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Bommeleeër: Bourg und die Lügenfalle
Lokales 5 Min. 25.11.2013 Aus unserem online-Archiv

Bommeleeër: Bourg und die Lügenfalle

Charles Bourg verbrachte am Montag keine sehr angenehmen Stunden im Zeugenstand.

Bommeleeër: Bourg und die Lügenfalle

Charles Bourg verbrachte am Montag keine sehr angenehmen Stunden im Zeugenstand.
Foto: Guy Jallay
Lokales 5 Min. 25.11.2013 Aus unserem online-Archiv

Bommeleeër: Bourg und die Lügenfalle

In eine Sackgasse hat sich am Montag der ehemalige Operationschef der Gendarmerie und spätere Generaldirektor der Polizei, Charles Bourg, manövriert. Nach dem 92. Verhandlungstag im Bommeleeër-Prozess stellt sich nicht mehr die Frage, ob er gelogen hat, sondern nur noch, wann.

(str) - In eine Sackgasse hat sich am Montag der ehemalige Operationschef der Gendarmerie und spätere Generaldirektor der Polizei, Charles Bourg, manövriert. Nach dem 92. Verhandlungstag im Bommeleeër-Prozess stellt sich nicht mehr die Frage, ob er gelogen hat, sondern nur noch wann.

Gegenüber der Untersuchungsrichterin hatte Bourg im Juni 2008 hervorgehoben, Jos Steil habe ihm nie eine Information im Zusammenhang mit den Sprengstoffattentaten gegeben oder in diesem Sinne eine Aussage gemacht. Steil habe ihm weder gesagt, wer die Anschläge begangen habe, noch in welchem Zusammenhang er zur Serie stehe.

Am vergangenen Donnerstag hatte er in der Verhandlung dann aber plötzlich und ungefragt ausgesagt, Steil habe ihm 2003 erzählt, er wisse, wer der Bommeleeër sei. Bourg erklärte, er habe aber nicht weiter nachgefragt, weil er Steil ohnehin keinen Glauben geschenkt habe. Weder die Kriminalkammer, noch die Staatsanwaltschaft, noch die Verteidigung wollten ihm am Montag jedoch glauben, dass er damals nicht gefragt haben soll, wer denn der Attentäter sei.

Die neue Aussage steht demnach im absoluten Gegensatz zu Bourgs Aussage aus dem Jahr 2008. Wie die vorsitzende Richterin hervorhob, sei man am Donnerstag schon fast mit Bourgs Befragung fertig gewesen, als dieser auf einen Notizblock geblickt habe und dann die Steil-Episode zur Sprache brachte.

„De Steil huet just schwadronéiert“

Bourg versuchte in der Verhandlung am Montag zurückzurudern, doch je mehr er redete, desto fester zog sich die Schlinge zu. „Wahrscheinlich habe ich Steil gesagt, er solle sich bei den Behörden melden“, sagte er dort, wo er vergangene Woche mit voller Überzeugung betont hatte, er habe Steil zur Meldung bei den Behörden aufgefordert. Später in der Verhandlung erklärte er, er habe Steil ebenfalls "wahrscheinlich" gefragt, wer denn seiner Auffassung nach hinter den Attentaten stecke. Doch Steil habe an jenem Abend nur „schwadronéiert“ und das Thema sei gleich vom Tisch gewesen. An den Rest erinnere er sich nicht mehr.

Der Gedanke liege nahe, dass Bourg mit seiner Aussage versuche, jemand anderes aus der Schusslinie zu ziehen, betonte Richterin Conter. „Sie kommen daher und stellen einfach so irgendwelche Dinge in den Raum.“ Da könne man doch auf die Idee kommen, das sei nur ein Manöver, um noch mehr Durcheinander ins Dossier zu bringen. Auf einer Falschaussage vor Gericht stünden bis zu zehn Jahre Haft, betonte Sylvie Conter. Doch Bourg beharrte auf seiner Aussage: „Ich habe das nur gesagt, weil ich überzeugt war, dass es auch so war.“ Er könne sich eben nur an die Punkte erinnern, die er dem Gericht bereits erläutert habe. „Es sind genau diese Punkte, die uns Probleme bereiten“, hielt dem die Richterin entgegen.

„Steil hat Ihnen gesagt, es sei der Prinz“, schrie Verteidiger Me Gaston Vogel den Zeugen an. „Und Sie sind zu feige, um das hier zu sagen.“ Bourg schüttelte den Kopf. „Warum lassen Sie denn zu, dass die ganze damalige Offiziersriege als inkompetent dargestellt wird“, fragte Richterin Conter. Doch auch auf diese Frage blieb Bourg eine Antwort schuldig. „Entweder antworten Sie, Sie könnten sich nicht erinnern, oder Sie geben Antworten, die überhaupt nicht passen“, kommentierte die Richterin. Wenn Bourg Steils Aussage damals weitergegeben hätte, dann wäre noch Zeit gewesen, ihn vor seinem Tod hierzu zu befragen.

„Noch in zehn Jahren“

„Entweder sagen Sie uns jetzt, was Steil Ihnen damals gesagt hat, oder Sie haben noch in zehn Jahren mit dieser Angelegenheit zu tun“, versuchte Vogel den Druck auf Bourg zu erhöhen. „Und Sie wissen, was ich damit sagen will.“ Vogels Anspielung bezog sich auf eine mögliche Anzeige wegen Meineids. Doch Bourg schien wenig beeindruckt. „Im Nachhinein sieht man sich im Fernsehen und man sieht, dass man an einem Ort war und dann kommen Erinnerungen einfach zurück“, versuchte sich Bourg wenig überzeugend zu erklären.

Der Druck auf Bourg sollte aber noch steigen: Als der beigeordnete Staatsanwalt Georges Oswald den Zeugen fragte, ob noch andere Personen ihm gesagt hätten, sie wüssten, wer der Bommeleeër sei, duckte sich Bourg und schwieg. Als die Richterin nach mehr als einer Minute nachhakte, erklärte Bourg kleinlaut: „Ich kann nichts sagen.“ - „Da gibt es nur zwei Möglichkeiten – Ja oder Nein“, entgegnete die Richterin, doch Bourg schwieg weiter. In fast väterlichem Ton, fügte Oswald hinzu: „Sie können es jetzt sagen. Sagen Sie es uns.“ Nach reichlicher Überlegung erklärte Bourg dann: „Nein, im Grunde nicht.“ Oswald, weitaus weniger väterlich, ärgerte sich: „Was sind das für Antworten? Sie waren der Generaldirektor der Polizei. Und dann brauchen Sie drei bis vier Minuten, um auf eine simple Frage zu antworten!“ Nein, er wisse nichts, unterstrich Bourg schließlich.

„d'Prënzen!“

Aber es sollte nicht die letzte Frage sein, mit der sich Charles Bourg schwer tat. Als die Richterin ihn fragte, ob er – wenn auch nur gerüchteweise – von Verdächtigungen gegen bestimmte Personen gehört habe, schwieg Bourg erneut. Dann nannte er zunächst Ben Geiben. Nach minutenlangem Nachhaken, sagte er schließlich „d'Prënzen“. Auf die Frage ob auch Steils Name gefallen sei, meinte Bourg nach langem Zögern: „Ich schließe es nicht aus.“ Die Richterin ließ nicht locker: „Da gibt es nur zwei Antworten, Ja oder Nein.“ - „Dann sage ich Ja“, lenkte Bourg ein.

Wenn er sage, dass Steils Name im Zusammenhang mit den Attentaten gefallen sei, dann werfe das ein ganz anderes Licht darauf, dass er Steil keinen Glauben geschenkt habe, als dieser sagte, er wisse, wer die Bommeleeër seien, meinte Sylvie Conter. Es gebe zweierlei Zeugen in diesem Prozess: Es gebe jene, deren Antworten passen und jene, deren Antworten nur weitere Fragen aufwerfen würden, erklärte die Richterin mit ruhiger Stimme. Wenn aber kollektiv so getan werde, als habe es gewisse Dinge nie gegeben, dann störe man sich daran.

„Dir knéit op mir, wéi wann ech eppes verbrach hätt“, seufzte Bourg gegen Ende der Verhandlung. Aufatmen kann er noch nicht, denn am Dienstag ist er erneut vorgeladen und Sitzung dürfte für ihn kaum angenehmer werden als die vorigen.


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