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Beim Large Scale Testing wird nun auch gepikst
Lokales 4 Min. 18.05.2021

Beim Large Scale Testing wird nun auch gepikst

Für Dr. Thomas Dentzer vom Gesundheitsministerium sind die DBS-Tests das einfachste Mittel, um den Grad der Immunität der Bevölkerung zu bestimmen.

Beim Large Scale Testing wird nun auch gepikst

Für Dr. Thomas Dentzer vom Gesundheitsministerium sind die DBS-Tests das einfachste Mittel, um den Grad der Immunität der Bevölkerung zu bestimmen.
Foto: Christophe Olinger
Lokales 4 Min. 18.05.2021

Beim Large Scale Testing wird nun auch gepikst

Patrick JACQUEMOT
Patrick JACQUEMOT
Wie viele Menschen in Luxemburg weisen Antikörper gegen das Corona-Virus auf? Im Rahmen der großflächigen Testkampagne kommt nun eine neue Methode zum Einsatz.

Vor einem Jahr fiel der Startschuss für die großflächige Testkampagne in Luxemburg. Die Corona-Bedingungen haben sich seitdem verändert: Im Rahmen des Large Scale Testing geht es nicht mehr nur darum, positive und negative Tests auszuwerten. Stattdessen rückt der Grad der Immunität der Bevölkerung immer mehr in den Mittelpunkt: Wie viele Bewohner haben sich bereits mit dem Virus infiziert? Und wie viele Antikörper, die das Corona-Virus unschädlich machen können, konnten diese Personen aufbauen?

„Erst wenn wir den Umfang dieser Immunabwehr einschätzen können, können wir die letzten Hygienemaßnahmen aufheben“, sagt Dr. Thomas Dentzer. Bereits seit Monaten beobachtet der Koordinator im Gesundheitsministerium, dass sich der Weg bis zur viel beschworenen Herdenimmunität länger zieht als von manchen vielleicht angenommen. „Im Mai 2020 hatten zwei Prozent der Bevölkerung Kontakt mit dem Virus, im November waren es sechs Prozent, Mitte Januar 7,7 Prozent. Mittlerweile sind wir bei ungefähr 14 Prozent angekommen“, so der Experte.

Mit der fortschreitenden Impfkampagne - bislang wurden 270.000 Dosen an Impfstoff verabreicht - sollte dieser Prozentsatz jetzt schneller anwachsen. „Und diese Entwicklung werden wir nun mit unseren neuen DBS-Tests verfolgen.“ 

Es sind drei Buchstaben, die Hoffnung machen: DBS steht für „dry blood spot“, auf Deutsch getrocknete Blutstropfen. Die Blutstropfen werden auf Filterpapier getrocknet, 24 Stunden später hat man ein Ergebnis.  

Davor war diese Art von Covid-19-Antikörpertest nur mittels einer herkömmlichen Blutabnahme möglich. „Das war zeitaufwändig, man musste in ein Labor gehen und manche Leute hatten Bedenken wegen der Spritze“, sagt Thomas Dentzer und schmunzelt. „Jetzt, mit der DBS-Technik, ist es eine Sache von ein paar Minuten. Mit einem kleinen Stich in den Finger funktioniert der Test ähnlich wie eine Diabeteskontrolle.“ 

Auch wenn das DBS-Verfahren keine medizinische Neuheit ist, gibt es derzeit kein anderes Land als Luxemburg, das diese Analysen in Drive-in-Teststationen anbietet. Professor Bertrand Weber, Generaldirektor der Laboratoires Réunis, die mit der Durchführung des Large Scale Testing beauftragt wurden, ist stolz auf dieses neue Angebot. 

Einladung per Post

Für die bestehende Logistik bedeutet es aber Mehrarbeit: Von nun an müssen etwa 1.000 DBS-Tests pro Woche ausgewertet werden – zusätzlich zu den Tausenden von PCR-Proben, die weiterhin parallel einlaufen. „Wir mussten unsere Teams schulen, neue Geräte besorgen und uns an den Standorten organisieren, um diese neuen Termine hinzuzufügen, aber diese Phase ist auch sehr spannend“, bemerkt der Virologe.

Durch den serologischen Covid-Test lässt sich feststellen, wie die untersuchte Person auf das Virus oder auf den Impfstoff reagiert hat. Aus diesem Grund wählt die Santé jene Kandidaten, die per Post zum DBS-Screening eingeladen werden, mit großer Sorgfalt aus. „Wir berücksichtigen das Alter, den Wohnort und ob die Person geimpft wurde oder nicht. Wir achten aber auch darauf, dass nicht mehrere Personen eines Haushaltes zusammenkommen und es gibt weitere Kriterien, die unser Computersystem verwaltet“, erklärt Dr. Dentzer.

Die so gewonnen Erkenntnisse werden die nächsten Etappen im Krisenmanagement beeinflussen, sowohl auf sanitärer wie auch auch politischer Ebene. „Die DBS-Tests werden zum Beispiel auch in Pflegeheimen für ältere Menschen angeboten, deren Immunsystem bekanntlich von Natur aus schwächer ist. So können wir sehen, ob eine dritte Impfstoffdosis für diese (für das Virus anfällige, Anm.) Gruppe von Senioren empfohlen werden sollte“, sagt Thomas Dentzer. 

Ebenso könnten die beobachteten Werte die Aufhebung der Maskenpflicht sowie die Rücknahme von Maßnahmen wie der Ausgangssperre rechtfertigen, ohne dabei ein neuerliches Aufflammen der Neuinfektionen zu riskieren.

Die neuartigen Tests haben aber auch ihre Grenzen. So ist es zum Beispiel momentan noch nicht möglich, zu bestimmen, wie viele Antikörper notwendig sind, um einen wirksamen Schutz vor einer Corona-Infektion zu bieten. In diesem Stadium „ist die Zahl kein Faktor, den die Allgemeinheit heranziehen kann, um zu wissen, ob sie den richtigen internen Schutzschild entwickelt hat. Es ist eher eine Analyse, die für Forschungszwecke nützlich ist“, betonen die beiden Wissenschaftler.  

Nur durch das Sammeln von Daten können die Forscher Schlussfolgerungen ziehen. „Für Röteln zum Beispiel kennen wir diese Antikörperschwelle“, sagt Dr. Weber. Aber bis zu dieser Erkenntnis dauerte es seine Zeit. „Ich würde sagen, dass die Krise noch zu jung ist, um bereits Rückschlüsse auf eine bestimmte Menge an Antikörpern zu ziehen, die jeden einzelnen und die Gesellschaft gesundheitlich schützen könnten.“


Le Dr Thérèse Staub est le médecin chef de service du service des Maladies infectieuses. Luxembourg le 27/04/2021 photo ©Christophe Olinger
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 Die DBS-Tests könnten sich trotzdem als nützliches Element für das Großherzogtum erweisen. Das Land hat bei der Bekämpfung von Covid-19 auf eine hohe Testkapazität gesetzt. Mehr als 2,76 Millionen PCR-Tests wurden seit Beginn der Krise ausgewertet, was für einen Staat mit 626.000 Einwohnern eine beachtliche Leistung ist.

Ganz zu schweigen von den Millionen von Selbsttests, die mittlerweile im Alltag von Schulkindern, Restaurantkunden, Beamten, ehrenamtlichen Beschäftigten in Unternehmen sowie Konzertbesuchern angekommen sind.

Videos: Christophe Olinger
Übersetzung: Jörg Tschürtz

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