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Bommelëeer-Affäre: CIA-Bericht aufgetaucht
Lokales 26.01.2017

Bommelëeer-Affäre: CIA-Bericht aufgetaucht

Auf Spurensuche: Die CIA war bereits 1986 bestens informiert.

Bommelëeer-Affäre: CIA-Bericht aufgetaucht

Auf Spurensuche: Die CIA war bereits 1986 bestens informiert.
Foto: LW-Archiv
Lokales 26.01.2017

Bommelëeer-Affäre: CIA-Bericht aufgetaucht

Jacques GANSER
Jacques GANSER
Der amerikanische Geheimdienst CIA hatte bereits im Februar 1986 eine recht gute Vorstellung von den Hintergründen der Bommelëeer-Attentate. Dies zeigt ein Bericht, der am 17. Februar veröffentlicht wurde.

(jag) - Unter den tausenden von Dokumenten, welche der amerikanische Geheimdienst CIA am 17. Januar dieses Jahres veröffentlichte, befindet sich ein Dokument mit sehr interessanten Informationen über die Bommelëeer-Serie. Interessant sind im "Terrorism Review" vom 10. Februar 1986 weniger die Informationen selbst als vielmehr der Wissensstand des Geheimdienstes zum damaligen Zeitpunkt. Unter der Überschrift "Who are these guys?" wird dort klipp und klar festgestellt, dass es sich um "homemade" Terrorismus handelt und jede internationale Verbindung ausgeschlossen werde kann. Ebenso wird linker Terrorismus als sehr unwahrscheinlich betrachtet. Dies weil keine Installationen der USA oder NATO visiert wurden und weil es keine politischen Bekennerschreiben gab.

In nüchternem Ton wird festgestellt, dass die Bauweise und die Platzierung der Sprengkörper darauf hindeuten, dass die Täter im Militär oder in der Polizei geschult wurden. Diese Spur war also 1986 bereits bekannt. Zu dem Zeitpunkt war die Attenattsserie noch nicht abgeschlossen. Es folgte noch die Attentate auf das Haus des Notars Hellinckx und die Wohnung des ehemaligen Gendarmerie-Kommandanten Colonel Jean-Pierre Wagner. Auch der Umstand, dass Menschen möglichst nicht zu Schaden komme sollten, ist den Agenten eine Notiz wert.

Schlechte Kommunikation

In seiner Bewertung kommt der Geheimdienst ebenfalls zum Schluss, dass viele Reibereien zwischen den Corps der damaligen Gendarmerie und der Polizei bestanden und dass der Informationsfluss stockte. Zudem sei der geplante Zusammenschluss beider Einheiten schwierig. Es wird zudem darauf hingewiesen, dass das Personal beider Einheiten mehr Ressourcen im Kampf gegen den Terrorismus verlangten.

RTL konfrontierte den zuständigen Staatsanwalt Georges Oswald mit dem Bericht. Dieser zeigte sich überrascht. Man kenne diesen Bericht nicht. Jetzt wolle man prüfen, ob diese Erkenntnisse damals schon hierzulande bekannt waren. Untersuchungsrichter Ernest Nilles wurde in Zwischenzeit beauftragt herauzufinden, wie die CIA an diese Informationen gelangen konnte. 

Anwälte reagieren

Am Donnerstag haben sich zudem die Anwälte der beiden Beschuldigten Marc Scheer und Jos Wilmes via Kommuniqué zu Wort gemeldet. Sie wundern sich dass das Dokument jetzt erst veröffentlicht wurde und nicht Eingang in die Gerichtsakten fand. In ihren Augen deuten die Aussagen im Dokument nicht eindeutig auf eine Mitschuld der Mitglieder der Brigade Mobile. Im Gegenteil, der Kreis der Verdächtigen sei nun noch größer geworden.⋌








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