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Betrug in Hesperingen: Es besteht Klärungsbedarf
Lokales 2 Min. 19.07.2019

Betrug in Hesperingen: Es besteht Klärungsbedarf

Durch einen Zufall kam die dreiste Masche von zwei kommunalen Funktionären des Rathauses in Hesperingen ans Licht.

Betrug in Hesperingen: Es besteht Klärungsbedarf

Durch einen Zufall kam die dreiste Masche von zwei kommunalen Funktionären des Rathauses in Hesperingen ans Licht.
Foto: Gerry Huberty
Lokales 2 Min. 19.07.2019

Betrug in Hesperingen: Es besteht Klärungsbedarf

Sandra SCHMIT
Sandra SCHMIT
Jahrelang wirtschaften zwei Beamte in Hesperingen in die eigene Tasche – trotz aller Kontrollen. Jetzt muss herausgefunden werden, wie es dazu kommen konnte.

„Der Großteil der Gelder wurde in den Jahren 2006 und 2007 veruntreut, in den letzten Jahren ist nicht mehr so viel passiert“, so die Aussage von Bürgermeister Marc Lies (CSV) zur Betrugsaffäre, die kürzlich in der Gemeinde Hesperingen aufgedeckt wurde. Zwei kommunale Funktionäre haben dort während 20 Jahren öffentliche Gelder veruntreut.

Der finanzielle Schaden, der dadurch entstand, ist keine Lappalie. In der jüngsten Gemeinderatssitzung sprach Rat Claude Lamberty (DP) von „Millionen“, mehrere Medien berichten von „geschätzten drei Millionen Euro“ und Bürgermeister Marc Lies gibt an, dass es um einen Betrag im „untersten Millionenbereich“ geht. Eine exakte Summe will er auf Nachfrage hin nicht nennen – zum jetzigen Zeitpunkt kann nämlich nur vermutet werden, was genau passiert ist und wie viel Geld veruntreut wurde.

Bürgermeister Marc Lies zeigt sich in der Betrugsaffäre tief bestürzt: Es sei "menschlich extrem enttäuschend".
Bürgermeister Marc Lies zeigt sich in der Betrugsaffäre tief bestürzt: Es sei "menschlich extrem enttäuschend".
Foto: Anouk Antony

Laut Marc Lies haben die verdächtigten Beamten Firmen mit bestimmten Arbeiten beauftragt – beispielsweise mit Reinigungsarbeiten in der Gemeinde oder dem Auswechseln von Fensterscheiben; auch Material wurde gekauft. Diese wurden dann in Rechnung gestellt und von der Gemeinde gezahlt.

Oft kam wohl nur ein Teil der Bezahlungen an, der Rest wanderte in die Taschen von zwei Scheinfirmen. „Es ist nicht klar, ob diese Arbeiten überhaupt verrichtet wurden – oder nicht“, erklärt Lies. In manchen Fällen wurde wohl auch ein höherer als der ursprüngliche Preis gezahlt, die Differenz landete dann auf den Konten der Scheinfirmen. Dies seien laut Marc Lies allerdings nur erste Vermutungen. Die Justiz müsse überprüfen, was ganz genau passiert sei.

Kommissar Zufall

Aufgeflogen ist die Masche durch einen Zufall: Von einer Versicherung hätte der Gemeinde ein gewisser Betrag gutgeschrieben werden müssen – der aber nie in Hesperingen ankam. Auf Nachfrage wurde der Gemeinde allerdings mitgeteilt, dass die Geldsumme bereits längst auf deren Konto eingegangen sei. Bei einer anschließenden Überprüfung stellte sich dann heraus, dass das angegebene Bankkonto für die Überweisung in keiner Verbindung zur Gemeinde stand und das Geld stattdessen an zwei Scheinfirmen überwiesen worden war.


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Fest steht, dass Geld veruntreut wurde – und das trotz aller Kontrollmechanismen. So habe der Bürgermeister selbst immer wieder stichprobenartig Rechnungen kontrolliert. Auch sei die Verantwortung auf mehrere Leute aufgeteilt worden. Außerdem habe es in den vergangenen Jahren immer wieder interne Treffen mit den kommunalen Funktionären gegeben, während derer abgeklärt worden sei, wer welche Aufträge an welche Firma vergeben hätte.

Rückblickend stellt Marc Lies fest, dass die Betrüger seit Einführung dieser Maßnahmen weniger aktiv waren. Und doch: „Wir haben in diesem Bereich viele Anstrengungen unternommen und trotzdem müssen wir jetzt analysieren, ob andere Prozeduren vielleicht wirksamer sind.“

Kontrolle und Vertrauen

Die staatliche Kontrollbehörde des Innenministeriums bemerkte die dreiste Masche ebenfalls nicht. Jede Gemeinde wird mindestens einmal im Jahr überprüft – von zwei Beamten des Contrôle de la comptabilité communale. Diese begeben sich dann vor Ort und überprüfen während vier Tagen in den Rathäusern die Ausgaben und Einnahmen. Auch Hesperingen wurde in den vergangenen Jahren kontrolliert. Zu dem aktuellen Fall will das Innenministerium sich allerdings nicht äußern – mit Verweis auf das laufende Verfahren.

Das Vertrauen zu den wohlgemerkt vereidigten Beamten sei in Hesperingen laut Bürgermeister Marc Lies jedenfalls hin, man wolle nicht mehr mit ihnen zusammenarbeiten. Die Affäre sei „menschlich extrem enttäuschend“, so Lies. Die beiden kommunalen Funktionäre wurden vom Dienst suspendiert und haben Hausverbot – laut den Gesetzen eines Rechtsstaates können sie erst entlassen werden, wenn ihre Schuld bewiesen ist. Bereits Mitte Juni hatte die Gemeinde Anzeige erstattet, wegen Veruntreuung und Urkundenfälschung.


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