Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Bluttat am 1. November 2010: Fünf Dinge, die sie zum "Hasseler Mord" wissen sollten
Das Haus von Camille K., in dem dieser am 1. November 2010 tot aufgefunden worden war, ist mittlerweile abgerissen.

Bluttat am 1. November 2010: Fünf Dinge, die sie zum "Hasseler Mord" wissen sollten

Foto: Lex Kleren
Das Haus von Camille K., in dem dieser am 1. November 2010 tot aufgefunden worden war, ist mittlerweile abgerissen.
Lokales 5 Min. 31.10.2015

Bluttat am 1. November 2010: Fünf Dinge, die sie zum "Hasseler Mord" wissen sollten

Der "Hasseler Mord" an Allerheiligen 2010 ist eines der spektakulärsten Verbrechen der vergangenen Jahre. Hier noch einmal die wichtigsten Fakten dieses Kriminalfalls auf einen Blick.

(gs) - Der "Hasseler Mord" an Allerheiligen 2010 ist neben dem "Haller Mord" und dem Fall "Nancy Wolff" eines der spektakulärsten Verbrechen der vergangenen Jahre. Nicht nur der Tatort erinnert an einen Krimi, auch die juristische Aufarbeitung könnte Stoff für ein Film-Drehbuch liefern. Hier noch einmal die wichtigsten Fakten dieses Kriminalfalls auf einen Blick.

1) Der Tatort

Am Nachmittag des 1. November 2010 wird Camille K. von Familienmitgliedern tot in seinem Bett in seinem Anwesen in der Hasseler Rue Killebierg aufgefunden. Der 69-Jährige wurde erschlagen.

Der Todeszeitpunkt wird zwischen 3 und 8 Uhr des gleichen Tages geschätzt. Die Tatwaffe, eine Axt, liegt gereinigt in der Badewanne.

In und am Haus werden keine Spuren sichergstellt, die auf den Täter hindeuten könnten.
In und am Haus werden keine Spuren sichergstellt, die auf den Täter hindeuten könnten.
Archivbild: Steve Remesch/2010

In einer Bibel steckt ein Küchenmesser, auf einer Seite steht „pédofile“ geschrieben. Ist das eine heiße Spur oder eine falsche Fährte? Die Polizei geht von letzterem aus. Ansonsten werden keine Spuren, keine materiellen Beweise gefunden, die auf den Täter hindeuten. Die Ermittlungen nehmen ihren Lauf.

2) Die (ehemals) Beschuldigten

Am März 2011 wird Pascal K., der ehemalige Lebensgefährte von Camille K., nahe des französischen Versailles verhaftet. Ebenfalls festgenommen wird dort Jérémy B., der neue Partner von Pascal K.

Die beiden Franzosen sollen den Mord in Auftrag gegeben haben und dabei die Erbschaft im Visier gehabt haben. Das Erbe hätte Pascal K., zwischenzeitlich von Camille K. adoptiert, zugestanden. Ebenfalls verhaftet wird der Luxemburger Charles C. Er ist ein Bekannter von Jérémy B. und soll den Mord verübt haben.

Alle drei beteuern ihre Unschuld - im ersten Prozess während vier Wochen im Herbst 2013 wie im Berufungsverfahren im Januar 2015. Gegen sie sprechen aber eine ganze Reihe von Indizien. Beweise hingegen sind Mangelware.

3) Das erste Urteil

Auch wenn es keine handfesten, sprich materiellen Beweise gibt, lassen die Indizien für die Richter der Kriminalkammer Luxemburg nur einen Schluss zu: Schuldig! Alle drei Angeklagten werden am 22. Januar 2014 zu lebenslanger Haft verurteilt.

4) Das zweite Urteil

Die Richter am Appellationshof Luxemburg sehen die Sache am 10. März 2015 anders als ihre Kollegen in erster Instanz: Die drei Beschuldigten werden freigesprochen, weil die Indizienlast für das Berufungsgericht nicht ausreicht, um dem Trio den Mord zweifelsfrei nachweisen zu können.

5) Die Diskrepanz

Die auf den ersten Blick unverständlich erscheinende Diskrepanz zwischen der Höchststrafe "lebenslänglich" und einem Freispruch ist an sich leicht zu erklären:

Sehen die Richter die Angeklagten als eines Mordes schuldig an, diese ihre Beteiligung an der Tat aber kategorisch abstreiten, gibt es keinen mildernden Umstand, der eine Reduzierung der Strafe begründen könnte. In diesem Fall bleibt dem Gericht an sich kein Spielraum und die für Mord/Totschlag per Gesetz festgelegte Höchststrafe einer lebenslangen Haft muss verhängt werden.

Beurteilen die Richtern hingegen die Beweis- und Indizienlage dahingehend, dass den Angeklagten der Mord nicht unzweifelsfrei nachgewiesen werden kann, dann müssen sie die Beschuldigten auch freisprechen.

6) Die Ex-Angeklagten heute

Nach ihrem Freispruch, de facto ihrer via Gerichtsurteil festgelegten Unschuld, sind die drei Betroffenen nun nicht nur vor einer erneuten Anklage wegen des „Hasseler Mordes“ gefeit, auch haben sie das Recht, finanzielle Entschädigungen für ihre Zeit in Untersuchungshaft – immerhin nicht weniger als vier Jahre und ein Tag – zu fordern.  (Was es mit diesem Antrag auf sich hat, das erklärt der Anwalt von Jérémy B. in unserem Video.)

Mittlerweile haben alle drei von diesem Recht gebracht und ihren Anträgen wurde vom Justizministerium stattgegeben. Welche Geldsummen sie erhalten haben es sich dabei handelt, dazu will das Ministerium keine Angaben machen. Auch die Anwälte – zwei von drei reagierten auf unsere Nachfrage – wollen keine konkrete Summe nennen. Die Beträge sollen sich laut LW-Informationen aber im Bereich von mehreren Hunderttausend Euro bewegen. Tagessätze – für die Zeit in Haft – zwischen 250 und 400 Euro gelten als wahrscheinlich.

7) Die Suche nach dem wahren Täter

Bis dato ist es zu keiner neuen Beschuldigung im Fall „Hasseler Mord“ gekommen. Die Ermittlungen laufen, ist auf Nachfrage bei der Staatsanwaltschaft zu erfahren. Wie weit fortgeschritten diese Ermittlungen sind und welche Spur(en) dabei verfolgt werden, wird mit Verweis auf das Untersuchungsgeheimnis nicht mitgeteilt.

Ob der Fall nach all den Jahren und der zwischenzeitlichen Beseitigung des Tatorts – das Haus des Opfers wurde abgerissen, an Ort und Stelle entsteht ein Wohnprojekt – überhaupt je aufgeklärt wird, darf zumindest angezweifelt werden.

Mehr zum Thema:

- Mörder weiter auf freiem Fuß

- Generalstaatsanwaltschaft verzichtet auf Kassation

- Freisprüche im "Hasseler Mord"

- Dreimal lebenslänglich gefordert

- Verteidiger fordern Freispruch


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

„Hasseler Mord": Berufungsrichter urteilen am 10. März
Das Berufungsverfahren im Fall „Hasseler Mord“ wurde am Dienstag abgeschlossen. Derweil die Verteidiger allesamt einen Freispruch für ihre Mandanten verlangten, forderte die Anklage die Bestätigung des ersten Urteils - sprich lebenslange Haft für alle drei Beschuldigten.
Die drei Beschuldigten hatten bis zuletzt abgestritten, etwas mit dem Tod des 69-jährigen Camille K. zu tun zu haben. Der Mann war in der Nacht zum 1. November 2010 in seinem Haus in Hassel mit einer Axt im Schlaf erschlagen worden.
„Hasseler Mord“: Dreimal lebenslänglich gefordert
Im Berufungsverfahrens zum „Hasseler Mord“ forderte die Generalstaatsanwaltschaft die gleichen Strafen, die auch in erster Instanz verhängt worden waren. An der Schuld der drei Beschuldigten hat die Anklage - trotz Unschuldsbekundung - keinen Zweifel.
Für den "Hasseler Mord" waren in erster Instanz alle drei Beschuldigten zu lebenslanger Haft verurteilt worden.