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Belastung durch Mobilfunkanlagen: niedrigere Grenzwerte gefordert
Lokales 3 Min. 12.04.2013 Aus unserem online-Archiv

Belastung durch Mobilfunkanlagen: niedrigere Grenzwerte gefordert

Umweltschützer befürchten mögliche gesundheitliche Schäden durch Mobilfunkanlagen.

Belastung durch Mobilfunkanlagen: niedrigere Grenzwerte gefordert

Umweltschützer befürchten mögliche gesundheitliche Schäden durch Mobilfunkanlagen.
Foto: R. Schmit
Lokales 3 Min. 12.04.2013 Aus unserem online-Archiv

Belastung durch Mobilfunkanlagen: niedrigere Grenzwerte gefordert

Auf sein Handy verzichten möchte eigentlich niemand mehr. Allerdings ist der Gebrauch des täglichen Begleiters der meisten Menschen nicht unumstritten.

(rsd) - Auf sein Handy verzichten möchte eigentlich niemand mehr. Allerdings ist der Gebrauch des täglichen Begleiters der meisten Menschen nicht unumstritten. Umweltschützer und -mediziner gehen davon aus, dass durch Mobilfunkanlagen gesundheitliche Schäden ausgelöst werden können. Die elektromagnetischen Felder waren Gegenstand einer Konferenz mit anschließender Diskussion, zu der der „Mouvement écologique“, das Ökozentrum Pfaffenthal und die Gesellschaft Akut, die sich hauptsächlich mit Umweltmedizin beschäftigt, eingeladen hatten.

Teilnehmer waren Claude Geimer von der Umweltverwaltung, Pierre Schmitt, Umweltberater der Stadt Luxemburg, Fränz Hengen vom „Mouvement écologique“, Jean Huss, Präsident von Akut, und Bernd Rainer Müller vom Ingenieurbüro für Arbeitsschutz und Messtechnik aus Lange in Deutschland. Sie beschäftigten sich u.a. mit der Frage, ob die Standorte der Anlagen dazu beitragen können, mögliche Gefahren zu senken. Dass das der Fall ist, darüber waren sich die Teilnehmer einig. Über die rechtlichen Grundlagen informierte Claude Geimer von der Umweltverwaltung.

Vorsorgeprinzip auf europäischer Ebene

Neu ist das Thema nicht, denn bereits am 22. März 1934, als Sendelizenzen ausgestellt wurden, waren Radiostationen genehmigungspflichtig. Seit 1993 beschäftigt sich der Gesetzgeber auch mit elektromagnetischen Sendern. Damals wurde festgehalten, dass ein Genehmigungsverfahren durchgeführt werden muss, wenn eine Anlage eine Kapazität von 2 500 Watt überschreitet. Seit November 2000 gilt auf europäischer Ebene das Vorsorgeprinzip, um ein hohes Umweltschutzniveau zu gewährleisten.

Durch ein großherzogliches Reglement vom 25. Januar 2006 wurde festgehalten, dass eine Baugenehmigung des Bürgermeisters erforderlich ist, denn die Sendeanlagen gehören zu den Infrastrukturen von ausgewiesenen Zonen des Bebauungsplans. Auf Anfrage des Bürgermeisters muss die Betreibergesellschaft Auskunft über das gesamte Netz auf dem Territorium der Gemeinde liefern.

Am 5. Mai 2011 wurde noch einmal nachgebessert, damit der Schutz des Bürgers gegenüber elektromagnetischer Strahlung erhalten bleibt. Anlagen mit einer Leistung von 100 bis 2 500 Watt fallen unter die Klasse 3 und ab 2 500 unter die Klasse 1 und sind demnach genehmigungspflichtig. Der Antragsteller muss eine detaillierte Beschreibung der Anlage und der Umgebung liefern. Außerdem darf die Sendeanlage im Rahmen der Anwendung des Vorsorgeprinzips eine elektronische Feldstärke von drei Volt/Meter nicht übersteigen.

Zusätzlich muss eine vom Minister anerkannte Person die Anlage bei der Inbetriebnahme überprüfen. Claude Geimer wies weiter darauf hin, dass der Bürger Zugang zu allen Umweltinformationen hat. Außerdem machte er darauf aufmerksam, dass wohl ein potenzielles Risiko von den Mobilfunkanlagen ausgehe, dass aber ein wissenschaftliches Urteil über die elektromagnetischen Felder der Mobilfunknetze trotz Forschung nicht vorhanden sei.

Kritiker fordern strengere Vorschriften

Auch wenn die maximale Strahlenbelastung von drei Volt/Meter in früheren Zeiten ein annehmbarer Kompromiss war, so sind diese Werte für Umweltschützer heute aber nicht mehr akzeptabel. Laut den Aussagen von Fränz Hengen wurden beispielsweise in Österreich Versuche durchgeführt mit 0,6 V/m, ohne dass dadurch die Funktionsfähigkeit der Anlage in Frage gestellt wurde. Für Umweltschützer müssen auch die Zeiten definitiv vorbei sein, in denen bedenkenlos in jedem Kirchturm eine Mobilfunkanlage aufgestellt wurde, so wie das noch in den 1990er-Jahren der Fall war.

Bernd Rainer Müller machte darauf aufmerksam, dass elektromagnetische Felder nicht nur durch Mobilfunkanlagen entstehen, sondern zum Beispiel auch durch schnurlose Telefone aufgebaut werden können. Der Fachmann aus Deutschland drückte die Befürchtung aus, dass die Zahl der Felder in Zukunft nicht ab-, sondern eher noch zunehmen wird.