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Bauchweh wegen Joghurtfabrik
Der Gemeinderat Bettemburg ist besorgt um den Wasserverbrauch der geplanten Joghurtfabrik.

Bauchweh wegen Joghurtfabrik

Foto: Nicolas Anen
Der Gemeinderat Bettemburg ist besorgt um den Wasserverbrauch der geplanten Joghurtfabrik.
Lokales 2 Min. 30.03.2018

Bauchweh wegen Joghurtfabrik

Die Pläne, eine Joghurtfabrik in der Industriezone Wolser zu errichten, sorgt in Bettemburg für Bauchweh. So fordert der Gemeinderat die Regierung auf, diese Niederlassungspläne zu überdenken. Dies allerdings ohne die Stimmen der LSAP.

Von „Bauchweh“, spricht Rat Jeff Gross (CSV) in Bezug auf das Vorhaben, eine Joghurtfabrik in der Industriezone Wolser 1 zu errichten. Dabei sollte der Bettemburger Gemeinderat am Freitag eigentlich nur darüber befinden, ob der Teilbebauungsplan (PAP), der eine Niederlassung der Joghurtfirma Fage und des Logistikunternehmens Arthur Welter in der Industriezone Wolser 1 vorsieht, mit den Bestimmungen des allgemeinen Bebauungsplan übereinstimmen.

Die Antwort lautete Ja, eine Implantierung dieser Firmen an besagtem Standort wäre konform. „Das bedeutet aber nicht, dass wir die Joghurtfabrik wollen“, betonte Schöffin Josée Lorsché (Déi Gréng) bereits vor Beginn der Sitzung.

Die Joghurtfabrik ist in der Industriezone Wolser 1 geplant, in der Nähe der Betriebe Guardian Luxgard (l.) und ArcelorMittal Düdelingen (r.).
Die Joghurtfabrik ist in der Industriezone Wolser 1 geplant, in der Nähe der Betriebe Guardian Luxgard (l.) und ArcelorMittal Düdelingen (r.).
Foto: Nicolas Anen

Sorgen um Wasserverbrauch

Deshalb hat der Schöffenrat den Räten eine Resolution vorgelegt, die das Wirtschaftsministerium dazu auffordern soll, das Projekt zu „überdenken“. „Der Wasserverbrauch bereitet uns Sorgen“, so Bürgermeister Laurent Zeimet (CSV).

Die Joghurtfirma könne, bei maximaler Auslastung, zwischen 2 500 und 3 500 Kubikmeter Wasser pro Tag verbrauchen. „Das entspricht den Bedürfnissen einer 20 000-Einwohner-Stadt“, argumentierte Zeimet. „Wir haben keine Garantie, dass diese Wasserversorgung überhaupt gegeben werden kann“, fügte dem Jeff Gross hinzu.

Die Befürchtung wurde geäußert, dass der Bürger für diese Wasserversorgung mitzahlen müsse, da die europäische Gesetzgebung das Kostendeckungsprinzip beim Wasserverbrauch vorschreibt.

Was im Falle einer Panne?

Schöffe Gusty Graas (DP), unterstrich, dass ein Rückhaltebecken vorgesehen werden müsse. Damit im Falle einer Panne in der Betriebskläranlage, das ungeklärte Wasser aufgefangen werden könne. Ansonsten riskiere es in die Alzette zu fließen und diese stark zu verschmutzen.

Lieber lokale Betriebe

Laurent Zeimet wies auch darauf hin, dass mit einer Zunahme des Verkehrs von 15 Prozent zu rechnen sei. „Wir verschließen uns nicht der wirtschaftlichen Entwicklung“, betonte er. Davon zeugen die vielen Betriebe im Raum zwischen Bettemburg und Düdelingen. Allerdings würden die Gemeindeverantwortlichen es lieber sehen, wenn lokale Firmen sich dort entfalten könnten.

Sorgen tut sich der Bettemburger Gemeinderat auch um die Qualität des  Wassers, das aus der Kläranlage des Betriebes in Richtung Alzette fließen soll.
Sorgen tut sich der Bettemburger Gemeinderat auch um die Qualität des Wassers, das aus der Kläranlage des Betriebes in Richtung Alzette fließen soll.
Foto: Nicolas Anen

LSAP: 200 Arbeitsplätze

Damit zeigte sich die LSAP aber nicht zufrieden. Sie forderte kein „überdenken“ der Pläne, sondern lediglich deren Verbesserung. So unterstrich Marco Estanqueiro (LSAP) die positiven Aspekte der Joghurtfabrik.

Diese plane mit ihren eigenen Abfällen, Biogas herzustellen. Dieser soll 70 Prozent der benötigten Energie liefern. Auch würden 200 Arbeitsplätze für wenig qualifiziertes Personal geschaffen. Letzteres mache in Luxemburg 40 Prozent der Arbeitslosen aus, erklärte er.

Weiter sah er im Unternehmen eine Chance für die luxemburgischen Milchbauern. Zuvor hatte Laurent Zeimet erklärt, dass die Fabrik anstrebe, eine Kapazität von jährlich 40 000 Tonnen Joghurt zu produzieren. Dafür benötige sie 180 000 Tonnen Milch. Dies entspreche der Hälfte der Produktion in Luxemburg.

Joanne Kommes (Déi Gréng) ließ diese Argumente aber nicht gelten. „Dies ist nicht die Art von Unternehmen, die wir uns für die Zukunft vorstellen.“

LSAP stimmt gegen Resolution

Schließlich wurde die Resolution, die ein „Überdenken“ der Pläne fordert, von der CSV-Déi-Gréng-DP-Koalition und der ADR gestimmt. Die LSAP stimmte dagegen.

Allerdings formulierte der Gemeinderat auch bereits Forderungen für den Fall, dass die Regierung die Niederlassung trotzdem erlauben würde. Wie eine Studie, um den Wasserverbrauch zu reduzieren oder die Möglichkeit luxemburgische Milchproduzenten einzubinden.


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