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"Wir haben kein Bett mehr"
Lokales 2 Min. 27.01.2016 Aus unserem online-Archiv
Bettenmangel in den Notaufnahmen

"Wir haben kein Bett mehr"

Das Personal verwaltet den Bettenmangel in den Notaufnahmen so gut es geht.
Bettenmangel in den Notaufnahmen

"Wir haben kein Bett mehr"

Das Personal verwaltet den Bettenmangel in den Notaufnahmen so gut es geht.
Foto: Pierre Matge
Lokales 2 Min. 27.01.2016 Aus unserem online-Archiv
Bettenmangel in den Notaufnahmen

"Wir haben kein Bett mehr"

Jacques GANSER
Jacques GANSER
Der Bettenmangel in den Notaufnahmen der Krankenhäusern besteht nicht erst seit gestern. Viele Krankenhäuser behelfen sich mit provisorischen Lösungen.

(jag) - Die Notaufnahmen in den Luxemburger Krankenhäusern arbeiten zur Zeit am Anschlag. In Spitzenzeiten werden bis zu 270 Patienten am Tag behandelt, rund 20 Prozent davon müssen eingewiesen werden oder unter Beobachtung bleiben. Dies ist in vielen Fällen aber gar nicht möglich, weil es an den nötigen Betten fehlt.

Patienten werden dann nach der Notbehandlung wider besseres Wissen wieder nach Hause geschickt. Zwei konkrete Fälle zeigen, wie belastend solche Situationen für die Patienten, ihre Angehörigen aber auch für das medizinische Personal sein können.

Zwei konkrete Fälle

Eine ältere Frau wird mit starken Bauchschmerzen in die Notaufnahme gebracht. In der Notaufnahme vergehen Stunden, bis ein Arzt sie in Augenschein nehmen kann. Er stellt eine Diagnose, gibt der Frau ein Schmerzmittel und schickt sie wieder nach Hause. Ein Bett sei leider nicht frei.

Gegen zwei Uhr nachts werden die Schmerzen der Frau so stark, dass ihre Tochter einen Krankenwagen ruft. Wieder geht es in die Notaufnahme des diensthabenden Krankenhauses, wieder vergehen Stunden. Ein zweiter Arzt stellt eine schwerwiegendere Diagnose, die Frau bekommt jetzt doch ein Zimmer. Am darauffolgenden Nachmittag wird sie operiert.

Akute Blinddarmentzündung

Ein weiterer Fall: Eine Mutter bringt ihren 17-jährigen Sohn in die Notaufnahme. Er ist kreidebleich und hat starke Bauschschmerzen. Ein Arzt stellt schnell die Diagnose: akute Blinddarmentzündung.

Noch am nächsten Tag soll der Blinddarm entfernt werden. Doch der Arzt gerät plötzlich in Erklärungsnot:“ Tut mir leid, es ist kein Bett mehr frei. Schließlich findet man eine notdürftige Lösung im naheliegenden Kinderkrankenhaus.

Nach Hause geschickt

Keine Frage, die Situation in den Notaufnahmen unserer Krankenhäuser ist keine einfache. Hat die Notaufnahme des CHL Dienst, so werden dort in Spitzenzeiten bis zu 270 Patienten täglich gezählt.

Am letzten Wochenende waren es im Escher CHEM 372 Notfälle, 46 davon mussten eingewiesen werden. „Es besteht zumindest im Notfallbereich seit Jahren ein Bettenmangel,“ so Dr. Emile Bock, Notdienst-Koordinator der Robert Schumann Gruppe.

„Die diensthabenden Krankenhäuser sind fast immer am Limit, auch bei uns sind die Kapazitäten öfters ausgeschöpft. Patienten, die eigentlich eine Nacht unter Beobachtung verbleiben sollen, werden dann nach Hause geschickt. Die strikten Auflagen werden also etwas gelockert, der Patient wird dann gebeten, sich zu melden, sollte sein Zustand sich verschlechtern.“

Betten zu 90 Prozent belegt

Die 70 Prozent Bettenbelegung, die regelmäßig als Argument herhalten, sind für Bock nicht realistisch. Sie beinhalten auch die Wochenenden an denen die Betten kaum belegt sind. Unter der Woche liegt die Quote eher bei 90 Prozent, so Bock.

Eine Aussage, der auch Dr. Michel Nathan, Generaldirektor des Escher CHEM, zustimmt. Das Problem ist komplex und es gibt keine einfache Antwort, so Nathan, der auf eine ganze Reihe von Einflüssen verweist. Die alternde Bevölkerung, die große Nachfrage, saisonale Effekte. Aber dass auch am CHEM die Kapazitäten in der Notaufnahme arg strapaziert werden, kann er nicht dementieren.“ Wenn es voll ist, müssen wir Patienten an andere Häuser weiterleiten.“


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