Bezirksgericht Diekirch

Ein Hausbesetzer, kein Einbrecher

In und um Tarchamps kam es 2015 und 2016 zu mehreren Einbrüchen.
In und um Tarchamps kam es 2015 und 2016 zu mehreren Einbrüchen.
Foto: Guy Jallay

(SH) - Mehrmals soll sich Edi D. zwischen März 2015 und Dezember 2016 in Tarchamps und Doncols Zugang zu Häusern sowie zu einem Betrieb verschafft haben. Am Montag musste sich der mittlerweile 21-Jährige wegen der Einbrüche sowie Diebstahls und Hehlerei in Diekirch vor Gericht verantworten.

Dem Ermittler zufolge soll die Polizei Edi D. nach der ersten Tat – einem Einbruch in ein unbewohntes Haus in Doncols – auf die Spur gekommen sein, nachdem DNA-Spuren des Angeklagten auf einer Bierflasche sichergestellt worden waren. Nach einem Einbruch in Tarchamps waren unterdessen Fingerabdrücke von Edi D. gefunden worden.

Hinweise darauf, dass der Angeklagte auch für einen Einbruch in eine Firma in Tarchamps verantwortlich zeichnete, fanden die Beamten, nachdem ihnen gemeldet worden war, dass sich Unbekannte Zugang zu einem Wochenendhaus in Doncols verschafft hatten. Dort befand sich nämlich jene Kamera, die in Tarchamps gestohlen worden war. Unter den Aufnahmen waren dabei auch Fotos des 21-Jährigen zu sehen.

„Monsieur Crocodile”

Er selbst stritt ab, etwas mit den Einbrüchen oder Diebstählen zu tun zu haben. Er sei wohl mehrmals in den Häusern gewesen, allerdings nur um zu schlafen oder Musik zu hören. In jenem in Tarchamps soll er zudem seinen Bruder besucht haben, der von zu Hause weggelaufen und dort untergekommen war.

Die Türen seien unterdessen nie verschlossen gewesen. Geöffnet seien sie von einem Bekannten von ihm, „Monsieur Crocodile“, worden. „Es ist nicht sein richtiger Name, aber ich kenne ihn unter dem Namen“, erzählte Edi D. Weitere Details konnte er nicht liefern. Vielmehr wies er bei Nachfragen stets darauf hin, dass er noch jung gewesen sei.

Damit traf er beim Vertreter der Staatsanwaltschaft allerdings nur auf wenig Verständnis. „Der Angeklagte empfindet es als normal, in irgendeinem Haus zu schlafen, wenn der Nachhauseweg ihm zu weit erscheint. Und dann erfindet er Personen mit Fantasienamen, denen er die Schuld in die Schuhe schiebt“, erklärte er.

Edi D. habe während der Ermittlungen mehrmals seine Aussagen revidiert. „Das einzige, das sicher ist, ist, dass seine Spuren am Tatort gefunden wurde“, so der Vertreter der Staatsanwaltschaft, der hinzufügte: „Komischerweise hat er mehrere Häuser besetzt und anschließend waren dort Gegenstände verschwunden.“

Er forderte eine Haftstrafe von drei Jahren gegen den 21-Jährigen. Denn für ihn gibt es keine Zweifel daran, dass Edi D. nicht nur für die Einbrüche, sondern auch für die Diebstähle verantwortlich ist.

Dass bei dem Angeklagten keiner der gestohlenen Gegenstände sichergestellt werden konnte, störte ihn nicht. Auch nicht die Aussage eines Zeugen, der Edi D. aus dem Visier nahm. Für den Diebstahl in seinem Haus seien andere Personen verantwortlich, die die Justiz jedoch nicht verfolge, hielt er den Richtern vor. Diese werden ihr Urteil am 29. März bekanntgeben.

Eine Massenschlägerei und drei fehlende Zeugen

Eigentlich hätte sich Edi D. auch gemeinsam mit seinem 24-jährigen Bruder Ruben wegen einer Massenschlägerei, zu der es in der Nacht zum 25. April 2015 nach einem Dorffest in Tarchamps gekommen war, verantworten müssen. Hierzu kam es jedoch nicht, da drei der geladenen Zeugen nicht anwesend waren. Bei zwei von ihnen war dies bereits zum wiederholten Mal der Fall. Da sie im Mai 2016 bereits wegen ihres Fernbleibens vor Gericht verurteilt worden waren, ordnete der Richter nun eine körperliche Zwangsmaßnahme (contrainte par corps) gegen sie an. Damit soll sichergestellt werden, dass sie am 16. April zum neuen Gerichtstermin erscheinen werden. Der dritte Zeuge muss mit einer Geldstrafe rechnen.

In die Massenschlägerei waren im April 2015 rund 30 Personen verwickelt. Wie dem damaligen Polizeibericht zu entnehmen ist, waren die Täter mit Messer und Hackbeil bewaffnet. Einen Mann hatten die Beamten vor Ort überwältigen und entwaffnen können. Er hatte während der Festnahme noch Morddrohungen gegen die Polizisten ausgesprochen. Da er noch eine Haftstrafe zu verbüßen hatte, wurde er nach Schrassig gebracht. Der zweite Täter wurde am Tag nach der Tat von der Polizei gestellt. Bei den beiden Tätern soll es sich um Edi und Ruben D. handeln.

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