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Betrug mit System: ADEM-Mitarbeiter überweist Leistungen aufs eigene Konto
Lokales 2 Min. 13.02.2020

Betrug mit System: ADEM-Mitarbeiter überweist Leistungen aufs eigene Konto

Betrug mit System: ADEM-Mitarbeiter überweist Leistungen aufs eigene Konto

Foto: Pierre Matgé
Lokales 2 Min. 13.02.2020

Betrug mit System: ADEM-Mitarbeiter überweist Leistungen aufs eigene Konto

Maximilian RICHARD
Maximilian RICHARD
Im April 2019 kam ans Licht, dass innerhalb der ADEM öffentliche Gelder veruntreut wurden. Nun wird der Fall vor Gericht verhandelt.

Im April 2019 machte der Fall Schlagzeilen: Ein Mitarbeiter der Agence pour le développement de l'Emploi (ADEM) hatte öffentliche Gelder veruntreut. Nun weniger als ein Jahr später müssen sich drei Männer wegen des Betrugsskandals vor Gericht verantworten. Es geht insgesamt um rund 95.000 Euro.

Als Kopf hinter dem Betrug gilt den Ermittlungen zufolge Patrick A. Der 46-Jährige arbeitete seit 2013 als "ausgeliehene Arbeitskraft" aus dem Privatsektor als Agent de chômage für die ADEM.

Der Mann war mit Anträgen für Arbeitslosengeld betraut. Über mehrere Monate hinweg manipulierte er Dossiers so, dass Zahlungen statt auf dem Konto der Antragssteller direkt an ihn überwiesen wurden. In einigen Fällen gingen die Zahlungen indes an die beiden Mitangeklagten, Davide M. und Edin A. Die Staatsanwaltschaft ist davon überzeugt, dass die Männer von dem Betrug wussten. Einen Teil des Geldes leiteten sie nämlich an Patrick A. weiter.

Betrug mit System

Bei der Auswahl der Dossiers ging Patrick A. systematisch vor. Er manipulierte nämlich nur ältere Anträge - die bereits längere Zeit wegen eines Formfehlers, wie einer fehlenden Steuerkarte, blockiert waren. Somit war die Wahrscheinlichkeit, dass die Antragssteller sich über ausbleibende Zahlungen beschweren, nur sehr gering. Den Ermittlungen zufolge sollen die Dossiers von rund 50 Personen betroffen gewesen sein.

Die ehemalige Vorgesetzte von Patrick A. betonte vor Gericht, dass der Betrug womöglich nie aufgeflogen wäre - hätte der Angeklagte nicht einen Fehler  gemacht. Denn eine der Zahlungen kam nicht auf seinem Konto an und wurde wieder der ADEM zurücküberwiesen. Ein neuer Kontrollmechanismus soll indes mittlerweile solche Betrugsfälle zumindest in dem Ausmaß verhindern.

Als dies auffiel, wurde Patrick A. von seinen Vorgesetzten mit den Vorwürfen konfrontiert. Den Betrug räumte er sofort ein. Vor Gericht war der Mann geständig, seine Motive waren aber nur schwer nachzuvollziehen.


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"Ich habe es nicht getan, um mich selbst zu bereichern", sagte der Angeklagte gegenüber dem vorsitzenden Richter. Er habe nach einer schweren Scheidung eine schlechte Phase gehabt. Seine Kinder habe er danach nur noch selten zu Gesicht bekommen.

Edin A., den er privat kannte und dessen Dossier er bei der ADEM auch betreute, habe mehrere Monate auf ihn Druck ausgeübt, um mehr Geld von der ADEM zu bekommen. Schließlich habe er nachgegeben.

Eine Version, die allerdings zumindest Zweifel weckt. Denn der Großteil des Geldes ging direkt an Patrick A. Die beiden Mitangeklagten erhielten vergleichsweise geringe Beträge von rund 14.500 beziehungsweise 19.000 Euro. Einen Teil davon traten sie zudem noch an Patrick A. ab. Der 46-Jährige war somit der Hauptnutznießer des Betruges.


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Edin A. konnte sich vor Gericht nur noch an wenig erinnern. Er habe von dem Betrug nichts gewusst. Eine Überweisung von 5.100 Euro an Patrick A. habe  sich lediglich auf einen Autokauf im November 2018 bezogen. Diesen Handel gab es zwar tatsächlich zwischen den beiden, die Ermittlungen deuten aber darauf hin, dass Edin A. sehr wohl am Betrug beteiligt war. So hob er unmittelbar vor einer Zahlung hohe Bargeldbeträge ab.

Davide M. war hingegen geständig. Auch sein Dossier wurde von Patrick A. betreut. Dieser habe ihm Anweisungen gegeben, die er einfach befolgt hätte. Er habe aber nicht gedacht, dass er illegal handele, da das Geld von der ADEM stammte.

Für den Prozess war eigentlich nur ein Verhandlungstag vorgesehen. Die Sitzung konnte aber nicht abgeschlossen werden. Der Prozess wird am 3. März unter anderem mit den Ausführungen der Staatsanwaltschaft und der Verteidiger fortgesetzt.


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