Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Bommeleeër: Charles Hoffmann weist Anschuldigungen entschieden zurück
Charles Hoffmann bei seiner Vernehmung vor der Enquête-Kommission.

Bommeleeër: Charles Hoffmann weist Anschuldigungen entschieden zurück

Foto: Marc Wilwert
Charles Hoffmann bei seiner Vernehmung vor der Enquête-Kommission.
Lokales 2 Min. 14.03.2013

Bommeleeër: Charles Hoffmann weist Anschuldigungen entschieden zurück

Ex-SREL-Chef Hoffmann redet Klartext: „Stay Behind“ hat nichts mit den Anschlägen zu tun. "Ich kenne den Zeugen Kramer nicht. Seine Angaben sind falsch!", unterstreicht Hoffmann.

(str/ham) - Ex-SREL-Chef Hoffmann redet Klartext: „Stay Behind“ hat nichts mit den Anschlägen zu tun. "Ich kenne den Zeugen Kramer nicht. Seine Angaben sind falsch!", unterstreicht Hoffmann.

Der ehemalige Chef des Luxemburger Geheimdiensts war am Mittwoch im Bommeleeër-Prozess schwer von einem Zeugen, Andreas Kramer, belastet worden. Der Mann, der sich als deutscher Historiker vorstellt, behauptete in einer Aussage, sein Vater sei ein Stay-Behind-Verantwortlicher gewesen und habe in dieser Eigenschaft eng mit dem Luxemburger Ableger der Nato-Widerstandsgruppe zusammengearbeitet.

Charles Hoffmann sei von 1973 bis 1976 in Sardinien in Sabotage, Sprengung und Einbrüchen ausgebildet worden, habe der Vater ihm erzählt. Die Luxemburger Stay-Behind-Gruppe sei der Urheber sämtlicher Attentate und Sprengstoffdiebstähle in den Jahren 1984 und 1985 gewesen. Ziel sei es gewesen, die Bevölkerung zu destabilisieren und einen politischen Rechtsruck herbeizuführen. Hoffmann habe die Agenten, Zielorte und Einsätze ausgesucht und die gesamte Attentatsserie koordiniert. Hoffmann habe ebensfalls dafür gesorgt, dass die Beweise verschwunden seien.

Plan“ war keine Kommando-Einheit

Im Gespräch mit wort.lu hat Charles Hoffmann diese Vorwürfe am Donnerstagvormittag weit von sich gewiesen. Er betont, dass in der Öffentlichkeit eine schwerwiegende Verwechslung vorliegen würde: Der Luxemburger „Stay Behind“, mit dem Gruppennamen „Plan“ werde mit Kommando-Einheiten (Im Englischen: Special Forces) verwechselt, wie es sie in jeder Armee der Welt gebe.

Dabei sei der „Plan“, wie er es schon früher betonte, keine militärische Struktur gewesen. Die Mitglieder, rund zwölf an der Zahl, seien nicht in den Reihen der Armee und der Ordnungskräfte rekrutiert worden. “Das war ein oberstes Gebot“, betont Hoffmann.

Stay-Behind-Aufgabe klar definiert

„Ihre Aufgabe war es im Falle einer Invasion nachrichtendienstliche Informationen über den Feind an die Alliierten weiter zu geben“, fährt Charles Hoffmann fort. Zusätzlich sollten sie bei In- und Exfiltrationen von ausländischen Kräften helfen. Direkten Kontakt mit ausländischen Militärs habe es aber nie gegeben.

Hoffmann betont weiter, dass die Stay-Behind-Gruppen eine nationale Verantwortung seien und somit jedes Land für sich entschieden habe, welche Aufgaben es übernehmen wolle - in Luxemburg eben nachrichtendienstliche Kommunikation und In- bzw. Exfiltration

Zu den Anschuldigen von Andreas Kramer bzw. dessen Vater sagt Hoffmann folgendes:

  • Ich kenne weder den Vater Kramer noch den Sohn.

  • Ich habe niemals mit einem BND-Mitarbeiter im Bereich „Stay Behind“ zusammengearbeitet.

  • Von 1968 bis 1976 war ich Offizier, Leutnant in der  Alfa-Kompanie, in der Armee und nicht, wie der Zeuge behauptet, in Sardinien. Ich kam 1976 zum Geheimdienst und die Stay-Behind-Leitung hatte ich von 1976 bis um 1980.

  • Zur Zeit der Anschläge hatte ich längst nichts mehr mit Stay Behind zu tun.

  • Ich weiß heute noch immer nicht genau, wo der Sprengstoff gestohlen wurde. Wäre die Bombenserie eine Kommando-Aktion gewesen, hätten die Urheber sicher ihren eigenen Sprengstoff mitgebracht. Außerdem machen die Attentate auf Hellinckx, Wagner und das Luxemburger Wort dieser Hypothese zufolge keinen Sinn.

  • Ich hatte keinen Zugang zu Spuren und Beweisen und kann sie deshalb auch nicht vernichtet haben. Ich hatte auch keine Informationen zum Stand der Bommeleeër-Ermittlungen.