Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Bereitschaft und Besorgnis
Lokales 15.11.2016 Aus unserem online-Archiv
Infoabend zu Flüchtlingsstruktur in Marnach

Bereitschaft und Besorgnis

So könnte das Flüchtlingszentrum am alten Senderareal später aussehen.
Infoabend zu Flüchtlingsstruktur in Marnach

Bereitschaft und Besorgnis

So könnte das Flüchtlingszentrum am alten Senderareal später aussehen.
Illustration: MDDI
Lokales 15.11.2016 Aus unserem online-Archiv
Infoabend zu Flüchtlingsstruktur in Marnach

Bereitschaft und Besorgnis

John LAMBERTY
John LAMBERTY
Grundsätzliche Hilfsbereitschaft, aber auch deutliche Verunsicherung waren am Montag in Marnach zu spüren, wo die Regierung ihre Pläne für eine provisorische Auffangstruktur für Flüchtlinge vorstellte.

(jl) - Auf grundsätzliche Bereitschaft zu Hilfe und Solidarität, aber auch auf eine gehörige Portion Verunsicherung und Besorgnis vor dem möglichen Ausmaß der Herausforderung stießen die Minister François Bausch, Corinne Cahen, Dan Kersch und Claude Meisch am Montagabend im Cube 521 in Marnach. Rund 150 Zuhörer hatten sich hier eingefunden, um sich über die Pläne der Regierung zur Schaffung einer provisorischen Auffangstruktur für Flüchtlinge am Marnacher "Schwaarzenhiwwel" zu informieren.

Auf dem rund 12,6 Hektar großen ehemaligen RTL-Senderareal sollen - bis voraussichtlich Ende 2017 - auf etwa 2,6 Hektar in qualitativ ordentlicher Modulbauweise mehrere Gebäude entstehen. Maximal 300 Menschen  sollen hier bis zur Anerkennung oder Abweisung ihres Antrags auf das Flüchtlingsstatut wohnen  und betreut werden. Die restlichen zehn Hektar sollen im Rahmen der Flächennutzungsprozedur (POS) zur Grünzone umdeklariert werden.

Am ehemaligen Senderareal in Marnach sollen 2,6 Hektar zur Einrichtung der Flüchtlingsunterkünfte genutzt werden.
Am ehemaligen Senderareal in Marnach sollen 2,6 Hektar zur Einrichtung der Flüchtlingsunterkünfte genutzt werden.
Foto: John Lamberty

Angesichts des ausdrücklichen Wunschs der Gemeinde Clerf sowie offenbar auch zahlreicher Bürger, zeigten die Regierungsvertreter am Montag allerdings deutliche Kompromissbereitschaft, was die Zahl der in Marnach unterzubringenden Schutzsuchenden angeht.

Wie Bürgermeister Emile Eicher zuvor erklärt hatte, wolle man sich als Gemeinde in keinster Weise der Verantwortung zur Solidarität mit den Opfern von Krieg und Terror entziehen. Sollen Integration und harmonisches Miteinander vor Ort jedoch gelingen, so seien 300 Menschen am Rande einer gerade einmal 600 Einwohner zählenden Ortschaft im ländlichen Raum ganz einfach zu viel.

Im Gegenzug ließen die Ressortminister allerdings ebensowenig Zweifel an der dringenden Notwendigkeit zusätzlicher Unterkünfte für Asylsuchende im ganzen Land und der moralischen Pflicht Luxemburgs zur Solidarität angesichts der Flüchtlingsnot. Wer von Zuwanderern Integration fordere, müsse diesen auch optimale Integrationsangebote ermöglichen, wie etwa Claude Meisch betonte.

Im Rahmen der Flächennutzungsprozedur - dem sogenannten "plan d'occupation du sol" - können die Bürger die Pläne der Regierung zur Schaffung der Flüchtlingsstruktur in Marnach nun noch bis zum 8. Dezember (u. a. auf der Homepage der Gemeinde Clerf bzw. unter www.mddi.lu) einsehen, um dann eventuelle Einwände oder Anmerkungen bis zum 23. Dezember in schriftlicher Form an die Gemeinde zu richten.

Diese wird die eingegangenen Dokumente anschließend gemeinsam mit ihrer eigenen Stellungnahme an die Regierung weiterleiten.

Folgen Sie uns auf Facebook, Twitter und Instagram und abonnieren Sie unseren Newsletter.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Seit August steigt die Zahl der Asylbewerber in Luxemburg. 2016 haben hierzulande bislang 1.690 Personen Schutz gesucht. Das sind 95 mehr Anträge im Vergleich zum Vorjahr.
In der Luxexpo-Halle müssen sich mittlerweile manche Familien ein Zelt teilen.
39 Asyl-Anträge seit Jahresbeginn
Unbegleitete, minderjährige Flüchtlinge, die in Luxemburg Asyl beantragen, genießen speziellen Schutz. Dieser wird allerdings in manchen Fällen missbraucht.
Auch in Luxemburg werden jedes Jahr unbegleitete minderjährige Flüchtlinge gezählt.
Bei der Überfahrt aus Nordafrika sind wieder mehrere Bootsflüchtlinge gestorben, allerdings wurden Tausende Menschen innerhalb 48 Stunden gerettet. Italiens Ministerpräsident Renzi fordert eine "grundlegende Lösung".
Die geretteten Flüchtlinge sollen nach Neapel und Sizilien gebracht werden.
Wie integriert man Flüchtlingskinder in die Luxemburger Schule und wie sollen andere Kinder und das Lehrpersonal reagieren? Fari Khabirpour redet aus der Sicht des Psychologen und des Ex-Direktors des Abschiebezentrums am Findel.
Containerdörferbau im Norden
Noch vor dem Jahreswechsel sollen sich auf dem Herrenberg in Diekirch die Türen für die ersten Asylbewerber öffnen. Während der Wohncontainerbau für das dortige Flüchtlingszentrum denn auch auf Hochtouren läuft, herrscht in Marnach weiter Funkstille.
Containerpark für Flüchtlinge auf dem Diekircher Herrenberg / Foto: Nico MULLER
Luxemburg hält sich an seine Versprechen. Am Donnerstag wurde eine weitere Gruppe Flüchtlinge aus Italien in das Großherzogtum geflogen. 15 Erwachsene und fünf Kinder wurden auf Findel begrüßt.
In Italien und Griechenland warten noch immer tausende Manschen auf die Überführung in eine neue Haimat.