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Bis zum Verlust des Augenlichts misshandelt
Lokales 3 Min. 05.10.2015 Aus unserem online-Archiv
Prozess um häusliche Gewalt

Bis zum Verlust des Augenlichts misshandelt

Zwischen zehn und 15 Jahre Haft riskiert der 27-jährige Angeklagte für den ihm vorgeworfenen Tatbestand.
Prozess um häusliche Gewalt

Bis zum Verlust des Augenlichts misshandelt

Zwischen zehn und 15 Jahre Haft riskiert der 27-jährige Angeklagte für den ihm vorgeworfenen Tatbestand.
Foto: Steve Remesch
Lokales 3 Min. 05.10.2015 Aus unserem online-Archiv
Prozess um häusliche Gewalt

Bis zum Verlust des Augenlichts misshandelt

Je länger eine Misshandlung dauert, desto schwieriger ist es für das Opfer, sich aus seiner Lage zu befreien, unterstrich eine Psychiaterin am Montag vor Gericht. Eine Frau aus Mamer war bis zum Verlust des Augenlichts geschlagen worden.

(str) - Je länger eine Misshandlung dauert, desto schwieriger ist es für das Opfer, sich aus seiner Lage zu befreien, unterstrich eine Psychiaterin am Montag in einem Prozess um häusliche Gewalt. Eine Frau aus Mamer war bis zum Verlust des Augenlichts geschlagen worden.

Mit schweren Augenverletzungen war die 44-jährige Britin von einem Luxemburger Arzt an die Spezialisten des Universitätskrankenhauses in Homburg überwiesen worden. Noch fünf Prozent Sehkraft war ihr auf dem rechten Auge geblieben. Die Netzhaut beider Augen wies großflächige Risse auf. Fünf Operationen waren notwendig, um eine komplette Ablösung der Netzhaut und damit die unwiderrufliche Erblindung zu verhindern.

Im Krankenhaus war schnell klar, dass das Trauma nicht von einem Unfall stammen konnte, sondern von wiederholter erheblicher Gewalteinwirkung. Von direkten Schlägen auf den Augapfel sprach der behandelnde Arzt im Gerichtssaal. Eine komplette Genesung sei definitiv auszuschließen, meinte der Mediziner weiter. Es bestehe eine hohe Wahrscheinlichkeit für Folgeschäden, die bis zur vollständigen Erblindung führen könnten.

"Eine bessere Ehefrau"

Kurzum, das Opfer wird nie wieder das Leben führen, das es vor seiner schweren Misshandlung kannte. Sie wird nie wieder als Schulsekretärin arbeiten. Das alles, weil ihr 17 Jahre jüngerer Mann „eine bessere Ehefrau“ aus ihr machen wollte.

Das zumindest geht aus den Erklärungen eines Psychologen hervor, der nach der Tat eine Glaubwürdigkeitsexpertise des Opfers erstellt hatte. Die britische Ex-Soldatin hatte davon erzählt, dass ihr Ehemann sie immer wieder mit Schlägen ins Gesicht und auf den Kopf züchtigte – beispielsweise, weil sein Hemd nicht so gebügelt war, wie er es sich vorstellte oder eben auch ganz ohne Vorwand.

Die Schuld für den Gewaltexzess sehe die Frau noch immer bei sich, meinte der Psychologe. Sie hege Schuldgefühle, weil ihr Mann wegen ihr in Untersuchungshaft gesessen habe. Schließlich habe er es immer nur gut mit ihr gemeint.

Hilfe habe die Frau vor dem tristen Höhepunkt ihrer Misshandlung nur einmal gesucht, als der Angeklagte auch noch ihren Sohn aus erster Ehe geschlagen hatte. Die Polizei hatte den Mann deswegen für zwölf Tage der gemeinsamen Wohnung verwiesen.

Er wollte die Scheidung

Während der Aussagen der Mediziner, der Psychiaterin und des Psychologen hörte der Beschuldigte sehr aufmerksam, aber völlig emotionslos zu. Nur an diesem Punkt der Ausführungen des Gutachters riss es ihn von der Anklagebank. Seine Frau habe gebettelt, dass er nach Hause zurückkomme, stellte er klar. Er habe sich damals scheiden lassen wollen.

Die angesprochene Misshandlung des Stiefsohnes ist übrigens nicht Gegenstand des Prozesses – wie es hieß, aus formaljuristischen Gründen, die allerdings nicht weiter erläutert wurden. Zum Tatverlauf, zu den Umständen und zum Beschuldigten war am Montag nur wenig zu erfahren.

Der Angeklagte, soviel sickerte durch, soll im Verhör betont 
haben, nur für die Verletzung an einem Auge verantwortlich zu sein. Auch die Schwere der Verletzungen habe andere Ursachen: ein Kunstfehler der behandelnden Ärzte.

Nie gearbeitet

Den inzwischen 27-Jährigen hatte die in Mamer lebende Britin im Jahr 2007 im Tunesienurlaub kennengelernt. Er hatte als Freizeitbetreuer in ihrem Hotel gearbeitet. Nachdem die Frau sich 2009 von ihrem damaligen Ehemann scheiden ließ, war er nach 
Luxemburg gezogen. Gearbeitet habe er nie, hieß es in der Verhandlung. Er habe jedoch viel Zeit am Computer verbracht, wo er über Internet stets andere Frauen hofiert habe.

Fünf Jahre lang soll er seine spätere Ehefrau misshandelt haben. So lange bis diese durch ihre schweren Verletzungen beinahe vollständig erblindete. Der Prozess wird heute mit der Anhörung der Kriminalermittler fortgeführt. Die Verhandlungen sind auf insgesamt vier Tage angesetzt.