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Bommeleeër: „De Schlëssel vun der Affär“
Lokales 7 Min. 11.02.2014 Aus unserem online-Archiv

Bommeleeër: „De Schlëssel vun der Affär“

Für Paul Haan kommt der Tatsache, dass er von den Ermittlungen abgezogen wurde, eine Schlüsselrolle zu.

Bommeleeër: „De Schlëssel vun der Affär“

Für Paul Haan kommt der Tatsache, dass er von den Ermittlungen abgezogen wurde, eine Schlüsselrolle zu.
Foto: Romain Schanck
Lokales 7 Min. 11.02.2014 Aus unserem online-Archiv

Bommeleeër: „De Schlëssel vun der Affär“

Beim Bommeleeër-Prozess hat der ehemalige Bommeleeër-Ermittler Paul Haan eine interessante Hypothese in den Raum gestellt, ohne diese jedoch weiter zu erläutern. Haan erschien am Montag zögerlicher als bei seinen bisherigen Anhörungen.

(str) - Knapp 90 Minuten dauerten die Verhandlungen am Montag im Bommeleeër-Prozess. Drei Zeugen waren vorgeladen. Einer von ihnen, der ehemalige Bommeleeër-Ermittler Paul Haan, stellte dabei eine interessante Hypothese in den Raum, ohne diese jedoch weiter zu erläutern. Haan, der auch heute noch in Polizeikreisen als brillanter Ermittler gilt, erschien am Montag zögerlicher als bei seinen bisherigen Anhörungen.

Zur Vorgeschichte: Untersuchungsrichter Prosper Klein hatte nach den Anschlägen große Hoffnungen in die Ermittler Paul Haan und Aloyse Schons gesetzt, doch als die neu geschaffene Ermittlergruppe ihre Arbeit aufnehmen sollte, wurde Haan zum Sekretär der Sûreté befördert und Schons zum Stationskommandanten.

Haan ist heute überzeugt, dass Colonel Harpes ihn „mat allen Ëmstänn aus der Enquête wollt eraushunn“. Mit Harpes liegt Haan nunmehr seit über 30 Jahren im Zwist. So hatte Haan Harpes u. a. wegen Amtsmissbrauchs beim zuständigen Minister angezeigt.

Am Montag strich Haan vor der Kriminalkammer die Tatsache hervor, dass er und Schons vom Bommeleeër-Dossier abgezogen worden seien, sei „de Schlëssel vun der Affär“. Untersuchungsrichter Prosper Klein habe mit Ermittlern arbeiten müssen, die Angst gehabt hätten. Diese hätten dann nicht das getan, was hätte getan werden müssen.

Ech zécken, eppes ze soen“

Was denn seine Erklärung hierfür sei, wollte die vorsitzende Richterin Sylvie Conter von Haan wissen. „Lo si mer op engem Punkt, wou ech zécke, fir eppes ze soen“, meinte Haan. „Mir hunn der hei zwee sëtzen, mir schwätze vu véier an do ass de Kapp net dobäi“. Er solle seine Gedanken ruhig mit der Kriminalkammer teilen, hakte Sylvie Conter nach. Doch Haan haderte und erklärte, „Nee, ech hunn e Verdacht, mä ech kann et net beweisen.“ Trotz aller Bemühungen der Richterin blieb Haan dabei und weigerte sich, mit der Sprache herauszurücken.

Als ihn dann Me Gaston Vogel fragte, inwieweit seiner Auffassung nach die Beschuldigten Wilmes und Scheer in die Affäre verwickelt seien, sagte Haan: „Wéi der mech déi éischte Kéier gefrot hutt, hunn ech gesot ech gleewe et net“. Dann zögerte er erneut und fuhr schließlich fort: „An der ganzer BMG hunn ech kee gesinn, deen op d'Beschreiwung vun deene véier gepasst huet.“ Es gehe wohl eher in Richtung der Armee. Dann hielt Haan inne. Weder Richterin noch Verteidigung konnten ihn zu weiteren Ausführungen bewegen.

Vogel meinte, das bringe die Sache dann zurück zu Pierre Kohnen und zu dem Dementi von Colonel Gretsch. Zu Kohnen betonte Haan dann, dass dieser jetzt von einem roten Auto erzähle, das ihn bei der Geldübergabe verfolgt habe, das sei neu.

Sporadischer Kontakt zum BKA

Bereits zuvor hatte Haan erklärt, wenn das stimme, was Kohnen im Bezug auf das BKA und den Anschlag auf den Justizpalast gesagt hatte, dann hätte er das auch gewusst. Dem sei aber nicht so, betonte Haan. Es habe zwar sporadischen Kontakt zum BKA gegeben – Haan erinnert sich an ein Arbeitsessen mit BKA-Leuten, bei dem über Rasterfahndung gesprochen wurde –, aber richtig in die Ermittlungen eingebunden worden sei das Bundeskriminalamt nicht.

Daran, kurz vor dem Anschlag auf den Justizpalast den damaligen Präsidenten des Handelsgerichts Pierre Gehlen aufgesucht zu haben, konnte sich Haan in der Sitzung am Montag nicht erinnern. Gehlen müsse ihn verwechseln.

Pierre Gehlen hatte sich vergangene Woche beim beigeordneten Staatsanwalt Georges Oswald gemeldet und ausgesagt, dass Ermittler Haan und der beigeordnete Staatsanwalt Hary ihn wenige Tage vor dem Anschlag auf den Justizpalast aufgesucht hätten, um sich über einen Fall von unlauterem Wettbewerb zu erkundigen.

Monitor“ gegen „Monitor“

Am Montag bekräftigte er diese Aussage unter Eid und erklärte, dass es damals um die Nutzung des Firmennamens „Monitor“ ging. Gehlen hatte offensichtlich noch ganz klare Erinnerungen an das fünf- bis zehnminütige Gespräch. Hary und Haan sei es darum gegangen, sicher zu gehen, dass tatsächlich eine Anzeige der belgischen „Monitor“ (Ben Geiben) gegen die Luxemburger Sicherheitsfirma mit gleichem Namen (Guy Santer) vorlag.

Gehlen teilte der Kriminalkammer am Montag aber auch seine Gedanken zum Anschlag auf den Justizpalast mit. So erklärte er, dass er sich eher vorstellen könne, dass die Täter durch den Haupteingang auf das Gelände gelangt seien als über die hohe Mauer an der Gebäuderückseite. „Schlësselen sinn zu enger Onmass zirkuléiert“, erklärte Gehlen. Richter, Staatsanwälte, Anwälte und sogar Polizisten hätten einen Schlüssel zum Haupteingang gehabt. Wer seinen Schlüssel verloren hatte, habe einfach beim Pförtner einen Ersatzschlüssel bekommen.

Zu Beginn der Sitzung wurde zudem der pensionierte Gendarm Jean-Paul Weber angehört. Er war Teil der Patrouille, die auf Anordnung von Patrice Solagna nach dem „Sommet“-Attentat einen Verdächtigen in Kirchberg abholen und zur Sûreté bringen sollte. Allerdings hatte Weber keinerlei Erinnerungen mehr an den Vorfall.

Keine Prozessverzögerung durch Verbatims

Von einer ganzen Reihe an Zeugenaussagen waren in den vergangenen Wochen und Monaten entweder von der Staatsanwaltschaft oder von der Verteidigung Niederschriften beantragt worden, die nun von den Zeugen unterzeichnet werden sollen. Diese Transkribierungen sind gegebenenfalls die Grundlage für Ermittlungen wegen eidlicher Falschaussage und/oder Strafvereitlung im Amt.

Wie die vorsitzende Richterin Sylvie Conter am Montag erklärte, gibt es keinen Gesetzestext aus dem hervorgeht, dass die Niederschriften in einer Sitzung vorgetragen werden müssen, so wie das bei Pierre Reulands Aussage getan wurde. Da Transkribierungen von insgesamt 36 Sitzungen beantragt wurden, hätte dies eine umfangreiche Prozessverzögerung mit sich gebracht. Die Kriminalkammer entschied daher, dass die Zeugen ihre Aussage parallel zu den laufenden Sitzungen in einem anderen Raum im Gerichtsgebäude lesen und mit den Aufnahmen abgleichen könnten.

Unterzeichnet oder gegebenenfalls abgeändert werden die Verbatims anschließend aber während einer Sitzung der Kriminalkammer. Falls sich jemand weigere, die Abschrift seiner Aussage zu unterzeichnen, werde dies lediglich aktiert. Die Aus sage werde aber dennoch aufrechterhalten.

Wie geht es weiter?

Für Dienstag sind insgesamt fünf Zeugen vorgeladen. Unter Vorbehalt handelt es sich bei Marie-Anne Reinert um eine Nachbarin der Familie Hellinckx, bei der durch die Explosion Scheiben zu Bruch gingen. (*)

Pierre Bartholmé hatte zwei Tage vor dem Anschlag in Hollerich einen Mann aus einem Kanalschacht steigen sehen.

Jean Majerus war der Kommandant der Brigade Bartringen.(**)

Georges Grof ist der Ex-Schwager von Jos Wilmes und hatte in einer eidesstattlichen Erklärung bezeugt, dass Wilmes vom 27.7. bis zum 17.8.1985 mit der Familie in der Schweiz im Urlaub war.

Henri Knepper hatte in einer weiteren eidesstattlichen Erklärung 2012 betont, dass ein Kriminalpolizist ihm bei einem „Bistrotsgespréich“ gesagt habe, es habe am Tatort des Anschlags in Heisdorf Fußspuren im Schnee gegeben, die zum damaligen Wohnsitz von Großherzog Henri führten.

  • (*) Ein Leser hat uns darauf hingewiesen, dass es sich bei Marie-Anne Reinert nicht um eine Nachbarin von Notar Hellinckx handelt, sondern um die Tochter jenes Flughafenfeuerwehrmanns, der beim Anschlag am Findel eine Fußspur entdeckt hatte. Ihr Vater hatte, so schrieb die Frau Anfang März in einer E-Mail an Me Vogel, einen Gendarmen auf die Spur aufmerksam gemacht. Doch anstatt sich um die Sicherung der Spur zu kümmern, habe der Gendarm die Spur mit dem Fuß verwischt und gesagt: „Nein, mit dieser Spur können wir nichts anfangen“. Die E-Mail der Frau war am 7. Prozesstag von Me Vogel vorgelesen worden. Der Verteidiger von Marc Scheer stellte anschließend einen Antrag, die Verfasserin als Zeugin vorzuladen, da ihr Vater bereits verstorben sei.
  • (**) Eine weitere Person namens Jean Majerus war nach dem Anschlag am Findel überprüft worden. Es handelte sich um einen Praktikanten in der Flughafenverwaltung.


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