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Bauschuttdeponie Monnerich: Auch Radioaktivität ist relativ
Lokales 4 Min. 09.04.2015 Aus unserem online-Archiv

Bauschuttdeponie Monnerich: Auch Radioaktivität ist relativ

Im Abwasser in unmittelbarer Nähe der Bauschuttdeponie in Monnerich wurde eine leicht erhöhte Radioaktivität nachgewiesen.

Bauschuttdeponie Monnerich: Auch Radioaktivität ist relativ

Im Abwasser in unmittelbarer Nähe der Bauschuttdeponie in Monnerich wurde eine leicht erhöhte Radioaktivität nachgewiesen.
Lex Kleren
Lokales 4 Min. 09.04.2015 Aus unserem online-Archiv

Bauschuttdeponie Monnerich: Auch Radioaktivität ist relativ

Ein rezenter Bericht zur Belastung der Bauschuttdeponie Monnerich mit radioaktiven Spurenelementen sorgt seit vergangener Woche für Aufsehen. Doch was ist wirklich dran an der angeblichen Strahlengefahr?

Von Michel Thiel

Ein rezenter Bericht des Gutachterbüros „BioMonitor“ zur Belastung der Bauschuttdeponie Monnerich mit radioaktiven Spurenelementen sorgt seit Ende vergangener Woche für Aufsehen. In manchen Medienberichten ist von alarmierenden hohen Werten radioaktiver Substanzen in Boden und im Wasser des angrenzenden „Kiemelbaach“ die Rede, Lokalpolitiker und Umweltorganisationen fordern Aufklärung und so mancher vermutet gar einen Umweltskandal. Doch was ist wirklich dran an der angeblichen Strahlengefahr?

Eine wichtige Feststellung gleich zu Anfang: Die Ergebnisse des "BioMonitor"-Berichts sind dürftig und erlauben derzeit vor allem zwei Rückschlüsse: Ja, es wurde eine leicht erhöhte Strahlung festgestellt und nein, es besteht derzeit keine Gefahr für Mensch oder Umwelt.

Die Studie wurde ursprünglich nach dem Kantenbruch der Monnericher Bauschutt- und Schlackenhalde am 13. März 2014 in Auftrag gegeben. Der Grund für diese Vorsichtsmaßnahme war jener, dass bekannt war, dass in der Halde Mitte der 1990er Jahre rund 11.000 Kubikmeter Schlacken aus der Erzverhüttung abgelagert worden waren, die eine leicht erhöhte natürliche Radioaktivität aufweisen. Nach dem Erdrutsch war zudem festgestellt worden, dass das Regenwasser am Rand der Deponie erhöhte Mengen an gelösten Mineralien aufwies.

Weitere Analysen geplant

Die Studie von "BioMonitor" sollte klären, ob es auch zur Auswaschung radioaktiver Stoffe durch abfließendes Wasser gekommen war. Die Ergebnisse der Studie sorgten aufgrund der Berichterstattung in den Medien zunächst für Beunruhigung, bevor das Umweltministerium Entwarnung gab: Aufgrund der Resultate der Boden- und Wasseranalysen gebe es derzeit keinen Grund zur Beunruhigung, aber man behalte die Problematik im Auge und plane weitere Analysen, hieß es.

Doch was sagen die Fakten? Konkrete Aussagen über eine Gefährdung von Gesundheit oder Umwelt durch radioaktive Stoffe im Umfeld der Deponie enthält die Untersuchung definitiv keine, was die Urheber der Studie auch bereitwillig zugeben. Diese geben zudem zu, dass es sich um eine „bescheidene“ Analyse handele, in deren Rahmen gerade einmal vier Boden- und zwei Wasserproben ausgewertet wurden.

Gefunden wurde eine geringfügige „Anomalie“ im Wasser des „Kiemelbaach“, die auf ein radioaktives Blei-Isotop zurückzuführen sei. Allerdings stromaufwärts der Deponie, also ohne Zusammenhang mit dem dort eingelagerten Abraum. Als Ursache wird eine erhöhte Präsenz des natürlich vorkommenden radioaktiven Gases Radon 222 am Entnahmeort vermutet – diese zerfällt im Laufe der Zeit unter Bildung weiterer Isotope, darunter auch Blei 210. Ein durchaus normales und trotz natürlicher Schwankungen weitgehend gefahrloses Phänomen.

Ergebnisse nicht Besorgnis erregend

In Proben, die am Fuß der Halde entnommen wurden, wurde eine erhöhte Strahlung durch das radioaktive Isotop Kalium 40 gemessen, sowie eine geringfügige zusätzliche Belastung durch nicht näher identifizierte Strahlenquellen. Die Erklärung hierfür liegt relativ nahe: In einer Abraumhalde, die Bauschutt und Schlacke enthält, weichen die Proportionen an enthaltenen Mineralien zum Teil stark von jenen im natürlichen Erdreich ab, so dass auch die Mengen an radioaktiven und stabilen Isotopen jener Elemente variieren, die im Abraum enthalten sind.

Kalium 40 beispielsweise macht durchschnittlich 0,012 Prozent sämtlicher Kalium-Isotope aus, die in der Erdkruste enthalten sind. Die Urheber der Studie empfehlen im Übrigen Folgeuntersuchungen, um eventuell weitere, bisher nicht identifizierte radioaktive Elemente zu identifizieren. Die Relevanz dieser Empfehlung begründen sie mit der geringfügigen Überschreitung (1,14 anstatt 1,0 Becquerel pro Liter) des empfohlenen europäischen Referenzwerts für Trinkwasser – wohl wissend, dass diese Norm nicht direkt auf Oberflächengewässer übertragbar ist.

Die Schlussfolgerungen aus dieser Untersuchung dürfte demnach lauten: Die gemessene Mehrbelastung durch radioaktive Spurenelemente im Wassers des „Kiemelbaach“ und im Erdreich am Fuß der Deponie sind zwar messbar und leicht erhöht, aber noch lange nicht Besorgnis erregend. Jegliche Spekulationen über eine industrielle Herkunft der radioaktiven Belastung, die in vereinzelten Medienberichten kolportiert wurden, erweisen sich zudem als unhaltbar.

Kommentar: Panikmache statt Information

Die Studie über erhöhte Konzentrationen an radioaktiven Spurenelementen im Umfeld der Bauschuttdeponie in Monnerich sorgte in den vergangenen Tagen für viel Aufregung. Dabei sollte die Studie lediglich Klarheit schaffen und beruhigen. Aufgrund von Befürchtungen, dass leicht radioaktive Stoffe aus Schlacken, die seit den 1990er Jahren dort lagern, nach dem katastrophalen Erdrutsch im März 2014 ins Grundwasser geraten sein könnten. Eine reine Vorsichtsmaßnahme also, an der es nichts auszusetzen gibt. Nachdem die Studie jedoch vergangene Woche an die Presse gelangte, sorgte dies zunächst für viel mehr Aufregung, als dem Auftraggeber lieb war. Verständlicherweise, wie man meinen könnte, wird das Thema Radioaktivität doch zu Recht in der Öffentlichkeit mit Besorgnis aufgenommen, wenn auch unzureichend verstanden. Monnerich ist noch lange kein Fukushima und eine Reihe von Klarstellungen und Erklärungen wären angemessen gewesen. Eine derart komplexe und emotionsbeladene Thematik, die außerhalb ihres wissenschaftlichen Zusammenhangs diskutiert wird, ruft zwangsläufig Missverständnisse und Fehlinterpretationen hervor. Eine Tatsache, an der leider eine im Sinne der Öffentlichkeitsinformation wohlgemeinte, aber reißerische und oft auch von mangelnder Sachkenntnis gekennzeichnete Berichterstattung nicht viel ändert.

Michel Thiel


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