Bommeleeër: Der Prinz im Gebüsch

Am Dienstag wurden gleich sechs neue Zeugen vor Gericht angehört, die zum Teil zwar über spektakuläre, aber leider auch kaum überprüfbare Erlebnisse berichteten.

Vor dem Anschlag auf die Hellinckx-Villa will eine Nachbarin Prinz Jean dort gesehen haben.
Vor dem Anschlag auf die Hellinckx-Villa will eine Nachbarin Prinz Jean dort gesehen haben.
Foto: Lé Sibenaler

(mth) - Den Anfang machte der Zeuge Charles Biltgen, der vor Gericht beschrieb, wie er zwischen 1978 und 1979 im Rahmen eines Basketballspiels, wo er als Schiedsrichter tätig war, den späteren BMG-Gründer und Verdächtigen Ben Geiben getroffen habe. Dieser habe auffällige Schweißbänder mit den „Stars and Stripes“ der US-Flagge getragen, was damals unüblich gewesen sei. Geiben habe ihm erzählt, er sei „zu einer Ausbildung in den USA gewesen, da er eine Spezialeinheit für die Gendarmerie in Luxemburg aufbauen solle“.Biltgen gab an, er habe sich über eine derart offenherzige Aussage Geibens, der ansonsten „knapp in seinen Aussagen“ gewesen sei, gewundert.

Auf Nachfrage, ob Geiben denn der Chef dieser Einheit werden würde habe Geiben dann geantwortet: „Nein, aber das werden noch einige bereuen“. Das Gericht bemerkte allerdings, dass Geiben nach 1979 die BMG sehr wohl befehligt habe, was insofern nicht zu dieser angeblich sich selbst belastenden Aussage passen würde.

Treibstofflager im Visier?

Der zweite Zeuge, Milan Klouda, sagte aus, wie er als Verantwortlicher der Sicherheit am Flughafen einige Wochen vor den Anschlägen darüber informiert wurde, dass ein Sicherheitsangestellter per Überwachungskamera beobachtet habe, dass zwei Personen gegen 3 Uhr nachts unerlaubt auf das Flughafengelände eingedrungen waren und sich im Treibstofflager der Firma Esso umgesehen hatten. Der Vorfall sei drei bis vier Wochen vor dem Anschlag auf das ILS-System am Flughafen passiert, so Klouda. Er habe einen Bericht verfasst, woraufhin das Treibstofflager unter militärische Bewachung gestellt worden sei. Etwa zur gleichen Zeit habe eine befreundete Familie Molak, die in der Nähe des Lagers wohnte, mehrere Personen gesehen, die die Treibstofftanks fotografiert hätten.Kloudas Aussagen widersprechen jedoch jenen des Zeugen Molak und zudem gab es vor Gericht größere Unstimmigkeiten darüber, in welchem Zeitraum die Überwachung des Treibstoffdepots durch die Armee stattgefunden hat. Das Gericht will den Originalbericht Kloudas beschaffen und auf Antrag der Verteidigung den Aufseher, der Klouda benachrichtigt hatte, sowie den Gendarmen, der am Findel Dienst hatte, als Zeugen zitieren.

Prinz Jean im Gebüsch?

Ebenfalls recht spektakulär war anschließend die Aussage der Zeugin Marie-Louise Besenius, die 2006 ein brisantes Gespräch mit einem Ehepaar Hostert geführt hatte, das in der Nachbarschaft des Notars Hellinckx, wohnte, dessen Villa Angang 1986 zum Ziel des vorletzten Attentats wurde. Frau Hostert habe erzählt, wie sie am Vortag des Anschlags den Prinzen Jean gesehen habe der am Rande des Hellinckx-Anwesens „aus einem Weg im Gestrüpp aufgetaucht sei, wo sonst nie jemand rauskomme“.  Nach dem Anschlag sei das Ehepaar vernommen worden, wobei dem Paar nahe gelegt worden sei, „nichts weiterzusagen“.

Eine wesentlich interessantere Aussage machte jedoch der nächste Zeuge Franz Hermes, der als technischer Mitarbeiter am 2. Dezember 1985 Zeuge des An- schlags während des EU-Gipfels auf dem Kirchberg wurde. Dem- nach seien sämtliche Mitarbeiter vor dem Gipfel informiert worden, dass die Autobahn gesperrt sei – eine Aussage, die der Darstellung früherer Zeugen widerspricht, die erklärt hatten, die Sperrung der Autobahn sei nicht geplant gewesen.Als letzter Zeuge sagte der frühere Gendarmerie- und Polizeioffizier Marcel Reiter aus, der bestätigte, dass die von Minister Fischbach geforderte  „Groupe des adjoints“ als Arbeitsgruppe von Beginn an zum Scheitern verurteilt war.

Das Dokument, in dem die Mitglieder des "Groupe des adjoints" dem Minister Fischbach mitteilen, dass sie ihren Auftrag nicht erfüllen können:

Sprengstoff und Eieruhren

Der Zeuge René Grethen, der eine größere Menge Sprengstoff im Kofferraum des Wagens von Jos Steil gesehen haben will, blieb am Mittwoch bei seiner Aussage. Steil, laut Grethen „ein feiner Kerl, der aber oft zu viel trank“, habe mit anderen Tauchern des Zivilschutzes in Schimpach übernachtet. Der BMG-Mann habe ihm angeboten, ein Trümmerfeld für ihn zu sprengen und ihm den Kofferraum seines Wagens gezeigt, der „mit Sprengstoff vollgepackt“ gewesen sei. Steil habe erklärt, das Material für Übungen zu benötigen. Daneben habe er auch eine Art Schaltuhr mit Ziffernfeld gesehen. Grethen schloss auf Nachfrage aus, dass es sich um Taucherausrüstung gehandelt haben könne. Er identifizierte zudem anhand eines Fotos eine Eieruhr des Typs, wie sie laut den Ermittlern bei einigen der Anschläge benutzt wurden.