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Ausstellung "Lëtzebuerg am Zweete Weltkrich" in Petingen
Lokales 23 4 Min. 06.11.2019

Ausstellung "Lëtzebuerg am Zweete Weltkrich" in Petingen

Diese Zelthalle wurde speziell für die Ausstellung errichtet. Sie befindet sich an der Rue Batty Weber, wo einst das Lycée Technique Mathias Adam stand.

Ausstellung "Lëtzebuerg am Zweete Weltkrich" in Petingen

Diese Zelthalle wurde speziell für die Ausstellung errichtet. Sie befindet sich an der Rue Batty Weber, wo einst das Lycée Technique Mathias Adam stand.
Foto: Claude Piscitelli
Lokales 23 4 Min. 06.11.2019

Ausstellung "Lëtzebuerg am Zweete Weltkrich" in Petingen

Luc EWEN
Luc EWEN
In einer Zelthalle werden in Petingen die Geschehnisse während des Zweiten Weltkrieges mittels fünf Themenbereichen dargestellt.

„Hättet ihr euch damals der Mitgliedschaft an einer deutschen Organisation verweigert?“ Oder: „Hättet ihr euch der Wehrpflicht entzogen?“ Auf diese Fragen antworten die meisten jugendlichen Besucher der Ausstellung „Lëtzebuerg am Zweete Weltkrich“ zunächst ohne Zögern mit „Ja“. Werden sie dann aber mit den Folgen, die solch ein Verhalten für ihr eigenes Leben und das ihrer Familien gehabt hätte, konfrontiert, werden viele stumm.

Es ist kein einfaches Thema, mit dem sich die Ausstellung auf einer Fläche von 950 Quadratmetern befasst. Fast jeder alteingesessene Luxemburger wird auch Elemente, die an die eigene Familiengeschichte erinnern, dort wiederfinden. „Das Ziel der Ausstellung ist es, einen Überblick über die Geschehnisse im Zweiten Weltkrieg zu verleihen“, so Jean Reitz.


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Viele Jugendliche hätten diesen Überblick heutzutage, 75 Jahre nach der Befreiung, nicht. Deshalb habe man versucht, sich bei der Gestaltung der Ausstellung nicht in Details zu verlieren. „Wenn wir es gewollt hätten, hätte man über jede Expo-Tafel noch einmal eine eigene Ausstellung machen können“, fügt Nadine Geisler schmunzelnd hinzu.

Reitz und Geisler sind die Kuratoren von „Lëtzebuerg am Zweete Weltkrich“, diasgemeinsam mit Szenografin Anouk Schiltz im Auftrag der Gemeinde Petingen und des örtlichen Comité du souvenir veranstaltet wurde. 

Um den angesprochenen Überblick zu bieten, führt die Ausstellung durch fünf – chronologisch geordnete – Epochen: Die Besetzung Luxemburgs, das Naziregime, die Befreiung, die Ardennenoffensive und das befreite Luxemburg.

Unangenehme Wahrheiten

In jedem dieser Themenbereiche erwartet den Besucher audiovisuelles Material, das mittels Videokonsolen abgerufen werden kann. Darin enthalten sind neben Statistiken auch zum Teil bisher wenig bekanntes Filmmaterial. Bei dessen Auswahl zeigt sich auch, dass die Kuratoren um ein objektives Bild der Geschehnisse bemüht waren. 


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So sind etwa Bilder von luxemburgischen Soldaten zu sehen, die nach der Besetzung Luxemburgs im Hof des damaligen Arbed-Gebäudes vor Gauleiter Gustav Simon salutieren. Es habe schon Beschwerden gegeben, gibt Jean Reitz zu. Etwa weil Mitgliedsausweise der Volksdeutschen Bewegung von Luxemburgern gezeigt werden. „Damals hatten viele aber keine Wahl“, relativiert Reitz solche Mitgliedschaften.

Nachtsender 1212

Auch wenn die Ausstellung sich eben nicht in Details verliert, so sind für das aufmerksame Auge doch viele kleine Nebengeschichten, sogar Anekdoten, zu entdecken. Wie etwa die des Radioprogramms „Nachtsender 12 12“, das in den letzten Kriegsmonaten als Piratensender von der amerikanischen Armee von Luxemburg aus betrieben wurde.

Es ging dabei um psychologische Kriegsführung. Der Sender gab vor, ein deutsches Untergrundprogramm zu sein. Dabei wurden jede Nacht Nachrichten gesendet, die unterschwellig die Deutschen demotivieren sollten.

Den Kuratoren Jean Reitz und Nadine Geisler war beim Ausarbeiten der Ausstellung daran gelegen, das Kriegsgeschehen, 75 Jahre nach der Befreiung, zusammenzufassen, ohne sich in Details zu verlieren.
Den Kuratoren Jean Reitz und Nadine Geisler war beim Ausarbeiten der Ausstellung daran gelegen, das Kriegsgeschehen, 75 Jahre nach der Befreiung, zusammenzufassen, ohne sich in Details zu verlieren.
Foto: Claude Piscitelli

In der Ausstellung zu sehen sind auch historische Fahrzeuge, wie etwa der Panzer, der normalerweise in Clerf steht. Der eigentliche Grund für die Ausstellung ist das Jubiläum der Befreiung. So findet natürlich auch der Einmarsch der amerikanischen Truppen – der zuerst in Petingen stattfand – gebührend Erwähnung. Alle Ausstellungstafeln wurden in einer Broschüre abgedruckt, die im Eingangsbereich der Zelthalle für 20 Euro erworben werden kann.

Aktueller denn je

Wer sich die nötige Zeit für den Besuch von „Lëtzebuerg am Zweete Weltkrich“ nimmt, der wird sicherlich so manches interessante Detail entdecken, von dem er bisher nichts ahnte. Besonders in Erinnerung bleibt auch der letzte Teil der Ausstellung, der zeigt, dass Themen wie Fremdenhass, Antisemitismus und Hasskultur bis heute nicht an Aktualität verloren haben.


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