Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Badeunglück in Remerschen: Notruf ging eine Stunde zu spät ein
Am Tag des Unglücks besuchten mehr als 3000 Menschen den Baggerweiher. Keiner von ihnen griff zum Handy und rief die Rettungsdienste an.

Badeunglück in Remerschen: Notruf ging eine Stunde zu spät ein

Foto: Chris Karaba
Am Tag des Unglücks besuchten mehr als 3000 Menschen den Baggerweiher. Keiner von ihnen griff zum Handy und rief die Rettungsdienste an.
Lokales 2 Min. 22.08.2018

Badeunglück in Remerschen: Notruf ging eine Stunde zu spät ein

Volker BINGENHEIMER
Volker BINGENHEIMER
Das Badepersonal des Weihers habe viel zu spät auf Alarm reagiert, sagen Bekannte jenes 27-jährigen Portugiesen, der am 30. Juni in Remerschen ertrank. Die Gemeinde Schengen will diese Version so nicht stehen lassen.

Sechs Wochen nach dem ersten tödlichen Badeunfall am Baggerweiher wirft der Fall des ertrunkenen Rappers Puto G noch viele offene Fragen auf.

Für Zündstoff sorgen die Aussagen einer Bekannten des Künstlers mit kapverdischen Wurzeln. In der Wochenzeitung „Contacto“ beschuldigt sie das Personal des Baggerweihers, viel zu spät reagiert und alarmierende Meldungen der Freunde heruntergespielt zu haben.

An einem heißen Samstag Ende Juni war der 27-jährige José Carlos Cardoso mit einer Gruppe von etwa zehn Freunden gegen 15.30 Uhr an einer kleinen Bucht des Weihers angekommen. Die Bekannte sah ihn laut dem Zeitungsartikel um 15.39 Uhr ins Wasser gehen. Danach sei er nicht wieder aufgetaucht.

Laut Angaben des Corps grand-ducal d'incendie et de secours (CGDIS) traf der Notruf erst eine Stunde später, nämlich um 16.36 Uhr, ein. „Der Anrufer berichtete zuerst nur von einem Vermissten. Erst um 16.39 Uhr war von einem Badeunfall die Rede“, sagt ein Sprecher des CGDIS. Feuerwehr und Rettungstaucher trafen laut Zeugenaussagen gegen 17 Uhr am Baggerweiher ein. Um 18.50 Uhr fanden sie die Leiche des jungen Mannes am Grund des Weihers.

Durchsage per Lautsprecher

Die Bekannte des Mannes sagt nun im „Contacto“, sie sei nach einigem Hin und Her zur Rezeption gegangen und habe gemeldet, dass ihr Freund untergegangen sei. Dort hätte das Personal zuerst abgewiegelt und den Vermissten per Lautsprecher ausgerufen. Eine Angestellte habe sie sogar gefragt, ob ihr Freund nicht Cannabis geraucht hätte und gerade ein Schläfchen mache. Erst nach längeren Diskussionen habe das Personal die Rettungsdienste angerufen.


Suchaktion in Remerschen: Person vermisst - Photo : Pierre Matgé
Les employés du lac où Puto G s’est noyé ont pris près d’une heure avant d’appeler le 112
Le rappeur portugais Puto G venait à peine d’arriver au lac de Remerschen qu’il allait bientôt s’y noyer. Il était 15h40 quand Inês Varela, une de ses amies, l’a vu plonger puis disparaître sous ses yeux. Les camarades de la victime ont sollicité l’aide des employés du lac avec insistance, mais ces derniers n’ont composé le 112 que près d’une heure après la noyade du jeune Portugais de 27 ans, qui résidait à Athus et travaillait au Luxembourg. Retour sur les circonstances d’un drame sur base de témoignages inédits. Un reportage que la rédaction de CONTACTO a décidé de publier aussi en version française, afin de faire la lumière sur cette histoire.

Der Schengener Schöffe Tom Weber war unmittelbar nach dem Alarm selbst am Unfallort. Er stellt den Hergang anders dar. „Es ist richtig, dass der Mann eine Stunde lang vermisst wurde. Aber während dieser Zeit war keine Rede davon, dass er ertrunken sei“, sagt Weber gegenüber dem LW.

Als Puto G sich nicht auf die Lautsprecher-Durchsage meldete, hätten die Mitarbeiter unverzüglich die Rettungszentrale verständigt. Schöffe Tom Weber unterstreicht allerdings: „Keiner von den Freunden hat klar und deutlich gesagt, dass er untergegangen ist.“

Verwirrende Aussagen

Vielmehr hätten die Freunde ganz unterschiedliche Aussagen gemacht. Die einen wollten ihn zuletzt am Kiosk gesehen haben, die anderen an der Spiellandschaft. Bei einer klaren Information hätte das Personal die Rettungsdienste viel früher verständigt, ist sich der Schöffe sicher. „Unsere Leute reagieren auf solche Sachen sofort.“

Wenig wahrscheinlich findet Weber es zudem, dass José Carlos Cardoso oder der zweite Tote – am 29. Juli ertrank ein 53-jähriger Bulgare – sich in Wasserpflanzen verfangen hätten. Zwar würde die sogenannte Wasserpest auch am Baggerweiher wachsen, meint Weber, aber: „Wir haben ein Mähboot und schneiden die Pflanzen täglich bis zur Tiefe von zwei Metern.“

Beim CGDIS hat der Zeitungsartikel über den tödlichen Badeunfall ebenfalls für Diskussionen gesorgt. Dort kann man nicht verstehen, wieso kein Badegast – weder die Freunde des Ertrunkenen noch Außenstehende – den Notruf gewählt hat. „Nicht nur das Personal, sondern jeder kann sich bei den Rettungsdiensten melden“, sagt CGDIS-Sprecher Cédric Gantzer. „Wir können erst kommen, wenn wir gerufen werden.“


Lesen Sie mehr zu diesem Thema