Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Bommeleeër-Akte geschreddert? - Ex-SREL-Mitarbeiter redet Tacheles
Lokales 5 Min. 22.11.2012 Aus unserem online-Archiv

Bommeleeër-Akte geschreddert? - Ex-SREL-Mitarbeiter redet Tacheles

Eine Zeuge behauptet das Bommeleeër-Dossier sei vom Geheimdienst geschreddert worden.

Bommeleeër-Akte geschreddert? - Ex-SREL-Mitarbeiter redet Tacheles

Eine Zeuge behauptet das Bommeleeër-Dossier sei vom Geheimdienst geschreddert worden.
Foto: Shutterstock
Lokales 5 Min. 22.11.2012 Aus unserem online-Archiv

Bommeleeër-Akte geschreddert? - Ex-SREL-Mitarbeiter redet Tacheles

Wurde das Dossier Bommeleeër vom Geheimdienst geschreddert? Das behauptete zumindest ein Zeuge gegenüber der Untersuchungrichterin Doris Woltz und belastete damit einen ehemaligen führenden SREL-Mitarbeiter schwer. In einem Brief an das Staatsministerium und die parlamentarische Kontrollkommission weist der Beschuldigte die Vorwürfe weit von sich. Lesen Sie den integralen Brief auf wort.lu.

(str) - Wurde das Dossier Bommeleeër vom Geheimdienst geschreddert? Das behauptete zumindest ein Zeuge gegenüber der Untersuchungsrichterin Doris Woltz und belastete damit einen ehemaligen führenden SREL-Mitarbeiter schwer. In einem Brief an das Staatsministerium und die parlamentarische Kontrollkommission weist der Beschuldigte die Vorwürfe weit von sich. Lesen Sie den integralen Brief auf wort.lu.

Zum besseren Verständnis bietet sich zunächst ein Rückblick an: Am 30. Oktober zitierte RTL einen Zeugen zur Rolle des SREL in der Bommeleeër-Affäre. Die Aussage des Mannes ist ebenfalls in der Prozessakte Bommeleeër enthalten, die als Gesamtwerk den Angeklagten erst in den vergangenen Monaten zugänglich wurde. Aus diesem Dossier tauchten in den vergangenen Wochen mehrfach sehr interessante Elemente auf, die in der Anklageschrift - die vor allem auf die Rolle der beiden Angeklagten ausgelegt ist - aus Gründen, die der Staatsanwaltschaft eigen sind, nicht aufgeführt wurden. Der bisherige Höhepunkt dürfte etwa die Existenz von Fingerabdrücken und DNA-Spuren der Attentäter sein.

Vernehmungsprotokoll 1305/85

Laut Vernehmungsprotokoll 1305/85 gab der Mann im März 2009 gegenüber Untersuchungsrichterin Doris Woltz an, er sei 1983 als eine Art freier Mitarbeiter des Luxemburger Geheimdiensts angeworben worden. Offenbar sei er aber seit Mitte der 80er Jahre nicht mehr für seine Dienste bezahlt worden, weswegen er bis heute mit den „Geheimen“ im Clinch liege und tatsächlich auch den Ombudsman Marc Fischbach einschaltete.

Seine Aussagen, deren Wahrheitsgehalt zu klären bleibt, beinhalten drei höchst brisante Punkte: Zum einen sagte er aus, er habe Gendarmeriechef Colonel Alyose Harpes von 1985 bis 1987 im Auftrag des Geheimdiensts und mit Unterstützung der Armee abgehört. Zweitens erklärte er, er sei gezwungen worden, den Namen von Prinz Jean niemals wieder im Zusammenhang mit der Bommeleeër-Affäre zu nennen. Zum Dritten behauptete er, ein hoher Geheimdienstmitarbeiter habe die Bommeleeër-Akte des SREL geschreddert.

Während zwei Tagen vermittels Reißwolf“

Mit diesem dritten Punkt hat sich am Mittwoch auch die parlamentarische Geheimdienstkontrollkommission befasst. Gegenüber der Untersuchungsrichterin sagte der Zeuge damals Folgendes aus:

Mir wurde aus sicherer Quelle (die ich aus Vertraulichkeitsgründen nicht nennen werde) gesagt, dass nichts mehr von mir und der Bombenlegersache vorhanden sei. Diese Sachen seien alle von Herrn [...] (Name der Redaktion bekannt) während zwei Tagen vermittels Reißwolf zerstört worden.

Ich kenne diesen Herrn [...] persönlich nicht. Er ist, beziehungsweise war Mitglied des SREL und verließ den SREL irgendwann in letzter Zeit. Er soll eine Firma eröffnet haben, welche als Waschmaschine benutzt werden soll.

Ich kann mir jedoch nicht vorstellen, dass [...] die Dokumente auf eigene Initiative zerstört hat. Jemand muss ihn darum gebeten haben. Ich habe dem nichts hinzuzufügen.“

Am 5. November reagierte der in der Zeugenaussage beschuldigte Ex-SREL-Mann über seinen Anwalt in einem Brief an die Geheimdienstkontrollkommission und an das Staatsministerium. In dem Schreiben, das dem LW seit Mittwoch vorliegt, betont er, er sei das Ziel einer gezielten Einflussnahme gegen seine Person – eine Kampagne deren Ursache und Ziel ihm völlig unklar seien. Zudem sei auch nicht klar, ob man ihn als Täter oder als Zeuge habe darstellen wollen.

Keinen Zweifel“

Die Berichterstattung habe keinen Zweifel an seine Identität gelassen. Er sei öffentlich einer Tat beschuldigt worden, die - sollte sie sich bestätigen - strafrechtliche Verfolgung mit sich bringen würde. Zahlreiche Personen hätten ihn zudem erkannt und auf die Angelegenheit angesprochen.

Der Geheimdienst sei seit jeher verpflichtet, eng mit der Justiz zusammenzuarbeiten. Auch sei es durch die Mission des SREL nicht möglich, dass der Geheimdienst Dokumente für eine andere Instanz aufbewahre. Somit gebe es auch keine Verpflichtung diese Dokumente aufzubewahren oder zurückzugeben, gegen die ein Mitarbeiter mit einer hypothetischen freiwilligen oder unfreiwilligen Zerstörung hätten verstoßen können. Kurz: Was man nicht hat, kann man auch nicht vernichten.

Geheimnisverrat unter Strafe

Des Weiteren betont der Mann, dass Geheimnisverrat strafbar sei. Daher müsse auch die Frage aufgeworfen werden nach der Art und Weise, wie die Informationen in die Öffentlichkeit gelangt seien, den Fall gesetzt, dass sie auch nur ansatzweise der Wahrheit entsprechen würden.

Der Ex-SREL-Mitarbeiter fühle sich auf jeden Fall an keine Zurückhaltung mehr gebunden, da es um die Verteidigung seiner Person und seiner Interessen gehe, zumal er seit 2008 nicht mehr im Staatsdienst sei. Es sei zudem am Staat, seine Mitarbeiter und deren Familie zu schützen, falls diese im Zusammenhang mit ihrer Arbeit etwa bedroht oder diffamiert würden. Ausdrücklich fordert er staatliche Unterstützung, falls er Schritte gegen die Urheber einleite und macht seinen Anspruch auf Schadensersatz geltend.

Er habe sich nichts zu Schulden kommen lassen und verstehe daher auch nicht in welchem gesetzlichen Rahmen er als Zeuge vor Gericht vorgeladen werden könne. Er hoffe, dass das Staatsministerium alle notwendigen Maßnahmen ergreife, so dass er nicht gezwungen sei, sich an die internationale Presse zu wenden, um in der „sehr geheimnisvollen Entwicklung dieser ungewöhnlichen und besonders nationalen Affäre“ zu seinem Recht zu kommen.

Die aktuelle Situation sei weder privat noch beruflich hinnehmbar. In diesem Zusammenhang wünscht er sich auch eine formelle Stellungnahme des Staatsministeriums zum Service des Renseignements.

Bekanntschaft aus der Armee?

Zur Zeugenaussage gegenüber der Untersuchungsrichterin bleibt noch etwas nachzutragen: Zu Beginn seiner Aussage, betonte er, er kenne die beiden Angeklagten in der Bommeleeër-Affäre – Scheer und Wilmes - und das sowohl beruflich, wie privat als auch von seiner Zeit in der Armee. Marc Scheer bestreitet dies: „Mir sagt der Name nichts“, betont er. „Wissentlich ist der Mann mir nicht bekannt. Dass er mit mir in der Armee war, dürfte kaum möglich sein. Vom Alter her, das aus der Zeugenaussage hervorgeht, konnte er frühestens 1976 seinen Dienst antreten. Ich habe den Herrenberg aber bereits ein Jahr zuvor verlassen."


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Kaum ein Kriminalfall hat Luxemburg derart in Atem gehalten wie die Anschlagsserie, die das Großherzogtum von 1984 bis 1986 erschütterte.
20 Sprengstoffanschläge werden den beiden Beschuldigten angelastet.