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Blannenheem: Direktor im Kreuzfeuer der Kritik
Lokales 3 Min. 04.06.2020

Blannenheem: Direktor im Kreuzfeuer der Kritik

Jean-Paul Grün zeigt sich erstaunt über die Vorwürfe.

Blannenheem: Direktor im Kreuzfeuer der Kritik

Jean-Paul Grün zeigt sich erstaunt über die Vorwürfe.
Foto: Gerry Huberty
Lokales 3 Min. 04.06.2020

Blannenheem: Direktor im Kreuzfeuer der Kritik

Rita RUPPERT
Rita RUPPERT
Es brodelt im Blindenheim in Rollingen: 30 Familien von Bewohnern berichten über Missstände. Der Direktor bleibt bislang gelassen.

Die Liste an Vorwürfen an den Direktor der Stiftung "Lëtzebuerger Blannevereenegung" ist lang. Genau betrachtet, sind es sogar zwei Listen: Während die eine Aussagen respektive Beschwerden aus "normalen Zeiten" begreift, beinhaltet die andere solche aus Corona-Zeiten. 

30 Familien von Bewohnern des Blannenheem in Rollingen haben sich zusammengetan, um auf die Situation ihrer Liebsten aufmerksam zu machen. Georges Klepper, der an einer amyotrophen Lateralsklerose (ALS) leidet, wohnt seit Juli 2018 im „Blannenheem“.  Seine Frau, Patrice Klepper-Boever, besuchte ihn bis zum 13. März dieses Jahres, als die sanitäre Krise begann, jeden Tag und half ihm beim Essen. 

Das Personal übernimmt diese Aufgabe bis zum 29. April, der Tag, an dem Georges Klepper mitgeteilt wird, dass er außer einem Joghurt am Morgen, einer Suppe mittags und abends nur noch mit einer Magensonde ernährt werden soll. Eine Entscheidung, die weder dem Patienten, noch seiner Familie gefällt. Es heißt, das Personal habe dafür keine Zeit. Auf eine E-Mail, die Klepper noch am selben Tag an die Direktion schickt, hat er auch heute noch keine Antwort.

Georges Klepper (Mitte), umgeben von Sohn Tim (l.) und Ehefrau Patrice.
Georges Klepper (Mitte), umgeben von Sohn Tim (l.) und Ehefrau Patrice.
Foto: Privat

"Trotz seiner Krankheit war mein Mann immer gut gelaunt", erzählt Patrice Klepper-Boever. Als er dann plötzlich vom Sterben sprach, habe sie die Notbremse gezogen und sich mit der "Patiente-Vertriedung" in Verbindung gesetzt.

Nur Tristesse

"Im Blindenheim gibt es nur Tristesse", sagt Patrice Klepper-Boever. Die Bewohner werden als Objekte, nicht als Menschen behandelt. Und: "Die Unmenschlichkeit ist unvorstellbar."

So berichtet sie, dass ein Service Club habe Tablets zur Verfügung stellen wollen, damit die Bewohner und ihre Familien sich in der sanitären Krise, in der Besuche untersagt waren, hätten sehen und sprechen können. Ein Vorhaben, das nicht verwirklicht werden konnte, weil Direktor Jean-Paul Grün die Internet-Freischaltung verweigert habe. 

Mittlerweile gehe das Personal mit einem Privathandy von Zimmer zu Zimmer, damit die Bewohner via Facetime Kontakt zu ihren Liebsten halten können.

"Für dumm verkauft"

Apropos Kommunikation: "Spricht man mit dem Direktor, glaubt man sich in einem anderen Haus. Wir werden für dumm verkauft", sagt Patrice Klepper-Boever. Und berichtet von der Vorspeise, die im Sonntags-Menü gestrichen wurden. "Jean-Paul Grün erklärte, sie sei durch einen Snack um 16 Uhr ersetzt worden. Dabei wird schon seit Jahren um 16 Uhr Kaffee und Kuchen angeboten."

Auch der Mangel an Aktivitäten für die Bewohner ist ihr ein Dorn im Auge. "Es kann doch nicht sein, dass die Bewohner Tücher falten oder Gemüse schnippeln müssen", gibt  Patrice Klepper-Boever zu verstehen. Und: "Die Leute sterben an Vereinsamung."

"Ich habe das Haus 33 Jahre lang mit Leib und Seele geleitet", sagt Roger Hoffmann, der bis Ende 2016 Direktor des Blindenheims war.
"Ich habe das Haus 33 Jahre lang mit Leib und Seele geleitet", sagt Roger Hoffmann, der bis Ende 2016 Direktor des Blindenheims war.
Foto:Guy Jallay

"Das war zu meiner Zeit anders", sagt Roger Hoffmann, von 1983 bis Ende 2016 Direktor des "Blannenheem". "Wir waren damals eine große Familie. Das ist heute nicht mehr der Fall. Es wird keine Rücksicht auf das Wohlbefinden der Bewohner genommen, es wird nur noch nach den Finanzen geschaut. Dabei gibt es Reserven von 21 Millionen Euro. Gutes Wirtschaften ja, aber auf dem Rücken der Bewohner."  

"Verwaltungsrat muss Farbe bekennen"

Laut Hoffmann müsse der Verwaltungsrat jetzt seine Verantwortung übernehmen. Und: "Jean-Paul Grün ist der falsche Mann auf diesem Posten. Wäre ich an seiner Stelle, ich würde demissionieren."

In einer ersten Reaktion hat sich Jean-Paul Grün sehr erstaunt gezeigt. Er wisse nichts von Missständen, so der Direktor. Er müsse die Vorwürfe im Detail analysieren, ehe er sich äußere.   

Respekt und Menschlichkeit  

Die 30 Familien verlangen, dass die Kommunikation mit ihnen wieder aufgenommen werde, dass es zu einem respektvollen Miteinander komme und ihre Beschwerden ernst genommen werden und eine Lösung gefunden wird, die für alle Bewohner lebenswert ist. Respekt und Menschlichkeit sollen gelebte Werte im Blindenheim sein, so ihre Forderungen. 

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