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Barockes Ambiente
Lokales 3 Min. 03.08.2018 Aus unserem online-Archiv

Barockes Ambiente

Gerne verbringt der 27-jährige Musikstudent Zeit mit seinem Instrument.

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Gerne verbringt der 27-jährige Musikstudent Zeit mit seinem Instrument.
Foto: Pierre Matgé
Lokales 3 Min. 03.08.2018 Aus unserem online-Archiv

Barockes Ambiente

Organist! – Welch ein Beruf. Welch eine Berufung. Sie sind selten geworden, die jungen Menschen, die sich für die Königin der Instrumente interessieren. Für Francis Lucas aber ist sie besonders wertvoll. Er studiert Orgel nun bereits im siebten Jahr.

(AH) - Die Orgel gilt als eines der ältesten Kulturgüter Europas. Ein Kulturgut, dem Francis Lucas eine große Wertschätzung entgegenbringt. Seine Begeisterung für den Orgelklang und das Orgelspiel wurde ihm gewissermaßen in die Wiege gelegt. In Koerich, wo er aufgewachsen ist, durfte er als kleines Kind seinem Opa beim Orgelspiel in der Kirche zuschauen und sich später auch selber dran beteiligen. Eine Leidenschaft, der er von Kind auf treu geblieben ist und die er – wie er selber beschreibt: „in Zukunft auch unter den Menschen verbreiten will.“

Immer noch ist der 27-jährige Musikstudent stark mit seinem Heimatdorf Koerich verwurzelt. Wenn er nicht gerade an der Zürcher Hochschule der Künste oder an der Universität Göteborg (Schweden) unterwegs ist, kommt er gerne in den Westen des Landes zurück. In den vergangenen Monaten war er vor allem mit einem Projekt ganz besonderer Art beschäftigt.

Das eigens angefertigte Tasteninstrument von Francis Lucas sieht fast wie das Original von Johann David Gerstenberg aus.
Das eigens angefertigte Tasteninstrument von Francis Lucas sieht fast wie das Original von Johann David Gerstenberg aus.
Foto: Pierre Matgé

Ein Instrument verstehen können

„Ich habe ein Pedalclavichord nachgebaut. Es handelt sich dabei um ein klassisches Übungsinstrument für Organisten, das vor allem zu Barockzeiten im Einsatz war. Johann Sebastian Bach, der als einer der bedeutendsten Orgelkomponisten gilt, war ein großer Befürworter dieses Tasteninstruments. Nach 1800 verschwand es nach und nach und wurde durch das Klavier ersetzt. Heute gibt es nur noch sehr wenige Hersteller und die guten Exemplare sind zudem sehr teuer“, sagt der Freund der Orgelmusik.


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Es waren aber nicht die Kosten, die ihn dazu bewegten, ein solches Instrument selber zu bauen. „Es war die Neugier und der Wille, das Instrument komplett verstehen zu können. Indem man es selber baut, erkennt man die Zusammenhänge“, erklärt Francis Lucas. Die detaillierte Vorlage für den Zusammenbau erhielt er von seinem Professor, Joel Speerstra, der ihn an der Universität Göteborg unterrichtete. Regelmäßig schaltete dieser sich via Skype zu, um dem Studenten Anleitungen zu geben. Stundenlang hat er während knapp sechs Monaten an der Fertigstellung seines einmanualigen Pedalclavichords (mit angehängtem Pedal) gefeilt.

Er fing im Keller seines Elternhauses mit dem Bau an. Schnell musste er aber feststellen, dass die Feuchtigkeit im Keller dem Holz schadete. Er setzte seine Arbeit also auf dem Dachboden fort. Eine Arbeit, die mit viel Freude aber auch viel Aufwand verbunden war. Bei einem Schreiner bestellte er unterschiedliche Holzsorten: Kiefernholz für den Außenmantel, Lindenholz für die Tastatur, Kirschenholz und auch Klangholz aus Nordtiroler Haselfichten. Letzteres hat er aus Tirol importieren lassen.

Die Anfertigung dauerte knapp sechs Monate.
Die Anfertigung dauerte knapp sechs Monate.
Foto: Pierre Matgé

Francis Lucas ist der jüngste von vier Brüdern und auch der einzige, der dem Lernen und Ausüben von Musik treu geblieben ist. Früher haben die Brüder alle vier in der Kirche bei ihrem Opa gesessen und mitgespielt. Dieser ist inzwischen 89 Jahre alt und immer noch mit Leib und Seele am Orgelspiel betätigt. „Mit Sicherheit war und ist er eine Inspiration für mich. Aber ich fühlte mich schon immer zur Musik hingezogen. Ich besuchte die Sektion F im Athenäum. Nach dem Abitur interessierte ich mich zuerst für ein Studium im Bereich Natur und Umwelt, entschied mich dann aber für das Kombi-Studium Musiktheorie und Orgel an der Hochschule in Zürich“, so der Organist.

Inzwischen absolviert er sein zweites Masterstudium, dieses in Orgelpädagogik. Das erste Jahr dieses zweijährigen Studiums besuchte er im Rahmen des Erasmus-Programms die Uni in Göteborg. Im Januar 2019 wird er sein zweites Masterstudium abgeschlossen haben. Das erste absolvierte er in Zürich.

Zukunftspläne

Im Dezember vergangenen Jahres hat die Unesco die Tradition der Bau- und Musikkunst der Königin der Instrumente in ihre Liste des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen. Für viele ist es ein Gesamtkunstwerk aus Architektur, Technik und Klang. Genau diese Komponente ist auch für den Luxemburger Organisten aus Koerich von großer Bedeutung.

„Ich habe keine konkreten Zukunftspläne, aber mein Anliegen ist es sicherlich, die Orgelmusik sowie die Instrumente, die ich beherrsche (Pedalclavichord und auch Harmonium), unter die Leute zu bringen und ihnen zu zeigen, dass es neben dem Klavier noch andere Tasteninstrumente gibt. Ich denke dabei an sogenannte Lecture-Recitals, verbunden mit Workshops, sei es für Schulklassen, Musikschüler oder allgemein Interessierte“, so der Student.

Der Organist hat einen Hang zur klassischen Musik.
Der Organist hat einen Hang zur klassischen Musik.
Foto: Pierre Matgé



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