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Speedmarathon: In Leudelingen hagelte es Strafzettel
Lokales 4 Min. 24.03.2022 Aus unserem online-Archiv
Raser im Visier

Speedmarathon: In Leudelingen hagelte es Strafzettel

Die Kontrollen sollen auf die Gefahren von zu hoher Geschwindigkeit hinweisen.
Raser im Visier

Speedmarathon: In Leudelingen hagelte es Strafzettel

Die Kontrollen sollen auf die Gefahren von zu hoher Geschwindigkeit hinweisen.
Foto: Guy Jallay
Lokales 4 Min. 24.03.2022 Aus unserem online-Archiv
Raser im Visier

Speedmarathon: In Leudelingen hagelte es Strafzettel

Glenn SCHWALLER
Glenn SCHWALLER
Überhöhte Geschwindigkeit gehört zu den häufigsten Todesursachen bei Straßenunfällen. Der Speedmarathon soll darauf aufmerksam machen.

Morgens 9 Uhr zwischen Dippach und Grevels-Barrière. Wie täglich um diese Zeit ist die Europastraße 44, kurz E44, stark befahren. In einer Einbuchtung am Straßenrand bringt sich die Polizei in Stellung. Auf dem Programm steht eine Geschwindigkeitskontrolle

Dass die an eben jenem Standort abgehalten wird, ist kein Zufall. „Es ist eine Strecke, auf der es oft zu Unfällen kommt. In der Vergangenheit gab es hier mehrere tödliche Unfälle“, erklärt André Schaack, Chefkommissar bei der Verkehrspolizei. „Insgesamt werden die Standorte für solche Kontrollen nach der Unfallstatistik oder auf Nachfrage der Anwohner hin ausgesucht“, so Schaack weiter.

Sensibilisierung im Vordergrund

Es dauert auch nur wenige Augenblicke, bis die Polizei den ersten Wagen aus dem Verkehr ziehen muss. Eine Fahrerin aus Frankreich hatte sich nicht an die Geschwindigkeitsbegrenzung gehalten und wird nun zur Kasse gebeten. Fahrer aus dem Ausland müssen das Bußgeld nämlich gleich an Ort und Stelle bezahlen. Bei der jungen Frau dauert es jedoch etwas länger, auch nach fast einer Stunde und unzähligen Diskussionen mit den Polizeibeamten darf sie die Einbuchtung am Straßenrand nicht verlassen.

Doch trotz dieses Einzelfalles bleibt es an diesem Morgen verhältnismäßig ruhig. Nur selten müssen die Polizisten sowie die Kollegen vom Zoll, die sich ebenfalls an der groß angelegten Verkehrskontrolle beteiligen, eingreifen.

Im Fokus der Verkehrskontrollen standen mögliche Geschwindigkeitsüberschreitungen.
Im Fokus der Verkehrskontrollen standen mögliche Geschwindigkeitsüberschreitungen.
Foto: Guy Jallay

Das Ziel solcher Kontrollen ist es jedoch nicht, möglichst viele Fahrer abzufangen und Bußgelder zu verhängen. „Es geht nicht darum, Geld einzusammeln, wie manche Menschen behaupten“, so der Chefkommissar der Polizei, der auch darauf hinweist, dass die Aktion im Vorfeld über alle denkbaren Kanäle an die Bevölkerung kommuniziert wurde. Vielmehr gehe es darum, für mehr Sicherheit auf den Straßen zu sorgen und die Aufmerksamkeit für die Gefahren, die von erhöhter Geschwindigkeit ausgehen, zu erhöhen. 

Europaweite Blitzer-Marathon

Eben jenen Zielen wird auch der Speedmarathon gewidmet, der seit 2013 jährlich organisiert wird, denn die morgendliche Geschwindigkeitskontrolle zwischen Dippach und Grevels-Barrière ist keine reine Routineangelegenheit für die etwa zehn teilnehmenden Beamten. Sie ist Teil des in mehreren europäischen Ländern organisierten Blitzer-Marathons, einem ausgewählten Tag, an dem die Polizei Raser stärker ins Visier nimmt und zu diesem Zweck eine erhöhte Anzahl an Verkehrskontrollen durchführt. 

Es geht nicht darum, Geld einzusammeln, wie manche Menschen behaupten.

André Schaack, Chefkommissar bei der Polizei

„Die Idee stammt aus Deutschland und soll die Gefahren von Geschwindigkeitsüberschreitungen in den Vordergrund rücken“, erläutert Schaack den Grundgedanken des Speedmarathons, der wiederum Teil der übergeordneten Kampagne „Speed“ ist, einer einwöchigen Initiative von Roadpol, dem Netzwerk der europäischen Straßenpolizei-Verbände. „Die Geschwindigkeit gehört nämlich nach wie vor zu den Hauptfaktoren bei Unfällen“, fährt er fort.

Fast täglich werden Führerscheine wegen zu hoher Geschwindigkeit entzogen

Untermauert wird diese Aussage von den offiziellen Statistiken. Im vergangenen Jahr musste die Polizei insgesamt 1.600 Führerscheine einziehen, rund 330 davon wegen Geschwindigkeitsüberschreitungen. „Das entspricht fast einem Fall pro Tag“, erklärt Schaack. Auch in diesem Jahr habe die Polizei hierzulande bereits 43 Führerscheine wegen zu hoher Geschwindigkeit einziehen müssen, wie er weiter berichtet.

Auch Beamte des Zolls beteiligten sich am Donnerstagmorgen an der Verkehrskontrolle in der Nähe von Dippach.
Auch Beamte des Zolls beteiligten sich am Donnerstagmorgen an der Verkehrskontrolle in der Nähe von Dippach.
Foto: Guy Jallay

Die Notwendigkeit für eine entsprechende Sensibilisierungskampagne wie den Speedmarathon ist also durchaus gegeben. In diesem Jahr wurde hierzu der 24. März ausgesucht. Während 24 Stunden galt es für Autofahrer, besonders vorsichtig zu sein, überall im Land nahm die Polizei verstärkt Raser ins Visier. „Jedes Kommissariat führt mindestens eine Kontrolle durch“, erklärt Schaack die Eckdaten des Speedmarathon-Tages bei der luxemburgischen Polizei. 

Abstimmung über Instagram

Neu war in diesem Jahr, dass Nutzer der Plattform Instagram bereits im Vorfeld des Blitzer-Marathons nach Regionen darüber abstimmen konnten, an welchen Stellen die Polizei jeweils die Kontrollen abhalten sollte.  


Blitzer-Marathon der Police, Polizei, Grand-Ducale, N13, Frisange, le 18 avril 2018. Photo: Chris Karaba
Zahlreiche Polizeikontrollen am Donnerstag
Bereits seit Montag findet europaweit die Aktionswoche „Operation Speed“ statt. Am Donnerstag ist auch Luxemburg dran.

Über deren Twitter-Account konnten sich Nutzer zusätzlich selbst ein Bild vom Marathon machen. Den ganzen Tag über veröffentlichte die Polizei dort nämlich neue Zahlen zu den einzelnen Kontrollen. 

Viele Sünder in Leudelingen unterwegs

Die Bilanzen der einzelnen Kontrollen fallen dabei sehr unterschiedlich aus. Während bei einer Geschwindigkeitsmessung im Pommerloch am frühen Morgen kein Fahrer sanktioniert werden musste, sah die Bilanz in Leudelingen in der Rue d'Esch ganz anders aus. Hier wurden zwischen 8.30 Uhr und 9.30 Uhr nicht weniger als 20 Strafzettel verteilt, zwölf davon gingen mit einem Bußgeld von 145 Euro sowie dem Abzug von zwei Punkten einher. Eine Person erlaubte sich ein „Délit de grande vitesse“, eine weitere Person war gar ohne Führerschein unterwegs. „So soll es nicht sein“, twitterte die Polizei hierzu.

Den ersten Strafzettel des Tages bekam indes ein Fahrer in Niederfeulen, der gegen 1.20 Uhr in der Nacht mit 71 km/h anstatt der erlaubten 50 km/h unterwegs war. Den ersten Führerscheinentzug des Tages gab es gegen 5.40 Uhr in der Nähe von Capellen. Ein Autofahrer fuhr dort mit 93 km/h, erlaubt waren jedoch nur 50 km/h, wie Schaack berichtet.


Mehr als 1.600 Verstöße bei Speedmarathon geahndet
An 215 Orten haben Polizisten am Mittwoch Kontrollen durchgeführt. Zudem waren aber auch mobile Blitzer im Einsatz, die 1.150 Mal auslösten.

Eine abschließende Bilanz darüber, wie viele Fahrer insgesamt beim diesjährigen Blitzer-Marathon erwischt wurden, wird die Polizei am Freitag veröffentlichen. Im vergangenen Jahr wurden 424 gebührenpflichtige Verwarnungen ausgestellt, Rekordhalter war damals ein Fahrer, der auf der N 2 zwischen Bous und Remich mit 182 km/h statt der erlaubten 90 km/h unterwegs war.

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