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Bommeleeër: Der Mann auf dem Foto
Lokales 4 Min. 15.01.2014 Aus unserem online-Archiv

Bommeleeër: Der Mann auf dem Foto

Wer ist auf dem Foto? Sowohl Marcel Weydert wie auch Jos Wilmes erklärten, der Mann neben Marc Scheer (links) zu sein.

Bommeleeër: Der Mann auf dem Foto

Wer ist auf dem Foto? Sowohl Marcel Weydert wie auch Jos Wilmes erklärten, der Mann neben Marc Scheer (links) zu sein.
Foto: Lé Sibenaler
Lokales 4 Min. 15.01.2014 Aus unserem online-Archiv

Bommeleeër: Der Mann auf dem Foto

Es lag etwas in der Luft, am Dienstag in der 113. Sitzung im Bommeleeër-Prozess. Zwei Zeugen wurden angehört: Einer fiel durch seine einsilbigen Antworten auf, der andere sorgte mit Aussagen, die im Widerspruch zum bislang bekannten Szenario standen, für Aufsehen.

(str) - Es lag etwas in der Luft, am Dienstag in der 113. Sitzung im Bommeleeër-Prozess. Zwei Zeugen wurden angehört: Einer fiel durch seine einsilbigen Antworten auf, der andere sorgte mit Aussagen, die im Widerspruch zum bislang bekannten Szenario standen, für Aufsehen.

Beide gehörten zur Zeit der Anschläge der Brigade Mobile der Gendarmerie an, jener Spezialeinheit, in deren Dunstkreis die Staatsanwaltschaft die Bommeleeër ansiedelt.

Zunächst kam Michel Schickes zu Wort – wobei zu Wort kommen etwas übertrieben erscheinen mag, denn seine Antworten waren recht dürftig. Immer wieder wiederholte er die Fragen, die ihm gestellt wurden, und antwortete mit Gegenfragen. Wenn er dann zu erzählen begann, rang er offensichtlich mit den Worten. Zudem wirkte er reichlich nervös und schien darauf bedacht, nur kein Wort zu viel zu sagen.

Schickes war 18 Jahre lang Mitglied in der BMG. Spezialisiert war er genau wie Jos Steil in Zugangssprengungen. Das Grundwissen hierzu hätten sie 1981 in Wittlich vermittelt bekommen, Öffnungstechniken etwa für den Fall einer Geiselnahme, veranschaulichte er.

Dabei sei die Herausforderung immer gewesen, die richtige Sprengstoffdosis festzulegen, damit niemand verletzt würde. Bei der Ausbildung habe man zudem Broschüren zu Sprengtechniken bekommen. Diese seien in den Räumen der BMG allerdings nicht für jedermann zugänglich gewesen. Nur auf Anfrage seien die Dokumente ausgehändigt worden. Gemeinsam mit Marc Scheer war Schickes außerdem als „Moniteur de tir“ ausgebildet worden.

BMG bestens informiert?

Die BMG sei bei den Attentaten nicht an den Tatorten engagiert gewesen. Man habe lediglich Patrouillen und Kontrollen im weiteren Umfeld der Explosionsorte durchgeführt. „Am Fong wousst kee sou genau, wou mer woren“, betonte er.

Informationen zu den Ermittlungen habe er nicht bekommen - ein Widerspruch zu früheren Aussagen, in denen er erklärt hatte, die BMG sei immer bestens informiert gewesen. Die Aussage beruhe auf der heutigen Sicht der Dinge, verdeutlichte er. Er sei immer der Meinung gewesen, dass man gut informiert gewesen sei.

Erst als Scheer im Fernsehen wütend erklärt habe, dass die BMG überhaupt nicht informiert war, sei ihm bewusst geworden, dass das anders war. Er habe aber aus reiner Neugier immer versucht, an Informationen zu kommen und sich so seine Gedanken gemacht. „Wann een zéng Leit gefrot huet, da wousst een awer herno eppes“, unterstrich er.

Seine Informationen zum Fall habe er bei einer Fortbildung beim BKA erhalten. Dort habe er nämlich jemanden kennengelernt, der an der Fallanalyse beteiligt war. Er habe sich dann Kopien etwa von den Erpresserbriefen gemacht. „Ech hätt léiwer gehat, en hätt eis deemools gesot, firwat e beschtens informéiert war a vu wou en d'Erpresserbréiwer hat“, ärgerte sich der beigeordnete Staatsanwalt Georges Oswald.

Keine kriminelle Energie

Die BMG sei nie gebrieft worden, erklärte Schickes. Das habe daran gelegen, dass die Spezialeinheit nicht an den Ermittlungen beteiligt war, sondern lediglich in der Endphase den Zugriff tätigen sollte. Dazu sei es in diesem Fall aber eben nie gekommen.

Er könne sich auch nicht vorstellen, dass jemand aus der BMG an den Attentaten beteiligt gewesen sei. Zu eng sei die Bindung der Truppe damals gewesen. „Wann een do sou aktiv gewiescht wier, dat wier opgefall“, meinte er. Wenn er jemals Zweifel gehabt hätte, dann wüsste er das heute noch. Doch niemand habe jemals eine derartige kriminelle Energie an den Tag gelegt.

Zum Quecksilberschalter in der präparierten Taschenlampe am Findel meinte Schickes, er habe zwar keine detaillierte Kenntnis dazu, aber er habe sich das immer ähnlich wie bei einer Setzwaage vorgestellt.

Oswald hielt dem entgegen, dass Schickes 2006 eine sehr präzise Aussage zu dem Quecksilberschalter gemacht habe. Dabei habe er auch von einer Transportsicherung der Attentäter gesprochen. „Unhand vun de Biller hunn ech geschloss, datt do eng Sécherung huet misse gemaach ginn“, rechtfertigte sich Schickes.

Drei Männer, ein Foto

Für eine Überraschung sorgten der Zeuge Marcel Weydert und der Beschuldigte Jos Wilmes im weiteren Verlauf der Verhandlung. Beide erklärten nämlich, sie seien jener Mann, der mit Marc Scheer auf einem Foto zu sehen ist, das am 9. Juli 1985 im „Luxemburger Wort“ erschien. Ermittler Joël Scheuer unterstrich, dass Weydert laut BMG-Logbuch an diesem Tag Urlaub hatte.

Doch Weydert blieb dabei und fügte hinzu, dass es damals gängige Praxis gewesen sei, aus dem Urlaub zurückbeordert zu werden. Dann folgte eine weitere überraschende Aussage: Er sei damals mit Marc Scheer zum Tatort gefahren – vom Büro aus, erklärte Weydert.

Scheer und Wilmes hatten bislang immer ausgesagt, dass sie gemeinsam auf direktem Weg von Asselscheuerhof zu den Kasematten gefahren seien und beide bekräftigten das auch in der Verhandlung am Dienstag. „Ech ka mech net erënneren op de Verluerekascht gefuer ze sinn, an do de Wilmes géint de Weydert getosch ze hunn“, witzelte Scheer.

Doch damit nicht genug. Es sollte noch eine weitere Überraschung geben: Weydert erklärte, er sei nie Mitglied in der Observierungseinheit GOR gewesen. „Am GOR war ech net, Madame“, bekundete er. „Meng Affektatioun war ëmmer nëmmen an der Brigade Mobile“.

Laut einer „Note de service“ und Zeugenaussagen waren die BMG-Mitglieder Wilmes und Weydert jedoch sehr wohl während zehn Tagen dieser Einheit zugeteilt.  Mittwoch werden die Ex-BMG-Mitglieder François Hentzen, Romain Immer und Claude Carelli angehört. Am Donnerstag soll die Befragung von Weydert fortgesetzt werden.


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