Wählen Sie Ihre Nachrichten​

"Autofastler" schalten bis Ostern einen Gang zurück
Lokales 3 Min. 06.03.2019

"Autofastler" schalten bis Ostern einen Gang zurück

Wer das Auto zur Abwechslung mal stehen lässt und stattdessen auf die öffentlichen Verkehrsmittel zurückgreift, wird zweifelsfrei Neues entdecken.

"Autofastler" schalten bis Ostern einen Gang zurück

Wer das Auto zur Abwechslung mal stehen lässt und stattdessen auf die öffentlichen Verkehrsmittel zurückgreift, wird zweifelsfrei Neues entdecken.
Foto: Gerry Huberty/Luxemburger Wort
Lokales 3 Min. 06.03.2019

"Autofastler" schalten bis Ostern einen Gang zurück

Diane LECORSAIS
Diane LECORSAIS
Zwar macht Luxemburg in puncto öffentlicher Transport Fortschritte, trotzdem ist das Auto weiterhin für die meisten Bürger das Fortbewegungsmittel Nummer 1. Dabei können alternative Mobilitätsformen durchaus bereichernd sein. Das soll auch die Aktion Autofasten zeigen.

Der erste Weg des Tages – für die meisten Bewohner Luxemburgs führt er zunächst einmal in die Garage. 73 Prozent der Arbeitswege werden hierzulande mit dem Auto zurückgelegt, das ergab die groß angelegte Luxmobil-Studie, für die das zuständige Ministerium 2017 Tausende Einwohner und Grenzgänger zu ihren Mobilitätsgewohnheiten befragte. Auch bei privaten Erledigungen und Freizeitaktivitäten ist der Wagen die unangefochtene Nummer 1 (74 beziehungsweise 68 Prozent), von den professionellen Bewegungen werden sogar 90 Prozent mit dem Fahrzeug zurückgelegt. Ja, selbst beim Schulweg liegt das Auto noch vor den öffentlichen Transportmitteln und macht mit 39 Prozent der Bewegungen das Rennen.

Doch wie wäre es, der Umwelt etwas Gutes zu tun und das Auto zur Abwechslung mal stehen zu lassen – und stattdessen in Bus und Bahn zu steigen, zu Fuß zu gehen, Fahrrad zu fahren? Genau dazu ruft die Aktion Autofasten auf. Ziel ist es, während der Fastenzeit, die am heutigen Aschermittwoch beginnt, so oft es geht auf den eigenen Wagen zu verzichten und auf Alternativen zu setzen. „Es ist eine gute Gelegenheit, um es einfach mal auszuprobieren“, findet Laure Simon, Koordinatorin der Aktion Autofasten in Luxemburg.

Überzeugte „Autofastler“: Laure Simon, Koordinatorin der Aktion bei der ErwuesseBildung, und Eric Risch,
Generalsekretär der Shoura, empfinden die öffentlichen Verkehrsmittel als Zeitgewinn.
Überzeugte „Autofastler“: Laure Simon, Koordinatorin der Aktion bei der ErwuesseBildung, und Eric Risch,
Generalsekretär der Shoura, empfinden die öffentlichen Verkehrsmittel als Zeitgewinn.
Foto: Gerry Huberty/Luxemburger Wort

Die Zeit in Bus und Bahn nutzen

Laure Simon selbst ist längst eine überzeugte „Autofastlerin“ – und bringt es mit folgenden Worten auf den Punkt: „Ich finde die Vorstellung, ein paar Tonnen Blech zu bewegen, nur um mich selbst zu transportieren, absurd.“ Stattdessen nutzt sie die öffentlichen Verkehrsmittel und profitiert dabei von so manchem Vorzug: „Im Bus und im Zug kann ich andere Dinge tun. Ich lese, beantworte E-Mails, telefoniere“, berichtet sie. Von wegen Zeitverlust durch die öffentlichen Transportmittel: „Ich empfinde es genau umgekehrt.“


Zu viele Autos, zu wenige Fussgänger und Radfahrer: Die Ergebnisse der Luxmobil-Studie sprechen Klartext.
Luxmobil-Umfrage: Die sanfte Mobilität hinkt hinterher
Wer benutzt wann welches Verkehrsmittel um wohin zu gelangen? Diese Frage stellte das Ministerium für Nachhaltigkeit rund 85.000 Familien und Grenzgängern.

Zur Aktion Autofasten laden die Kirchen in Deutschland bereits seit über 20 Jahren auf, die katholische Kirche in Luxemburg beteiligt sich seit 2005. Seitdem haben sich zahlreiche Partnerorganisationen der Initiative angeschlossen – darunter auch die Shoura, der Rat der muslimischen Gemeinschaften in Luxemburg.

„Diese Idee, die Umwelt zu respektieren und zu schützen, gibt es auch im Islam“, erklärt dazu Shoura-Generalsekretär Eric Risch. Er selbst verzichtet ebenfalls weitgehend auf das Auto, geht viel zu Fuß und fährt mit den öffentlichen Verkehrsmitteln. Dabei sieht er die Zeit, die er täglich in Bus und Bahn verbringt, genau wie Laure Simon als entscheidenden Gewinn: „Ich habe etwas von ihr, sie ist nicht verloren“, so Eric Risch.

Neue Wege gehen

Bei der Aktion Autofasten geht es allerdings nicht darum, das Auto komplett aus dem Alltag zu verbannen, sondern vielmehr, sich seines eigenen Mobilitätsverhaltens bewusst zu werden und einen Gang zurückzuschalten. Auch mal auf eine Bewegung verzichten, zu Fuß gehen – für Laure Simon gibt es viele Möglichkeiten.

Anders als im Auto kann man die Zeit in Tram, Bus und Bahn auch für andere Dinge nutzen - lesen, arbeiten oder einfach mal die Landschaft genießen.
Anders als im Auto kann man die Zeit in Tram, Bus und Bahn auch für andere Dinge nutzen - lesen, arbeiten oder einfach mal die Landschaft genießen.
Foto: Gerry Huberty/Luxemburger Wort

Dabei lohne es sich auch, neue Wege in Betracht zu ziehen, und zum Beispiel Fahrgemeinschaften zu nutzen. „Das Angebot des öffentlichen Transports ist noch nicht ausgereift. Ich kann nachvollziehen, dass es Grenzen gibt“, gesteht Laure Simon ein. 

Indem man mit anderen im Auto zusammenfährt, tue man nicht nur etwas für die Umwelt, sondern erfahre noch dazu einen sozialen Austausch. Ihr Wunsch: „Die Menschen sollen in dieser Hinsicht etwas cooler und lockerer werden.“ Und, warum nicht, durch die Aktion Autofasten auf den Geschmack kommen.



Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Im September 2021 mit der Tram nach Bonneweg
Er ist einer der heiklen Abschnitte für die Tram: der Pont Buchler, der von der Place de la Gare aus über die Gleise nach Bonneweg führt. Am Dienstag sind die Arbeiten zur Erneuerung der Brücke angelaufen.
Der Pont Buchler nach seiner Erneuerung im Jahr 2021: Zwei Spuren für die Tram, zwei Spuren für Autos und Busse Richtung Bahnhof und vier Spuren Richtung Bonneweg. Zudem ein Fahrradweg und mehr Platz für Fußgänger.
Sackgasse
In der Mobilitätsfrage sollte der Premierminister die Brille des Hauptstadtbürgermeisters absetzen.
Der aktuell zu zahlende Fahrpreis ist nicht der entscheidende Faktor für eine stärkere Nutzung von Bus, Tram oder Zug.