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Bommeleeër: "Der letzte Schrei"
Willi Bauer war zur Zeit der Anschläge Chef des Radionavigationsdiensts am Flughafen.

Bommeleeër: "Der letzte Schrei"

Foto: Anouk Antony
Willi Bauer war zur Zeit der Anschläge Chef des Radionavigationsdiensts am Flughafen.
Lokales 3 Min. 05.03.2014

Bommeleeër: "Der letzte Schrei"

„Entweder waren die Attentäter bestens infomiert oder sie hatten einfach nur Glück“, meinte am Mittwoch im Bommeleeër-Prozess ein ehemaliger Flughafenmitarbeiter. Ein anderer sprach hingegen von „extrem gutem Insiderwissen“.

(str) - „Entweder waren die Attentäter bestens infomiert oder sie hatten einfach nur Glück“, meinte am Mittwoch im Bommeleeër-Prozess ein ehemaliger Flughafenmitarbeiter. Ein anderer sprach hingegen von „extrem gutem Insiderwissen“.

Willi Bauer war zur Zeit der Anschlagsserie Chef des Radionavigationsdiensts am Flughafen. Damit war er auch verantwortlich für jene Anlagen, die von den „Bommeleeër“ gesprengt wurden. „Et war meng Missioun, dat opze᠆riichten an dofir ze suergen, datt se funktionéieren“, betonte er nicht ohne Stolz. „Dat war deemools den dernier cri“. Der Findel sei einer der ersten europäischen Flughäfen gewesen, die mit der modernen Technik ausgestattet wurden, die es Flugzeugen erlaubte bei verhältnismäßig dichtem Nebel zu landen. „Wann eng Cargolux huet misse wéinst dem Niwwel zu Bréissel landen, dann huet dat alt emol fënnef Millioune Frang kascht“, erläuterte Willi Bauer.

Bei der Installation habe niemand an Terrorakte gedacht, fuhr er fort. Das Gelände sei durch einen Zaun abgesichert gewesen. Auch im Ausland seien solche Anlagen damals nicht durch Kameras und Alarmanlagen überwacht gewesen.

Das elektronische Landesystem ILS verfügte allerdings über einen Field Monitor – eine Antenne, die dazu diente, die Sicherheit der Messwerte zu gewährleisten. Wäre jemand in den Empfangsbereich der Anlage eingedrungen, wäre dies als Störfaktor erkannt worden, und die gesamte Anlage hätte sich abgeschaltet. Das war aber nicht der Fall. „Wann d'Anlag sech ausgeschalt hätt, wier bei mir doheem den Telefon gaang, an ech wier direkt dohi gefuer“, erklärte Bauer. „Entweder haten se Chance, oder do war een, dee wousst, datt se sech sollte wechhalen“.

„Mir gi gesprengt!“

Einen Anruf erhielt Willi Bauer am Abend des Anschlags dennoch. Gérard Stoffels, der zum Zeitpunkt der Explosion als Lotse im Tower war, rief ihm voller Panik an: „Ech sëtzen hei ënnert dem Dësch, mir gi gesprengt“, habe Stoffels gesagt.

Willi Bauer erinnerte sich zudem auch daran, dass Colonel Bourg bereits in der Nacht am Tatort war. Das sei ihm in Erinnerung geblieben, weil Bourg über Funk ständig vom Minister geredet und den Rufnamen ,Saturn 5‘ benutzt habe.“ Bourg hatte vor Gericht betont, er erinnere sich lediglich, am Tag nach dem Anschlag vor Ort gewesen zu sein.

Fluglotse Gérard Stoffels erklärte am Mittwoch im Zeugenstand, die Attentäter hätten ganz genau gewusst, was sie taten, indem sie zwei unabhängige Anlagen gesprengt hätten. „Dofir brauch een extrem gutt Insiderwëssen“, untermauerte er. Als es knallte, habe er gedacht, „wann se den elektronesche System sprengen, dann och sécher de Kapp, an dat ware mir am Tower“.

Als Zeugen wurden gestern zudem auch zwei Autofahrer angehört, die am Tag vor dem Anschlag, bzw. am Abend des Anschlags einen Renault in dem Waldweg gegenüber dem amerikanischen Soldatenfriedhof gesehen hatten.

Zu Beginn der Sitzung hatte der beigeordnete Staatsanwalt Oswald einen Brief von Henri Etienne vorgelesen, in dem dieser betonte, „d'Opbrieche vum Mantel des Schweigens“ sei nur noch eine Frage von Tagen. Er werde die Namen der Täter nennen.

Zum Ende der Verhandlung zitierte Verteidigerin Me Lydie Lorang die Aussage eines anonymen Zeugen, der gemeinsam mit seinem Sohn zwei verdächtige Männer zum Zeitpunkt des Anschlags in der Route de Trèves in Findel beobachtet hatte und diese auch recht gut beschreiben konnte.

Die zwei jungen Männer hätten die Lichter an ihrem Wagen ausgeschaltet, als sich die Polizeikräfte mit Blaulicht näherten, den Wagen gewendet und sich dann mit hoher Geschwindigkeit entfernt. Die vorsitzende Richterin Sylvie Conter betonte, dass es durchaus möglich sei, dass es sich dabei um zwei weitere Täter handelte, die das Gelände eben auf der anderen Seite des Tatorts verlassen hätten.


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