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Bericht gibt Einblick in Drogenkonsum hinter Gittern
Lokales 3 Min. 14.12.2020 Aus unserem online-Archiv

Bericht gibt Einblick in Drogenkonsum hinter Gittern

Bericht gibt Einblick in Drogenkonsum hinter Gittern

Foto: Pierre Matgé / LW-Archiv
Lokales 3 Min. 14.12.2020 Aus unserem online-Archiv

Bericht gibt Einblick in Drogenkonsum hinter Gittern

Maximilian RICHARD
Maximilian RICHARD
Ein Bericht liefert Einblicke in den Drogenkonsum in den Strafvollzugsanstalten und Ansätze, um die Situation zu verbessern.

Hohe Mauern umgeben die Strafvollzugsanstalt in Schrassig und trennen die Insassen von der Außenwelt. Doch auch die Absperrungen können nicht alles zurückhalten: Drogen und Dealer, es gibt sie auch hinter den Gefängnismauern. Der Handel mit dem Verbotenen geschieht ebenso wie draußen. Ein neuer Bericht des Contrôle externe des lieux privatifs de liberté des Ombudsman liefert einen Einblick in den Umgang mit Rauschgiften innerhalb der Strafvollzugsanstalten in Schrassig und Givenich.

Die Zielsetzung war pragmatisch. „Es geht nicht darum ein absolut drogenfreies, cleanes Gefängnis zu schaffen. Das wäre nicht realistisch“, so Ombudsman Claudia Monti während der Vorstellung des Gutachtens am Montag. Vielmehr sollte anhand einer Bestandsaufnahme das Ausmaß der Problematik festgestellt und auch Wege für eine Verbesserung der Situation aufgezeigt werden.

Deutlich flagrante Missstände seien jedoch bei der Ausarbeitung des Berichtes und bei den zahlreichen geführten Gesprächen nicht festgestellt worden. Luxemburg stehe im internationalen Vergleich sogar in vielen Punkten sehr gut dar. Dennoch bestehe durchaus Handlungsbedarf.

Einfacher Zugang

Je nach Gefängnisblock würden die Gefangenen in Schrassig nämlich relativ einfach an Drogen kommen. Sowohl Alkohol als auch andere Rauschmittel wären dort verfügbar. Unter anderem würden Besucher die Substanzen hereinschmuggeln. Der Bericht erwähnt unter anderem aber auch verschiedene Warenlieferungen in die Haftanstalt als Möglichkeit.


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Während der Ausarbeitung des Berichtes seien aber auch Vorwürfe gegen Gefängniswärter laut geworden, so Claudia Monti. Weitere Untersuchungen müssen nun zeigen, ob sich dies bewahrheitet. Es gelte die Unschuldsvermutung.

Im offenen Vollzug in Givenich sei die Situation eine andere. Die Bewohner hätten natürlich viel mehr Möglichkeiten, sich Drogen zu beschaffen. Vor allem die Nutzung von synthetischen Drogen sei ein Problem. Die Wirkung dieser Substanzen sei zum Teil unvorhersehbar und könne ein gesundheitliches Risiko darstellen.

Eigene Hundestaffel ab 2023

Um die Verfügbarkeit der Drogen innerhalb der Gefängnisse zu reduzieren, müssten die Kontrollen verstärkt werden – allerdings systematisch und mit festen Regeln. So sollten etwa Gefangene anwesend sein dürfen, wenn ihre Zelle durchsucht wird. Dies sei derzeit nicht der Fall. Das Vorhaben der Gefängnisverwaltung eine eigene Spürhundestaffel bis 2023 zu schaffen, begrüßte Claudia Monti des Weiteren. 

Bisher seien solche Kontrollen nur durch einen externen Groupe canin möglich gewesen. In diesem Zusammenhang solle spezielle, hochmoderne Ausrüstung zum Einsatz kommen. Ein Teil dieser Geräte habe die Gefängnisverwaltung bereits angeschafft.


Gefängnis Schrassig , Centre pénitentiaire de Schrassig , strafvollzug , Prison , Justice , Justiz  - Prisonnier - Gefangener  - Détention provisoire - einzelhaft - Gefängniswärter - gardien de prison - gefängnisstrafe - prisong -   - Foto: Pierre Matgé/Luxemburger Wort
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Innerhalb der Gefängnismauern sei die Betreuung von drogensüchtigen Straftätern bereits gut aufgestellt, neben Therapiemöglichkeiten gebe es die Möglichkeit für die Gefangenen, anonym sterile Spritzen zu bekommen. Das Projekt werde gut angenommen. 

 Bei Untersuchungshäftlingen sei der Handlungsspielraum für das Personal allerdings sehr eingeschränkt. Die eigentliche Arbeit könnten sie erst nach einer rechtskräftigen Verurteilung aufnehmen. Deshalb spricht sich der Bericht für eine Ausdehnung der entsprechenden Befugnisse aus.

Forderung nach neuem Gericht

Zu einer besseren Situation in den Gefängnissen könnte aber auch ein anderer Umgang der Gerichte mit drogenabhängigen Personen führen. Die Drogensucht solle in den Urteilen berücksichtigt werden und die Richter, wenn es die Umstände erlauben, vermehrt Bewährungsstrafen mit Therapieauflagen sprechen. 


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In diesem Zusammenhang fordert der Bericht gar die Schaffung eines neuen Gerichts, das sich nur mit Strafsachen in Zusammenhang mit Drogen beschäftigt. Drogenabhängige würden unter einer Krankheit leiden, ein spezialisiertes Gericht könnte besser auf die Bedürfnisse der Betroffenen eingehen. 

Auch nach dem Ende der Gefängnisstrafe dürften die Straftäter nicht im Stich gelassen werden. Problematisch sei unter anderem, dass viele der ehemaligen Insassen nach ihrer Entlassung auf einen Schlag keine Sozialversicherung mehr hätten, sobald sie das Gefängnis verlassen. Diese Personen seien allerdings weiterhin auf Betreuung angewiesen. Ohne sie sei ein Rückfall wahrscheinlich und damit unter Umständen die im Gefängnis unternommen Anstrengungen „fir d'Katz“, so Claudia Monti. 

Der Bericht umfasst rund 140 Seiten und ist online einsehbar. 

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