Berufung im Brudermord

Es soll bei lebenslänglich bleiben

Eric L. hat seinen Bruder in der Nacht zum 20. Dezember 2014 in dessen Wohnung getötet.
Eric L. hat seinen Bruder in der Nacht zum 20. Dezember 2014 in dessen Wohnung getötet.
Foto: Chris Karaba

(SH) - "Im Urteil steht, dass ich meine Tat nicht bereue. Ich bereue sie jedoch sehr. Was ich getan habe ist nicht zu entschuldigen." Mit diesen Sätzen begründete Eric L., der im Februar in erster Instanz wegen des Mordes an seinem Bruder zu einer lebenslänglichen Haftstrafe verurteilt wurde, am Dienstag die Berufung gegen das Urteil.

Er habe lange gebraucht, bis ihm bewusst wurde, was er in der Nacht zum 20. Dezember 2014 getan habe. Damals hatte er den Ermittlungen zufolge seinen Bruder vergiftet, indem er ihm einen Mangosaft zu trinken gab, in den er Schlaf- und Beruhigungsmittel gemischt hatte. Als dieser bewusstlos wurde, hatte er dessen Wohnung in Esch/Alzette in Brand gesetzt. Dass in dem Mehrfamilienhaus nicht noch mehr Personen zu Schaden gekommen waren, erklärt sich nur dadurch, dass die Bewohner schnell auf das Feuer aufmerksam wurden.

Eine neue Variante

Den Berufungsrichtern schilderte Eric L. am Dienstag eine neue Variante des Tathergangs. Dabei gab er anders als noch in erster Instanz zu, den Mord ein paar Tage im Voraus geplant zu haben. Die Prepaidkarte für sein Mobiltelefon habe ihm Alessandro S., der in erster Instanz wohl als Komplize angeklagt war, jedoch frei gesprochen wurde, besorgt. Die Medikamente hätte er seit einem Krankenhausaufenthalt im Jahr 2013 bei sich zu Hause gehabt. Dass die Ermittler für diesen Aufenthalt keine Beweise fanden, erkläre sich wohl dadurch, dass er zu der Zeit nicht in Luxemburg sozialversichert war. Er hätte die Tabletten dann mit einer elektrischen Mühle zerkleinert, die er eine Woche zuvor gekauft hatte, "um Muskatnüsse zu mahlen".

Der Vertreter der Generalstaatsanwaltschaft sprach von einer kaltblütigen und schändlichen Tat. Deshalb sei das Urteil aus erster Instanz, also die lebenslange Haftstrafe gegen Eric L., beizubehalten. Ihm zufolge soll bei der Urteilsverkündung am 12. Dezember auch gegen Alessandro S. eine zweijährige Haftstrafe sowie eine Geldstrafe von 3.000 Euro ausgesprochen werden.

Alibi und Fluchtversuch

Er habe Eric L. nicht nur ein falsches Alibi gegeben, sondern auch versucht, ihm zu helfen, sich der Strafverfolgung zu entziehen. Eric L. war im Januar 2015 festgenommen worden, als er sich zusammen mit Alessandro S. auf dem Weg zum Frankfurter Flughafen befand.

Dem Italiener droht jedoch noch ein weiteres juristisches Nachspiel. Wie der Vertreter der Generalstaatsanwaltschaft bemerkte, sitzt er derzeit in Untersuchungshaft, weil er die Schwäche der Mutter von Eric L. ausgenutzt haben soll, um sich einen Teil jenes Erbes zu sichern, um das sich die beiden Brüder stritten. In der Tat galt für die Ermittler stets ein Erbstreit als Tatmotiv. Demnach sollte dem Bruder von Eric L. eine weitaus größere Summe zukommen als Eric L. selbst.


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