Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Beispielloser Ermittlungsaufwand im Fall Tanja Gräff: Jahrelanges Kopfzerbrechen - und keine Hinweise
Lokales 2 Min. 12.05.2015 Aus unserem online-Archiv

Beispielloser Ermittlungsaufwand im Fall Tanja Gräff: Jahrelanges Kopfzerbrechen - und keine Hinweise

Im November 2007 durchsuchten Taucher den Boden des Stausees.

Beispielloser Ermittlungsaufwand im Fall Tanja Gräff: Jahrelanges Kopfzerbrechen - und keine Hinweise

Im November 2007 durchsuchten Taucher den Boden des Stausees.
Foto: Nico Muller
Lokales 2 Min. 12.05.2015 Aus unserem online-Archiv

Beispielloser Ermittlungsaufwand im Fall Tanja Gräff: Jahrelanges Kopfzerbrechen - und keine Hinweise

Seit acht Jahren herrscht Unklarheit, was der Studentin Tanja Gräff auf dem Sommerfest der Fachhochschule Trier zugestoßen ist. Dabei hatte sich die Polizei mit einem Großaufgebot in die Ermittlungen gestürzt. Eine Spur führte sogar nach Luxemburg.

(vb) – Seit acht Jahren herrscht Unklarheit, was der Studentin Tanja Gräff auf dem Sommerfest der Fachhochschule Trier zugestoßen ist. Dabei hatte sich die Polizei mit einem Großaufgebot in die Ermittlungen gestürzt. Eine Spur führte sogar nach Luxemburg.

Hier ein Überblick über den Verlauf der Ermittlungen:

7. Juni 2007: Die Studentin aus Korlingen bei Trier wird zuletzt gegen 4 Uhr früh auf dem Sommerfest gesehen. Nach Aussagen eines Freundes befand sie sich in Begleitung eines unbekannten Mannes, mit dem sie in Streit geraten sein soll. Rund eine Stunde später spielt sich ein weiterer Vorfall ab: Ein Helfer, der gerade einen Bauzaun abbaut, sieht eine sehr schlanke, junge Frau mit roten Haaren. Zu ihrem Begleiter habe sie angeblich gesagt: „Pack mich nicht an!“ und „Ich will nur noch heim.“

8. Juni 2007: Schon gleich am nächsten Tag richtet die Polizei eine Sonderkommission ein, um die vermisste Studentin zu finden. Dass sie aus eigenem Willen die Stadt verlassen hat, stuft die Polizei als unwahrscheinlich ein. Ihre Eltern beschreiben die junge Frau als äußerst zuverlässig.

9. Juni 2007: Ein Großaufgebot von 100 Polizisten und Feuerwehrleuten durchsucht den Weisshauswald, das Gelände rund um die Fachhochschule. 

August 2007: Ein Zeuge sagt aus, dass ein junger Mann - vermutlich der Täter - das Fest in einem blauen Peugeot mit gelben Nummernschildern mit quietschenden Reifen verlassen haben soll. Die Ermittlungen werden auf Luxemburg ausgedehnt, führen aber zu keinem Ergebnis.

27. September 2007: In der Fernsehsendung „Aktenzeichen xy ungelöst“ richtet sich die Polizei an mögliche Zeugen und stellt den Fall vor. Die Hoffnung, sachdienliche Hinweise zu erhalten, bestätigt sich nicht. 

November 2007: Drei Tage lang durchsuchen Taucher von Polizei und Zivilschutz den Obersauer-Stausee. Hinweise auf die Studentin werden zwar nicht gefunden, dafür die Leiche eines Mannes, der seit 1984 vermisst wird.

Juni 2008: In einem Interview mit dem „Luxemburger Wort“ sprechen die Eltern der Studentin über ihre Trauer. „Die Ungewissheit, was denn nun genau passiert ist, zerreißt einen“, sagt die Mutter Waltraud Gräff.

Bis Januar 2009 prüft ein Dutzend Polizisten der Ermittlungskommission jede noch so kleine Spur. In den anderthalb Jahren gehen 1400 Hinweise bei der Polizei ein. Trotzdem lautet die Bilanz der Ermittler: Immer noch keine heiße Spur. Die Ermittlungskommission wird aufgelöst.

Oktober 2010: Um frischen Wind in die Polizeiarbeit zu bringen, wird ein neues Ermittlerteam eingesetzt. Die drei Polizisten sollen die vorliegenden Hinweise mit frischen Augen sehen.

18. März 2011: Wieder sucht die Polizei das Gelände rund um die FH und besonders die rote Felswand nach Hinweisen auf die Studentin ab. Neben der Höhenrettungseinheit der Feuerwehr kommt dabei auch das Höheninterventionsteam der Polizei zum Einsatz. Die Polizei schickt auch Suchhunde durch das unwegsame Gelände. Nach einem halben Tag wird der Einsatz ohne Ergebnis abgebrochen.

30. März 2011: Noch einmal präsentiert „Aktenzeichen xy ungelöst“ den Fall. Wieder gehen keine zündenden Hinweise ein.

Februar 2015: Nach fast acht Jahren Ermittlungen ohne konkrete Ergebnisse kritisiert Mutter Waltraud Gräff die Arbeit der Polizei. Sie bekommt Unterstützung durch einen ehemaligen Mitarbeiter der Sonderkommission, Günter Deschunty. Er sagt, die Sonderkommission sei in ihrer Arbeit behindert worden, wichtige Spuren seien nicht weiter verfolgt worden. Staatsanwaltschaft und Polizeipräsidium weisen die Kritik zurück. "Alle Spuren, die wir hatten, sind abgearbeitet", heißt es von der Polizei.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema