam es zur Spur „Prince Jean“? Wann und wodurch kamen die Gerüchte über eine Tatbeteiligung auf? Was hat es mit dem RTL-Zeugen auf sich, der den Prinzen am Findel gesehen haben will? Mit diesen Fragen beschäftigte sich die Kriminalkammer am 133. Verhandlungstag.

Bereits während der Attentatsserie ist das Gerücht aufgekommen, „een Décken“ müsse in die Attentatsserie verwickelt sein, erklärte Ermittler Marc Weis gestern vor der Kriminalkammer. Dem Gerücht zufolge ist das denn auch der Grund, warum die Bommeleeër-Affäre nicht aufgeklärt werden könne.

In der Presse wurde diese Auffassung erstmals Ende 1985 aufgegriffen. Die Rede ist dabei von einem nicht näher genannten Mitglied des Luxemburger Hochadels, einem Schrotthändler und ehemaligen Mitarbeiter der Straßenbauverwaltung aus Lorentzweiler und dem Ex-Gendarmerie-Offizier Ben Geiben.

Der Ursprung der Gerüchte zu Prinz Jean ist wohl durch mehrere Faktoren begünstigt worden, erklärte Marc Weis: Der Verzicht von Prinz Jean auf seine Thronfolgerrechte im September 1986, die gleichzeitige Schrumpfung der Ermittlergruppe von 30 auf 13 Personen, die Auseinandersetzungen zwischen Ermittler Paul Haan und Gendarmerie-Chef Aloyse Harpes, die Unzufriedenheit in der Sûreté sowie der Besuch von Harpes und Marc Zovilé im großherzoglichen Palast seien ein fruchtbarer Nährboden gewesen.

Die „Presse-Soko“

Auch Journalisten – eine Gruppe um Marc Thoma und Josy Braun, die von der Kriminalpolizei „Presse-Soko“ getauft wurde – hatte, wie Weis erklärte, eigene Ermittlungen angestrengt und ihre gesamten Erkenntnisse zu einem Ganzen zusammengestrickt. Die Hauptverdächtigen der Journalisten waren Jean Nassau (der Sohn von Großherzog Jean), Antoine Feidt (ein Immobilienhändler aus Mersch), Albert Kolber (ebenfalls Immobilienhändler und früherer Notarschreiber) und Bernard Geiben.

1990 befassten sich die Bommeleeër-Ermittler im Detail mit den Erkenntnissen der Journalistengruppe. Ihr Fazit war vernichtend: Es seien Mutmaßungen, die auf Fehlinformationen und Fehlinterpretation beruhen würden. „Keng vun de Presseleit hiere Spuren huet zur Klärung vum Dossier bäigedroen“, betonte Marc Weis gestern.

Prinz Jean selbst sagte den Ermittlern, er habe erst am 11. November 2005 durch seinen Bruder Henri von den Gerüchten über seine Person erfahren. Dem vorangegangen war die Aussage eines zunächst anonymen Zeugen gegenüber RTL, er habe eine Person des öffentlichen Lebens am Morgen des Anschlags am Findel gesehen. Später wird der Mann als Eugène Beffort identifiziert und sowohl von den Ermittler als von der Untersuchungsrichterin angehört.

Am Morgen des 9. November 1985 sei er zwischen 3.30 und 4 Uhr von Neudorf aus zur Arbeit bei DuPont de Nemours gefahren. Es habe stark geregnet. Gegenüber des Centser Wasserbeckens habe er dann auf einem Zufahrtsweg zum Flughafen ein Fahrzeug mit heller Innenbeleuchtung gesehen. Da er gedacht habe, der Wagen habe eine Panne, sei er zu dem Auto gefahren. Im Innern habe er einen Mann mit Kapuzen-Anorak gesehen, der dabei gewesen sei, die Schuhe zu wechseln. Im Innern des hellen Combi-Wagens habe er zudem Kabel bemerkt.

Als der Mann auf ihn aufmerksam geworden sei, habe dieser ihn mit einem durchdringenden Blick angesehen. Er habe sich deshalb wieder entfernt, nicht ohne sich das Kennzeichen des Wagens, das nur aus Zahlen bestanden habe, aufzuschreiben. Erst auf der Weiterfahrt zur Arbeit sei ihm bewusst geworden, dass es sich bei dem Verdächtigen um Prinz Jean gehandelt habe. Seine Beobachtung habe er dann dem „Bommentelefon“ mitgeteilt.

Widersprüchliche Aktennotiz

Tatsächlich konnten die Ermittler eine diesbezügliche Aktennotiz ausfindig machen. Doch die Aussagen, die 1985 notiert worden, sind weitaus ungenauer als jene von 2005 und vor allem fehlt in dem Bericht von Ermittler Büchler jeglicher Hinweis auf Prinz Jean. 1985 berichtete Beffort laut Notiz von einem schwarzen Opel, dessen Kennzeichen mit „DY“ begannen und einem Mann mit weißblondem Haar und buschigen Augenbrauen.

Für die Ermittler, die sich 2005 mit Befforts Aussage befassten, gab es noch andere Unstimmigkeiten. So regnete es an jenem Tag erst nach 6 Uhr und in dem Werk in dem Beffort arbeitete, gab es einen Produktionsstop. Fragen werfen auch angebliche Drohungen durch Sûreté-Beamte auf, denn laut Beffort hätten unbekannte Männer ihn nach seiner Meldung, aber noch vor der Explosion davor gewarnt, jemals öffentlich den Namen des Prinzens zu nennen.

Am Mittwoch wird sich im Prozess weiter mit dem „Volet Prince Jean“ befasst.

  • „Een, deen net d'Wourecht seet“

Tumultartige Szenen hatten sich am Montag beim Bommeleeër-Prozess im Übertragungssaal abgespielt. Ermittler Carlo Klein hatte sich während der Aussage von André Kieffer in dem Zuschauerraum aufgehalten. Als Kieffer damit begann, Klein zu beschuldigen, der Ermittler habe eine Zeugenvernehmung unterschlagen und ihn unter Druck gesetzt, um Pierre Reuland zu belasten, haben offenbar Zuschauer damit begonnen, Carlo Klein zu beschimpfen und auszubuhen. Als unzivilisiert und unschön bezeichnete die vorsitzende Richterin das Benehmen der Zuschauer.

„Dat Eenzegt, wat geschitt ass, ass datt den Här Klein net direkt eriwwer komm ass“, stellte Sylvie Conter fest. „Wa mir vun do iwwer nach sou Incidents ze héiere kréien, dann ass dee Sall zou!“

Carlo Klein erklärte der Kriminalkammer indes, dass er am Montag zwei neue Mitglieder der Ermittlergruppe eingewiesen habe und mit denen in den Übertragungssaal gegangen sei, um ihnen die nötigen Erklärungen zum Prozess zu geben. Zudem legte er einen Ausdruck der Kurzmitteilungen vor, die er mit einem Ermittlerkollegen austauschte. Diese waren offensichtlich belanglos. Klein betonte, dass er anschließend zu seinem Büro gegangen sei, um der Darstellung Kieffers noch einmal auf den Grund zu gehen.

Carlo Klein und Joël Scheuer widersprachen gestern den Aussagen von Kieffer. Beide betonten sie, Kieffer kein drittes Mal angehört zu haben. Dazu habe es keinen Anlass gegeben. Ermittler Scheuer legte alle Schritte dar, die im Bommeleeër-Dossier mit André Kieffer im Zusammenhang stehen. „Mir wëssen näischt vum Här Reuland zu Izeg a mir wëssen och näischt vum Här Nettgen zu Izeg“, betonte Scheuer. „Dat ass fir d'éischt, datt den Här Kieffer esou eppes gesot huet.“ Im Juni 2007 sei die Untersuchung zum Attentat Itzig bereits abgeschlossen gewesen. Und Reuland sei überhaupt erst 2008 ins Gespräch gekommen. „Mir hunn zu kengem Moment op de Reuland zu Izeg enquêtéiert“, erklärte Klein.

Auch die Richterin schien nicht von Kieffers Auftreten überzeugt. „Dir kommt just heihinner a sot, dat war esou“, meinte Sylvie Conter. „Bäi alles, wou een Iech en Unhaltspunkt freet, fir dat festze- maachen, kënnt Dir eis keng Äntwert ginn“.

Kriminalpolizist André Kieffer blieb bei seiner Darstellung. „Et ass ee vun eis heibannen, deen net d'Wourecht seet“, betonte er. Damit dürfte er recht haben. Überzeugender wurde seine Aussage dadurch allerdings nicht.


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