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„Bärbelendag“ steht vor der Tür
Lokales 3 Min. 29.11.2015 Aus unserem online-Archiv
Sankt Barbara am 4. Dezember

„Bärbelendag“ steht vor der Tür

Die Barbarafeier wird vielerorts noch am Leben gehalten, so wie hier in Rümelingen.
Sankt Barbara am 4. Dezember

„Bärbelendag“ steht vor der Tür

Die Barbarafeier wird vielerorts noch am Leben gehalten, so wie hier in Rümelingen.
Foto: Guy Jallay
Lokales 3 Min. 29.11.2015 Aus unserem online-Archiv
Sankt Barbara am 4. Dezember

„Bärbelendag“ steht vor der Tür

Am 4. Dezember werden sie in vielen Minettgemeinden zu hören sein, die Böllerschüsse. Die Barbarafeier wird auch 34 Jahre nach Schließung der letzten Grube am Leben gehalten.

Am 27. November 1981 setzte die Schließung des Differdinger „Thillenbierg“ der Eisenerzausbeutung in Luxemburg definitiv ein Ende. Doch der Sankt-Barbara-Feier konnte dies nichts antun. Heute noch wird der „Bärbelendag“ um den 4. Dezember in zahlreichen Südgemeinden gefeiert.

Eine Legende aus dem 4. Jahrhundert

Die Barbarastatue im Hauptstollen der Walertmine in Rümelingen.
Die Barbarastatue im Hauptstollen der Walertmine in Rümelingen.
Foto: Lucien Wolff

Laut der Legende lebte Barbara im vierten Jahrhundert nach Christus. In einem fensterlosen Turm eingeschlossen, sollte das junge Mädchen entweder dem christlichen Glauben abschwören oder sterben.

Weil sie von ihrem Glauben nicht abließ, wurde sie von ihrem eigenen Vater enthauptet. Deshalb wird die Märtyrerin oft symbolisch mit Turm und Schwert dargestellt.

Jede Mine hatte seine Barbarastatue

Für die Grubenarbeiter, die ebenfalls den ganzen Tag über in den Eingeweiden der Erde verbrachten, wurde die Verehrung der heiligen Barbara, die sie vor den Gefahren des Bergbaus schützen sollte, zum regelrechten Kult. In jeder Grube gab es eine Barbarastatue. Sowohl gläubige als auch nicht-gläubige Bergarbeiter nahmen beim Vorbeigehen die Mütze ab oder zündeten zum Festtag eine Kerze an.

Böllerschüsse von Düdelingen bis Rodange

Am Sankt-Barbara-Tag fuhr man nicht in die Grube ein, auch wenn anfangs dieser Arbeitstag nicht bezahlt wurde. Bis in die 70er-Jahre donnerten bereits morgens früh in den Südgemeinden Böllerschüsse.

Von Düdelingen bis Rodange wollte es der Brauch, dass sich die Bergarbeiter im Sonntagsanzug versammelten und die Barbarastatue auf den Schultern zur Kirche trugen, wo ihr während des Festgottesdienstes ein Ehrenplatz am Altar zukam.

„Biergleit fréi op, ruffen Gléck op“

Die Entente der Cockerill Mine hält ebenfalls an der Tradition fest.
Die Entente der Cockerill Mine hält ebenfalls an der Tradition fest.
Foto: Lucien Wolff

In den Grundschulen gaben die Böllerschüsse den Auftakt zur Gesangstunde mit dem von Generation zu Generation überlieferten Lied „Biergleit fréi op, ruffen Gléck op“. Die Schüler des damaligen „Obergrades“ durften sich den Festzug am Straßenrand ansehen und mit ihren Lehrpersonen an der Messe teilnehmen. Danach feierten die Bergarbeiter ihre Schutzheilige in den zahlreichen Gastwirtschaften auf ihre Weise mit Speise und Trank.

Im Laufe der Jahre änderte sich der Ablauf der Sankt-Barbara-Festlichkeiten, ohne dass es ihnen aber an der ursprünglichen Inbrunst mangelte. Anfangs übernahmen die Grubenarbeiter selbst die Ausrichtung ihres Ehrentags. Nach und nach zeichneten Gemeindeverwaltungen, Verschönerungs- oder Unterstützungsvereine, frühere Grubenarbeiter, Feuerwehrleute, Pfadfinder und sogar Gewerkschaften für die Feierlichkeiten verantwortlich.

Eine Messe in der Mine

2012 wurde die Messe in der Mine von Erzbischof Jean-Claude Hollerich zelebriert.
2012 wurde die Messe in der Mine von Erzbischof Jean-Claude Hollerich zelebriert.
Foto: Guy Jallay

1990 erlebte der 4. Dezember in der Grubenhochburg Rümelingen einen neuen Aufschwung. Seit nun schon 25 Jahren findet in der Stadt am roten Felsen der religiöse Teil des Barbaratags im Hauptstollen der Walert-Grube statt. Dort wurde eigens zum Festgottesdienst ein aus rotem Erzgestein geschaffener Altar errichtet. Dieses Jahr wird Pater Théo Klein dem Gottesdienst vorstehen.

Auch wenn die Menschen, die selber noch in Erzgruben gearbeitet haben, Jahr für Jahr weniger werden, konnte sich die Tradition bisweilen stets behaupten.

So prophezeite bereits 1995 der damalige Differdinger Bürgermeisters und heutige Bildungsministers Claude Meisch, dass die Verehrung der heiligen Barbara noch lange nach dem Tod des letzten Grubenarbeiters weiterleben werde.

Umfangreiche Barbarafeier in Rümelingen

Im Rahmen der Barbarafeier hat das nationale Grubenmuseum ein größeres Programm erstellt.

Am 28. und 29. November finden jeweils um 14 Uhr und 16.30 Uhr einstündige Besichtigungen der Grubenstollen mit Karbidlampen statt. Die Teilnehmerzahl der Führungen ist auf 20 Personen begrenzt.

Am 4. Dezember erfolgt auf dem Walert-Gelände die von der Stadtverwaltung organisierte Barbarafeier mit Gedenkzeremonie, Gottesdienst und Empfang.

Am 6. Dezember veranstaltet die CFL einen außergewöhnlichen Ausflug mit dem Dampfzug nach Rümelingen. Auf dem Programm steht die Fahrt Luxemburg-Bettemburg-Rümelingen mit der Dampflokomotive 5519, die Besichtigungen der Walert-Grube, und der Empfang von Sankt Nikolaus im Bahnhof Rümelingen vor.