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Besserer Schutz für Zugpersonal gefordert
Lokales 3 Min. 18.03.2019 Aus unserem online-Archiv

Besserer Schutz für Zugpersonal gefordert

Zwei CFL-Mitarbeiter wurden in der Nacht auf Sonntag in Oetringen am Bahnhof von einer Gruppe Jugend-
licher angegriffen und verletzt.

Besserer Schutz für Zugpersonal gefordert

Zwei CFL-Mitarbeiter wurden in der Nacht auf Sonntag in Oetringen am Bahnhof von einer Gruppe Jugend-
licher angegriffen und verletzt.
Foto: Caroline Martin
Lokales 3 Min. 18.03.2019 Aus unserem online-Archiv

Besserer Schutz für Zugpersonal gefordert

Diana HOFFMANN
Diana HOFFMANN
Nach dem Übergriff auf CFL-Mitarbeiter in Oetringen wird der Ruf nach mehr Sicherheit laut. Die Idee einer Bahnpolizei kommt jedoch nicht überall gut an.

Ihre Nachtschicht am vergangenen Wochenende werden der Lokführer und der Zugbegleiter aus dem Zug von Wasserbillig nach Luxemburg-Stadt wohl so schnell nicht vergessen können. Am Samstag gegen 23.45 Uhr wurden sie Opfer einer feigen Gewalttat. Eine Gruppe von rund zehn Jugendlichen hatte die beiden beim Bahnhof in Oetringen angegriffen und geschlagen. Dies, nachdem der Schaffner die jungen Leute aufgefordert hatte, nicht auf den Gleisen herumzulaufen.


Die beiden Vorfälle ereigneten sich beim Bahnhof in Oetringen.
Nach Angriff auf CFL-Mitarbeiter: Unbekannte legen Metallstück auf Gleise
Ein Schaffner und ein Lokführer wurden Samstagnacht von etwa zehn Jugendlichen angegriffen. Wenig später legten Unbekannte ein Metallteil auf die Gleise.

Auch wenn Übergriffe mit solcher Brutalität die Ausnahme bleiben, so kommt es doch mehrmals im Jahr zu Vorfällen, bei denen das Zugpersonal physisch angegriffen wird. Im vergangenen Jahr passierte dies 40 Mal. Die Zahl ist im Vergleich zum Vorjahr mit 47 Fällen leicht rückläufig. „Auf eine Million Passagiere kommt es statistisch gesehen etwas mehr als zweimal zu einem solchen Übergriff“, sagt Alessandra Nonnweiler, Pressesprecherin der CFL. Doch jeder Fall sei einer zu viel und aufs Schärfste zu verurteilen.

Obwohl es sich in diesem Fall um Jugendliche handelte, ein generelles Profil von gewalttätigen Tätern kann nicht erstellt werden. Weder sind es überwiegend junge Leute, noch kommen solche Vorfälle vermehrt nachts oder auf bestimmten Zugstrecken vor.

Flächendeckende Kameraüberwachung in Bahnhöfen

Um die Sicherheit auf Bahnhöfen zu steigern, ist eine flächendeckende Videoüberwachung geplant. Bei allen neuen Gebäuden oder Bahnsteigen wurden Kameras installiert. Der Bahnhof in Oetringen ist bisher jedoch noch nicht überwacht. Alle CFL-Züge sind im Inneren mit Kameras ausgestattet. Ob sich die Jugendlichen vor dem Überfall auf das Zugpersonal in Oetringen in einem Zug befunden haben, war nicht in Erfahrung zu bringen. Die Überwachungsbilder wurden am Montag ausgewertet. Eine Kamera, welche die Gleise filmt, gibt es in den Zügen nicht.

Zusätzlich zu der Videoüberwachung sorgt auch Sicherheitspersonal für den Schutz der CFL-Mitarbeiter. War 2016 noch in vier Prozent der Züge Sicherheitspersonal präsent, so wurden 2017 bereits zehn Prozent der Passagierzüge begleitet. Das reicht aber nicht, finden sowohl Mylène Bianchy, Präsidentin der Eisenbahnergewerkschaft Syprolux, als auch Georges Merenz, Präsident des Landesverbands FNCTTFEL.


Gewalt und sexueller Übergriff im Zug
Am Sonntagnachmittag hat ein Zugfahrgast eine Frau sexuell belästigt und einen Kontrolleur angegriffen.

Die Züge müssen nachts doppelt besetzt sein. Entweder mit zusätzlichem Zugpersonal oder mit Sicherheitspersonal“, sagt Georges Merenz. Und auch Mylène Bianchy findet: „Die CFL-Mitarbeiter sind keine Hilfssheriffs. Sie erhalten bereits eine Ausbildung in Deeskalation. Wichtig ist die Präsenz von Personal vom Fach, das sich mit der Problematik auskennt.“

Einführung einer Bahnpolizei in Betracht zu ziehen

In Belgien etwa werden viele Züge von einer speziellen Polizeieinheit begleitet. Mobilitätsminister François Bausch würde ebenfalls eine solche Einheit begrüßen. „Zurzeit wird geprüft, wie dies im Ausland geregelt ist“, erklärt Dany Frank, Pressesprecherin im Mobilitätsministerium. Jedoch brauche es hierzu zusätzliches Personal. Ein Problem sei, dass die Polizei ohnehin händeringend nach neuen Beamten sucht.


15.10.2018 Luxembourg, ville, Überwachungskamera, Sicherheit, protection des données, Videoüberwachung, Videoüberwachungstechnik, Überwachung per Kamera  photo Anouk Antony
Noch mehr Kameras im Bahnhofsviertel
In einigen Wochen werden noch mehr Videokameras das hauptstädtische Bahnhofsviertel überwachen und für verbesserten Schutz sorgen.

Eine solche Bahnpolizei hält Georges Merenz dagegen nicht für nötig. Die Zusammenarbeit mit der Polizei funktioniere bereits sehr gut. Sinnvoller wäre es auch, die Strafen für Gewalt gegen Zugpersonal zu erhöhen. Ganz im Sinne des künftigen Gesetzes, was Angriffe auf Rettungskräfte mit bis zu 10.000 Euro und einer Haftstrafe von bis zu fünf Jahren bestraft. Auch das Zugpersonal sollte in diesem Erwähnung finden.

Der Gesundheitszustand der beiden CFL-Mitarbeiter hat sich indes verbessert. Sie konnten unbestätigten Informationen zufolge das Krankenhaus wieder verlassen. Der Lokführer sei leicht verletzt worden, der Schaffner dagegen schwerer. Die Ermittlungen nach den jugendlichen Tätern laufen weiter.



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