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Contournement von Hesperingen ohne Tunnel
Lokales 4 Min. 01.07.2021
Bauprojekt vorgestellt

Contournement von Hesperingen ohne Tunnel

Das Verkehrszentrum von Hesperingen soll entlastet werden.
Bauprojekt vorgestellt

Contournement von Hesperingen ohne Tunnel

Das Verkehrszentrum von Hesperingen soll entlastet werden.
Foto: Chris Karaba
Lokales 4 Min. 01.07.2021
Bauprojekt vorgestellt

Contournement von Hesperingen ohne Tunnel

David THINNES
David THINNES
Am Donnerstagabend stellte Minister François Bausch das Projekt vor. Die Umgehungsstraße wird zwischen 75 und 102 Millionen Euro kosten.

Die Umgehungsstraße von Hesperingen geht in die nächste Phase: Am Donnerstagabend stellte Mobilitätsminister François Bausch (Déi Gréng) das Projekt mit den unterschiedlichen Varianten, den Umwelteinflüssen und den Kosten im Hesperinger Mehrzweckzentrum CELO vor.

Ziel ist es, das Zentrum von Hesperingen verkehrstechnisch zu entlasten und für eine bessere Luftqualität zu sorgen. „Die Luftqualität in Hesperingen ist die schlechteste im ganzen Land. In einer Studie des Umweltministeriums hat sich herausgestellt, dass eine Umgehungsstraße die einzige Lösung ist, um diesen Zustand zu verbessern“, hatte Hesperingens Bürgermeister Marc Lies (CVS) Anfang Februar im LW gesagt.

François Bausch erwähnte dies auch am Donnerstagabend: „Der Contournement ist absolut notwendig. Die Einwohner müssen wieder eine bessere Lebensqualität zurückbekommen. Der Contournement alleine löst nicht alle Probleme, genau so wenig wie die Tram, der Zug oder das Fahrrad Probleme alleine löst. Es ist das Zusammenspiel.

22.400 Autos pro Tag verkehren dort. Außerdem wird die Gemeinde Hesperingen in den kommenden Jahren noch wachsen: Laut einer Projektion werden 2030 22.000 Menschen auf diesem Gebiet wohnen. Aktuell wohnen 15.657 Personen in der Hesperinger Gemeinde.


Reportage Schülertransport - Schülerin Mara Schmit, Stau, Bus, Traffik, BTB, Öffentlicher Transport, Foto: Lex Kleren/Luxemburger Wort
Bei der Luftverschmutzung bleibt noch Luft nach oben
Die Umweltverwaltung stellt einen Plan zur Verbesserung der Luftqualität in Luxemburg vor.

Sechs Varianten gab es vor einigen Monaten noch für den Contournement: von einer Nullvariante ohne bauliche Maßnahmen über vier überirdische Optionen bis hin zu einer Tunnel-Variante. 

Die Tunnel-Variante, die 2019 ins Spiel kam, ist technisch nicht möglich. „Um alle Dörfer miteinander zu verbinden, muss ein Anschluss vom CR 159 zur Umgehungsstraße bestehen. Somit ist die Tunnelvariante in diesem Konzept nicht möglich“, so hieß es am Donnerstagabend in Hesperingen.

Die vier oberirdischen Varianten haben eine Länge zwischen 5.780 und 6.375 Meter.

Natura2000-Zone

Ausgangspunkt ist immer hinter dem Ortsausgang von Alzingen. Die N 3 erhält dort Auf- und Abfahrten, die entweder Richtung Hesperingen, Alzingen oder Umgehung führen. Hier wird eine Unterführung in Verbindung mit einem Kreisverkehr dafür sorgen, dass der Zugang zur Umgehungsstraße so einfach wie möglich bleibt.

Der Knackpunkt könnte dann im Réiserbann folgen. Hier liegt eine Natura2000-Zone mit einem Vogelschutzgebiet. Vor allem die Nord- und Südvarianten hätten „einen signifikanten Einfluss auf die Erhaltung dieser Zone“, wie es in der Präsentation heißt, vor allem für die dort lebenden Vogelarten wie zum Beispiel den Rotmilan, den Kiebitz oder die Schafstelze. Hier müssen Studien für mögliche Kompensationsmaßnahmen durchgeführt und die nötigen Genehmigungen – auch auf EU-Ebene – eingeholt werden.

Abhängig von der Variante könnten geschützte Biotope in einer Größe zwischen sechs und 9,3 Hektar und etwa 60 Bäume zerstört oder angegriffen werden.

Eine Kompensationsmaßnahme könnte unter anderem die Renaturierung der Alzette sein.

Die vier Varianten auf einen Blick
Die vier Varianten auf einen Blick
Foto: Mobilitätsministerium

Im Bericht sind weitere interessante Zahlen zu finden. Abhängig von der Variante werden zwischen 14,5 und 18,7 Hektar landwirtschaftliche Flächen verschwinden. Bei den Wäldern wären es zwischen 2,8 und 6 Hektar. 

Auch die Kosten werden in der Präsentation angesprochen: der Preis liegt zwischen 75 und 102 Millionen Euro reine Baukosten. Nicht eingerechnet sind die Kosten für etwaige Studien oder für die Kompensationsmaßnahmen.

Puzzleteil

Nächster Schritt ist nun die öffentliche, einmonatige Konsultationsphase, die im Herbst stattfinden soll. François Bausch hat am Donnerstagabend versprochen, dass im Oktober eine weitere Informationsversammlung für die Einwohner stattfindet. Die definitive Entscheidung trifft dann der Regierungsrat. Das Finanzierungsgesetz soll noch in dieser Legislaturperiode im Parlament zur Abstimmung kommen. So wünscht es sich auf jeden Fall Mobilitätsminister François Bausch. 2030 sollen die Arbeiten dann abgeschlossen sein.

Beim Ortsausgang Alzingen folgt die Verbindung Richtung Réiserbann.
Beim Ortsausgang Alzingen folgt die Verbindung Richtung Réiserbann.
Illustration: Mobilitätsministerium

Dieses Projekt ist nur ein Puzzleteil der urbanistischen Entwicklung in diesem Bereich. Dazu gehört zum Beispiel auch der Neubau der Nationalstraße N3, die die aktuelle N3 - die Route de Thionville - als Hauptverkehrsader ersetzen soll. Die neue N3 wird vom Pont Buchler im Bahnhofsviertel umgeleitet und führt dann über Bonneweg nach Howald in die Rue des Scillas. Die Tram wird über die neue N 3 verkehren.


Lok , Hesperingen , Dreimonatige Baustelle unter Brücke , Fahrradwag gesperrt , Foto.Guy Jallay/Luxemburger Wort
Mit einer Mauer gegen den Schlamm aus der Alzette
In Hesperingen ist der Fahrradweg unter der Brücke bis Ende Juli geschlossen. Grund sind Arbeiten wegen der häufigen Überschwemmungen.

Die Rue des Scillas wird sich in den kommenden Jahren ebenfalls stark verändern. Einen direkten Bezug zum Contournement hat vor allem eine Änderung: Der Kreisverkehr beim Shoppingzentrum Cactus wird durch eine normale Kreuzung ersetzt.

Auch in Hesperingen selbst sind bereits seit einiger Zeit Planungen im Laufen: So wird der Bereich um die Place Jomé neu gestaltet und wird Wohnungen und Gewerbeflächen anbieten. Von der Place Jomé aus startet auch die Erweiterung des nationalen Radweges PC 1 nach Contern in die ZAC Weiergewann.

In einer Arbeitsgruppe mit Vertretern aus der Gemeinde Hesperingen, dem Mobilitätsministerium und der Straßenbauverwaltung, um über die Verkehrsberuhigungen zu diskutieren, wurde zurückbehalten, dass im Zentrum ein Shared-Space-Bereich installiert wird. Dazu würde auf der Kreuzung bei der Kirche eine sogenannte Punktsperrung durch einen Poller kommen, der den Verkehr um ein Viertel verringern würde.

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