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„Ausgezeichnete Beziehungen lebendig und aktiv erhalten“
Lokales 4 Min. 15.04.2013 Aus unserem online-Archiv

„Ausgezeichnete Beziehungen lebendig und aktiv erhalten“

Bundespräsident Heinz Fischer: „Wir können sehr zufrieden sein mit dem Stand der bilateralen Beziehungen, den wir erreicht haben.“

„Ausgezeichnete Beziehungen lebendig und aktiv erhalten“

Bundespräsident Heinz Fischer: „Wir können sehr zufrieden sein mit dem Stand der bilateralen Beziehungen, den wir erreicht haben.“
Foto: Peter Lechner
Lokales 4 Min. 15.04.2013 Aus unserem online-Archiv

„Ausgezeichnete Beziehungen lebendig und aktiv erhalten“

An diesem Montag ist der Auftakt der dreitägigen Staatsvisite von Großherzog Henri und Großherzogin Maria Teresa in der Bundesrepublik Österreich. Das Luxemburger Wort hat sich mit Bundespräsident Heinz Fischer unterhalten.

Interview: Joseph Lorent

An diesem Montag ist der Auftakt der dreitägigen Staatsvisite von Großherzog Henri und Großherzogin Maria Teresa in der Bundesrepublik Österreich. Das Luxemburger Wort hat sich mit Bundespräsident Heinz Fischer unterhalten.

Herr Bundespräsident, Österreich und Luxemburg haben eine geschichtliche Vergangenheit mit vielen Gemeinsamkeiten. Wie sehen Sie aufgrund dieses Sachverhaltes die Staatsvisite von Großherzog Henri und Großherzogin Maria Teresa in Ihrem Land?

Heinz Fischer: Wir freuen uns in Österreich sehr auf diesen Staatsbesuch, der gut vorbereitet ist. Der Großherzog wird ein vielfältiges und höchstrangiges Programm haben. Auch wird es ein Wirtschaftsforum geben und wir werden eine Besichtigung des Stiftes Melk in Niederösterreich und verschiedene Programmpunkte in Oberösterreich absolvieren. Die langen historischen Beziehungen, die einen besonderen Höhepunkt im 18. Jahrhundert gehabt haben, führen dazu, dass dieser Besuch auf sehr soliden Beinen stehen wird.

Wie schätzen Sie den gegenwärtigen Stand der bilateralen Beziehungen ein und bestehen noch Verbesserungsmöglichkeiten?

Fischer: Wir können sehr zufrieden sein mit dem Stand der Beziehungen, den wir erreicht haben. Es gibt viele gemeinsame Interessen und viele gegenseitige Kontakte. Das gilt sowohl auf der Ebene der Staatsoberhäupter, der Regierungschefs Faymann und Juncker, der Außenminister Spindelegger und Asselborn als auch in anderen Bereichen, wobei ich den lebhaften Austausch im Bereich der Kultur nicht unerwähnt lassen möchte.

Natürlich darf man nie die Hände einfach in den Schoß legen und sich zufrieden geben. Vielmehr muss man immer daran arbeiten, dass auch ausgezeichnete Beziehungen lebendig und aktiv bleiben. Das Wirtschaftsvolumen und der Handelsaustausch zwischen unseren beiden Ländern liegen in der Größenordnung von etwa 400 Millionen Euro. Das ist nicht unbeträchtlich, aber auch hier ist noch Platz nach oben. Unsere Erfahrungen sagen, dass ein gut organisierter Staatsbesuch sehr positive Auswirkungen auf die Entwicklung der nächsten Jahre haben wird.

Sie können auf eine langjährige und vielfältige politische Laufbahn zurückblicken. Welche Erfahrungen haben Sie während dieser Zeit mit dem Großherzogtum Luxemburg und seinen verantwortlichen Mandatsträgern gemacht?

Fischer: Luxemburg gehört zu den Gründerstaaten der Europäischen Gemeinschaft beziehungsweise der Europäischen Union. Luxemburg hat in der EU viele führende Funktionäre gestellt. Da kann ich mich zum Beispiel an Kommissionspräsident Gaston Thorn erinnern. Der Großherzog, mit dem ich letztes Jahr anlässlich eines Privatbesuches in Luxemburg ein sehr freundschaftliches und inhaltsreiches Gespräch führen konnte, hat eine sehr positive Einstellung gegenüber Österreich. Wir sind uns kürzlich auch bei der Amtseinführung des neuen Papstes in Rom begegnet, wo wir uns gegenseitig versichert haben, dass wir dem unmittelbar bevorstehenden Staatsbesuch mit Freude entgegensehen.

Der luxemburgische Außenminister ist ein guter und alter Freund von mir, der sicher zu den aktivsten Außenministern in Europa zählt und einen nicht unbeträchtlichen Anteil daran hat, dass Luxemburg derzeit als einziger EU-Vertreter nichtständiges Mitglied des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen ist. Erwähnen möchte ich aber auch den sehr österreichfreundlichen luxemburgischen Ministerpräsidenten als dienstältesten Regierungschef in Europa.

Haben Sie Luxemburg persönlich vor Ort kennen gelernt?

Fischer: Ich war mehrere Male in Luxemburg, einerseits als Parlamentspräsident, andererseits offiziell als Bundespräsident und voriges Jahr privat. Auch als Tourist habe ich Luxemburg im Auto erforscht und kennen gelernt. Geht man zum Beispiel in österreichische Museen, dann trifft man viele Kunstschätze an, die einen Bezug zu Luxemburg haben. Wir bilden uns ein und die Historiker behaupten das auch, dass die Zeit, wo Kaiserin Maria Theresia in Wien regiert hat, nicht die schlechteste Zeit für Luxemburg war.

Inwiefern können und sollen Österreich und Luxemburg auf europäischer Ebene als kleine Mitgliedstaaten gemeinsame Sache machen?

Fischer: Sie sollen es nicht nur tun, sondern sie tun es schon. Der Gedankenaustausch mit Luxemburg ist wirklich eng. Ich verrate kein Geheimnis, wenn ich sage, dass ich gerade in der laufenden Woche vier- oder fünfmal mit Jean Asselborn telefoniert habe. Auch der Ministerpräsident, der kürzlich auf offiziellem Besuch in Wien war, ist ein kontaktfreudiger und offener Politiker, der auf internationale Zusammenarbeit großen Wert legt. Luxemburg, Österreich und die Schweiz, auch wenn diese nicht EU-Mitglied ist, haben viele Gemeinsamkeiten. Wir sprechen uns ab, und manche andere Staaten beneiden uns um diese gute Kooperation.

  • Das Interview wurde für wort.lu gekürzt. Die vollständige Version finden Sie am Montag auf den Fokus-Seiten des Luxemburger Wort.