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Bezirksgericht Luxemburg: Aufgewühltes Opfer, verwirrender Zeuge
Am Mittwoch fand der zweite Verhandlungstag statt.

Bezirksgericht Luxemburg: Aufgewühltes Opfer, verwirrender Zeuge

Foto: Marc Wilwert
Am Mittwoch fand der zweite Verhandlungstag statt.
Lokales 2 Min. 25.03.2015

Bezirksgericht Luxemburg: Aufgewühltes Opfer, verwirrender Zeuge

Im Prozess gegen den 52-jährigen Christian B. sowie dessen Sohn und Tochter fand am Mittwoch der zweite Verhandlungstag statt. Dem mutmaßlichen Täter wird vorgeworfen, seine Nachbarin am 27. Februar 2012 in ihrer Wohnung vergewaltigt und anschließend bedroht zu haben.

(SH) - Im Prozess gegen den 52-jährigen Christian B. sowie dessen Sohn und Tochter fand am Mittwoch der zweite Verhandlungstag statt. Dem mutmaßlichen Täter wird vorgeworfen, seine Nachbarin am Morgen des 27. Februar 2012 in ihrer Wohnung vergewaltigt und anschließend bedroht zu haben. Die Familie von Christian B. soll das mutmaßliche Opfer anschließend während längerer Zeit bedroht haben.

Vor dem Bezirksgericht Luxemburg kam es zur Aussage des mutmaßlichen Opfers, des damaligen Lebensgefährten der Frau sowie einiger Zeugen. „Ich bin handwerklich nicht begabt, deshalb habe ich die Hilfe von meinem Nachbarn angenommen“, so das Opfer, das erklärte, dass ihr Bruder die Renovierungsarbeiten in der Wohnung anfangs zusammen mit Christian B. durchgeführt habe, anschließend jedoch keine Zeit mehr hierfür gehabt hätte.

Am 27. Februar 2012 habe Christian B. die Wohnung fertig gestrichen. „Ich habe ihm als Dank eine Tasse Kaffee angeboten. Doch er hat dies nicht akzeptiert und kam mir immer näher. Er hat mich an den Hintern gefasst. Ich habe ihn zurückgewiesen und ihm gesagt, er solle gehen“, erklärte das Opfer unter Tränen. Christian B. habe sie anschließend auf das Bett gestoßen. Hier sei es zur Vergewaltigung gekommen. „Als er fertig war, ist er gegangen. Er drohte mir, dass ich niemandem etwas sagen darf.“

Drohungen auf Drohungen

Erst zwei Tage später vertraute sich das mutmaßliche Opfer seinem Freund an. „Ich war am Abend der Vergewaltigung bei meiner Freundin. Ich habe gemerkt, dass etwas nicht stimmt, dachte mir aber, dass sie einfach einen schlechten Tag hat. Später hat sie mir erzählt was vorgefallen war. Sie wollte alles vergessen. Ich war jedoch der Meinung, dass sie zur Polizei gehen muss“, so der ehemalige Lebensgefährte des Opfers.

Es folgten Drohungen von Seite der Familie B. Nachdem Christian B. in Untersuchungshaft kam, soll dessen Tochter mit einem Küchenmesser in Richtung Wohnung des mutmaßlichen Opfers gelaufen sein. Sein Sohn soll mit einer Schusswaffe – wie sich später herausstellte war es eine Spielzeugwaffe – vor der Tür gestanden haben.

Christian B. kam am Mittwoch nicht zu Wort. Stattdessen wurden drei Zeugen gehört. „Ich weiß, dass das alles nicht stimmt“, meinte ein weiterer Nachbar. Er habe 2014 im Gang eine Diskussion zwischen dem vermutlichen Opfer und dem Hauptangeklagten verfolgt. Die Frau habe damals gesagt, sie wäre nicht vergewaltigt worden. Ihr Freund habe ihr gesagt, sie solle zur Polizei gehen und sagen, sie sei von ihrem Nachbarn vergewaltigt worden, meinte er. Auf die Frage, warum sie diese Aussage gegenüber der Polizei hätte machen sollen, konnte der Zeuge dann keine Antwort mehr geben. Stattdessen verstrickte er sich in seinen eigenen Aussagen.

Die Verhandlung wird am Donnerstagmorgen fortgesetzt.


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