Bommeleeër: der 171. Verhandlungstag

Wer frisierte die „Plan“-Akte?

Srel-Chef Heck ist überzeugt, dass die Akte zum luxemburgischen Stay Behind manipuliert wurde

Zweimal Heck: Vater Jean-Paul und Sohn Patrick.
Zweimal Heck: Vater Jean-Paul und Sohn Patrick.
Foto: Anouk Antony

Neue Erkenntnisse über eine Verbindung zu den Anschlägen wurden nicht gewonnen, dafür stellen sich neue Fragen, was unter Hecks Vorgänger beim Srel mit der Akte zum luxemburgischen Stay-Behind-Ableger „Plan“ passierte.

Geheimdienstchef Patrick Heck konnte gestern trotz keinerlei neuen Informationen liefern, die auf eine mögliche Verbindung zwischen den Bombenanschlägen Mitte der 1980er Jahre und dem luxemburgischen Stay-Behind-Netzwerk „Plan“ hinweisen könnten. Die Verteidigung vertritt bekanntlich die These, dass Mitglieder des geheimen Netzwerks die Anschläge verübten, um im Rahmen einer von US-Geheimdiensten orchestrierten „Politik der Spannung“ eine antikommunistische Stimmung zu schaffen. Dafür wurde allerdings nie der geringste Beleg gefunden – auch die Ermittler sahen keinen Zusammenhang.

Patrick Heck sagte vor Gericht, er habe sich mit dem Thema eingehend befasst und sei zu dem Schluss gekommen, dass „Plan“ nichts mit der Bommeleeër-Affäre zu tun hatte. Stay Behind sei eine klassische Untergrundorganisation gewesen, die das legitime Recht Luxemburgs, im Falle einer Besetzung Widerstand zu leisten, wahrgenommen habe. Missionen und Ausrüstung von „Plan“ hätten exakt dem entsprochen, was bisher bekannt wurde. Auf Nachfrage des Gerichts bestätigt er, dass es keine Abteilung „Aktionen“ beim „Plan“ gab. Die Luxemburger Regierung habe dies so entschieden und der Srel habe sich an diese Doktrin gehalten. Er könne natürlich nicht ausschließen, dass Unbekannte auf eigene Initiative gehandelt hätten.

Fragen wirft die Tatsache auf, dass eine Reihe von Dokumenten in der Srel-Akte offenbar absichtlich eingefügt wurden, um die Stay-Behind-These zu stützten. Heck bestätigte dies gestern, konnte aber nicht mit Sicherheit sagen, wer die Akte manipuliert habe – der Verdacht, dass dies unter seinem Vorgänger Marco Mille passierte, liegt nahe. In Frage für eine Manipulation kommen auch die ehemaligen Srel-Mitarbeiter André Kemmer und Frank Schneider, die bekanntlich unter Marco Mille in undurchsichtige Aktivitäten verwickelt waren.

Patrick Hecks Vater Jean- Paul Heck, der gestern als Zeuge aussagte, weil ein gewisser Marcel Hurt in einem Schreiben an die Verteidigung behauptet hatte, dieser sei als Armeeoffizier bei der Nato in Belgien für Stay Behind zuständig gewesen, konnte auch nicht viel zur Sache sagen: er habe während seiner Dienstzeit nie etwas mit Stay Behind zu tun gehabt, so Heck, der sich die Aussagen von Hurt nicht erklären kann – letzterer hatte sich übrigens von dem Schreiben distanziert und behauptet, dieses stamme nicht aus seiner Feder. Aufklärung dürfte die baldige Anhörung von Marcel Hurt als Zeuge bringen, sowie die seines Sohnes Laurent Hurt, der ein ehemaliges Kindermädchen der großherzoglichen Familie Nadine Rausch in einem anderen Schreiben ebenfalls der Mitwisserschaft bezichtigt hatte – auch dies hatte sich als unzutreffend erwiesen. Laurent Hurt soll am Mittwoch mit Rausch in einer Gegenüberstellung als Zeuge aussagen.