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Besuche in Seniorenheimen auch aus dem Ausland möglich
Lokales 4 Min. 30.04.2020

Besuche in Seniorenheimen auch aus dem Ausland möglich

Luxemburg hat das Besuchsverbot in den Pflege- und Senioreneinrichtungen diese Woche gelockert.

Besuche in Seniorenheimen auch aus dem Ausland möglich

Luxemburg hat das Besuchsverbot in den Pflege- und Senioreneinrichtungen diese Woche gelockert.
Symbolbild: dpa
Lokales 4 Min. 30.04.2020

Besuche in Seniorenheimen auch aus dem Ausland möglich

Jörg TSCHÜRTZ
Jörg TSCHÜRTZ
Die Grenzkontrollen während der Corona-Krise sorgen für Unmut in der Bevölkerung. Doch nun gibt es positive Nachrichten: Die deutsche Bundespolizei erkennt Besuche in Luxemburger Altenheimen nunmehr als "triftigen" Einreisegrund an.

Wegen der Corona-Krise bauen sich für die Menschen in Luxemburg und den Grenzgebieten in den Nachbarländern viele Hürden auf. Nicht nur unverheiratete Paare, die in zwei verschiedenen Ländern leben, stellen die geschlossenen Grenzen vor eine Belastungsprobe. Auch Menschen, die im Ausland wohnen und ihre Verwandten oder Freunde in Luxemburg besuchen wollen, müssen sich weiterhin für ein Treffen gedulden. Von den deutschen Behörden kommen nun aber positive Signale.

In Luxemburg ist es seit dieser Woche wieder möglich, Bewohner von Seniorenheimen nach Vereinbarung eines Termins und unter bestimmten Auflagen zu besuchen – auch Familienmitgliedern, die nicht in Luxemburg wohnen, ist die Fahrt ins Großherzogtum mit anschließender Rückreise nach Deutschland zu diesem Zweck erlaubt. Das bestätigt eine Sprecherin der Bundespolizeiinspektion Trier am Donnerstag auf LW-Nachfrage. Ein Besuch im Alten- und Pflegeheim in Luxemburg wird demnach als „triftiger Grund“ für die Einreise nach Deutschland anerkannt. Das gilt sowohl für deutsche Staatsbürger als auch für Auslandsluxemburger, die auf der deutschen Seite wohnen. „Wichtig ist es, eine Meldebescheinigung der Wohnsitzgemeinde sowie eine Terminbestätigung des Altenheims mitzuführen“, betont die Sprecherin.

"Wut und Unverständnis" in Grevenmacher

Wegen der Corona-bedingten Grenzkontrollen war es zuletzt zu Spannungen in den Grenzgebieten zwischen Luxemburg, Belgien, Frankreich und Deutschland gekommen. Der Bürgermeister von Grevenmacher und Abgeordnete Léon Gloden (CSV) wandte sich am Donnerstag mit einem Brief an Außenminister Jean Asselborn (LSAP). Die Lebensqualität der Menschen in Grevenmacher hätten sich durch die Grenzkontrollen und die „kilometerlangen Staus“ an der Moselbrücke zwischen Grevenmacher und Wellen (D) verschlechtert, schreibt Gloden auf Facebook. Die Akzeptanz der Maßnahmen durch die Bürger schlage mittlerweile „in Wut und Unverständnis“ um. Bilder von deutschen Polizisten, die ihren Dienstwagen entgegen der Vorschriften in Grevenmacher betanken – ein Einzelfall, wie die Bundespolizei in Trier betont – sind da auch nicht gerade hilfreich.


Das Personal hilft, wo es kann, kann aber die Familienangehörigen nicht ersetzen.
Besuch unter Auflagen
Nach sechs Wochen Besuchverbot in den Alters- und Pflegeheimen hat Familienministerin Corinne Cahen die strikten Regeln gelockert.

Bei Jean Asselborn läuft Léon Gloden mit seinem Protestbrief trotz unterschiedlicher Parteicouleur offene Türen ein. Den Außenminister treiben die Kontrollen an den Grenzen zu den Nachbarländern seit Wochen um. "Wenn der Schengen-Raum fällt, dann fällt auch das Europa der Bürger", wird Asselborn nicht müde zu betonen. Doch ein Ende der Grenzkontrollen ist nicht in Sicht: Am Mittwoch sickerte bereits durch, dass Deutschland die in der Corona-Krise eingeführten Kontrollen an seinen Grenzen bis zum 15. Mai beibehalten will. Asselborn hält diese Vorgehensweise des Innenministeriums in Berlin für „total falsch“ – das Corona-Virus könne dadurch nicht gestoppt werden.

Eine Grenzblockade in Rosport: Der Willkommensgruß auf deutscher Seite ist derzeit nur bedingt gültig.
Eine Grenzblockade in Rosport: Der Willkommensgruß auf deutscher Seite ist derzeit nur bedingt gültig.
Foto: Lex Kleren

Asselborn fordert mehr Fingerspitzengefühl

„Es kann nicht sein, dass Grenzgänger schikaniert werden, weite Umwege fahren müssen oder auf dem Weg zur Arbeit kilometerlang im Stau stehen“, kritisiert Asselborn am Donnerstag im LW-Gespräch. Ihm sei zugetragen worden, dass die Beamten der Bundespolizei an der Grenze zu Luxemburg nun noch „pingeliger“ kontrollierten. Er fordert mehr „Pragmatismus und Humanismus“ von den Grenzbeamten.

Eine Sprecherin der Bundespolizeiinspektion Trier betont, man versuche, die Staubildung am Nachmittag an den Grenzen "so gering wie möglich zu halten“. Seit 20. April stelle man wieder ein verstärktes Verkehrsaufkommen an der Grenze fest – dies mache die Sache für die Polizisten nicht einfacher. Die Akzeptanz für die Corona-Maßnahmen sei in der Bevölkerung jedoch immer noch großteils da.


Schmiede: Belgische Bußgelder sorgen für Unmut
Bei Huldingen verteilt die belgische Polizei Bußgelder wegen unerlaubter Einreise. Mittlerweile ist auch Außenminister Asselborn eingeschritten

Nicht nur im Osten, auch im hohen Norden sowie im äußersten Süden führen die Corona-Kontrollen zu allerlei Merkwürdigkeiten. Belgische Polizisten sollen es kürzlich auf Kunden eines Einkaufszentrums bei Huldingen, das sich über luxemburgisches und belgisches Territorium erstreckt, abgesehen haben. Wer nichtsahnend über die unsichtbare Grenze nach Belgien spazierte, bekam ein Bußgeld von 250 Euro aufgebrummt, schilderte der Ulflinger Schöffe Guy Henckes am Mittwoch dem LW. Ähnliche Fälle sollen sich auch in einem Park an der Grenze in Rümelingen zugetragen haben. Außenminister Jean Asselborn nahm den Bericht aus Huldingen zum Anlass, um beim belgischen Botschafter in Luxemburg zu intervenieren. „Die Belgier wollen nun untersuchen, was wirklich vorgefallen ist und wie viele Strafzettel tatsächlich ausgestellt wurden.“ 

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