Biever und Fischbach vor Gericht

Nach einer zweiwöchigen Pause während der Osterferien wird am kommenden Dienstag mit dem 155. Verhandlungstag der Bommeleeër-Prozess wieder aufgenommen. Die erste Sitzung dürfte gleich recht interessant werden, da sich zwei hochrangige Zeugen gegenüberstehen werden: der aktuelle Generalstaatsanwalt Robert Biever sowie der ehemalige Minister Marc Fischbach. Zudem soll das Gericht im Zusammenhang mit einem Alibi des Prinzen Jean de Nassau einen Blick in das private Fotoalbum von Philippe Giscard d'Estaing werfen.

Robert Biever soll am Dienstag vor Gericht mit den Aussagen von Ex-Minister Fischbach konfrontiert werden.
Robert Biever soll am Dienstag vor Gericht mit den Aussagen von Ex-Minister Fischbach konfrontiert werden.
(Foto: Gerry Huberty)

Marc Fischbach, der von 1984 bis 1989 als Minister der öffentlichen Macht die politische Verantwortung für Armee und Gendarmerie trug, hatte am vergangenen 2. April als Zeuge vor Gericht ausgesagt. Seine Aussagen lassen den schluss zu, dass zur Zeit der Bombenanschläge ein profundes Misstrauen zwischen der Kommandoebene der Gendarmerie und dem Ministerium gab. Fischbach ließ gar durchblicken, dass er sich als Minister angesichts der Attentate machtlos gefühlt habe, da ihm viele Informationen vorenthalten wurden und seine Anordnungen zum Teil ignoriert wurden. Fischbach schloss zudem aus, dass während seiner Amtszeit auf politischer Ebene versucht worden sein könnte, Druck auf die Ermittler zu machen, sei es, um die Aufklärung der Affäre zu beschleunigen, oder diese zu behindern – wie es von jenen, welche die Urheber der Attentatsserie in den Kreisen von Politik, Geheimdiensten und der Nato-Truppe Stay Behind ausgehen, immer wieder unterstellt wurde.

Zusätzliches Öl auf das Feuer gegossen hatte zudem die Aussage des Richters Prosper Klein, der als ehemaliger Untersuchungsrichter in der Affäre aussagte, diese sei eine „Staatsaffäre, die nicht aufgeklärt werden darf“. Dies bezog er unter anderem darauf, dass der damalige Gendarmeriekommandant Aloyse Harpes sich in die Ermittlungen eingemischt habe und Generalstaatsanwalt Camille Wampach nichts dagegen unternommen habe. Klein relativierte seine Aussagen später – er habe zum Zeitpunkt der Ermittlungen nicht gewusst, dass Fischbach und Wampach Harpes zurechtgewiesen hätten.

Wen meinte Biever genau?

Die Gegenüberstellung vor Gericht zwischen Fischbach und dem Generalstaatsanwalt Roby Biever wurde von der Verteidigung in einem Antrag am vergangenen 3. April gefordert und von der Kriminalkammer gewährt. Sie bezieht sich in der Hauptsache auf eine Aussage Bivers, der vor Gericht erklärt hatte, er „sei überzeugt davon, dass es Personen gebe, die hohe Ämter bekleiden und genau wissen, wer was getan hat“.

Fischbach sollte auf Nachfrage der Verteidigung vor Gericht Stellung zu dieser Äußerung beziehen, sagte aber lediglich, er könne nicht nachvollziehen, was oder wen Biever genau mit dieser Aussage gemeint habe. Daraufhin hatte die Verteidigung im Sinne einer Klärung von Bievers Äußerungen eine Gegenüberstellung. Biever, der als Generalstaatsanwalt nicht unter Eid aussagen wird, hatte bereits am 1. Mai des vergangenen Jahres in einem Interview mit dem „Luxemburger Wort“ erklärt, es handele sich bei seiner brisanten Aussage um eine „persönliche Überzeugung“, bei der ihm jedoch „keine kon kreten Namen in den Sinn kämen“. Es „gebe jedoch viele Hinweise, Verschachtelungen und Vorkommnisse, die man sich nicht anders erklären könne, als dass es Menschen gibt, die genau wissen, wer noch hinter den Anschlägen steckt“.

Giscard d'Estaings' Fotoalbum

Am Dienstag sollen vor GEricht zudem private Fotos von Louis Giscard d'Estaing begutachtet werden, die den Prinzen Jean auf einer Jagdgesellschaft im Jahr 1985 zeigen und als Alibi im Zusammenhang mit dem Attentat auf den Findel dienen. Die Verteidigung hatte Anfang März die Authentizität der Fotos angezweifelt.