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Ausgebeutet und zurückgelassen
Lokales 2 Min. 16.03.2015 Aus unserem online-Archiv
„Moderne Sklaverei“ im Baugewerbe

Ausgebeutet und zurückgelassen

Von Subunternehmern ausgebeutet: „Mehrere hundert Menschen in Luxemburg betroffen“.
„Moderne Sklaverei“ im Baugewerbe

Ausgebeutet und zurückgelassen

Von Subunternehmern ausgebeutet: „Mehrere hundert Menschen in Luxemburg betroffen“.
Foto: Shutterstock
Lokales 2 Min. 16.03.2015 Aus unserem online-Archiv
„Moderne Sklaverei“ im Baugewerbe

Ausgebeutet und zurückgelassen

Sie arbeiten sieben Tage die Woche, zwölf Stunden täglich auf Luxemburger Baustellen und bekommen zwischen 300 und 700 Euro im Monat dafür. Nun wollen portugiesische Gewerkschaften einschreiten.

(str) - Sie arbeiten sieben Tage die Woche, zwölf Stunden täglich und bekommen zwischen 300 und 700 Euro im Monat dafür. Das ist einem „Contacto“-Bericht zufolge immer öfter das Schicksal von Gastarbeitern: Von der Not im eigenen Land getrieben und von portugiesischen Subunternehmern auf Luxemburger Baustellen ausgebeutet. Nun wollen portugiesische Gewerkschaften einschreiten.

Das portugiesischsprachige Nachrichtenportal Contacto.lu hatte vor knapp 14 Tagen über einen Fall unter vielen berichtet: Über einen portugiesischen Arbeiter, der mit 25 Euro in der Tasche in Luxemburg gestrandet war. Der 53-jährige war dem Bericht zufolge von einer Baufirma in Nordportugal rekrutiert worden, um im Großherzogtum zu arbeiten.

Er wurde für zwei Monate eingestellt, beschäftigt wurde er aber nur knapp die Hälfte der Zeit. Laut Vertrag sollte er für ein Monatsgehalt für 540 Euro arbeiten – weit unter dem in Luxemburg vorgesehenen Brutto-Mindestlohn von 1922 Euro für nicht qualifizierte Arbeiter. Mehr Geld wurde ihm aus einer schwarzen Kasse versprochen.

Werkzeugkosten 
vom Lohn abgezogen

Eingesetzt wurde er auf einer Baustelle in einem Privathaus im Nordosten des Großherzogtums. Sieben Tage die Woche ohne Arbeitspausen tagsüber. Das Werkzeug, die Handschuhe, die Stiefel die Unterkunft und sogar die Decke zum Schlafen seien ihm vom Lohn abgehalten worden, sagt der Mann zu „Contacto“. Als man ihn dann nach 200 Arbeitsstunden nicht mehr brauchte, sei er von seinem Arbeitgeber nach Hause geschickt worden – ohne einen Euro Lohn, denn dieser würde ihm erst in Portugal ausgezahlt werden. Die 25 Euro, die dem Mann noch geblieben waren, reichten nicht einmal mehr für eine Rückfahrt in die Heimat.

Dem LCGB zufolge sind eine Reihe solcher Fälle bekannt. Das bestätigte auch Gewerkschaftssekretär Paul de Araujo gegenüber „Contacto“. Dass Arbeitnehmer einfach so ohne Geld in Luxemburg sich selbst überlassen würden, komme vor. Doch da die Betroffenen weder die Sprache, noch das Land, noch irgendwelche Leute kennen würden, beschwere sich kaum jemand im Großherzogtum, bedauert Liliana Bento, zuständig für die Baubranche beim LCGB. 

"Eine katastrophale Situation"

Das Fazit der Gewerkschaft: Es ist eine katastrophale Situation, die gegen Luxemburger Arbeitsrecht und die EU-Richtlinie zur Entsendung von Arbeitnehmern ins Ausland verstößt. Im Prinzip müssen Gastarbeiter in Luxemburg nämlich nach Luxemburger Tarifverträgen bezahlt werden.

Der „Contacto“-Bericht hat in den vergangenen Tagen in Portugal hohe Wellen geschlagen. Deshalb werden ab Montag  und für eine Woche Gewerkschaftsvertreter aus Portugal nach Luxemburg kommen, um sich ein eigenes Bild von der Situation zu machen und ihre Landsleute über ihre Rechte aufzuklären. Das portugiesische Bausyndikat „Sindicato da Construção“ geht davon aus, dass im Großherzogtum mehrere hundert Menschen auf diese Weise ausgebeutet werden.

„Das nennt man moderne Sklaverei“, betont der Präsident des portugiesischen „Sindicato da Construção“ Albano Ribeiro gegenüber der Agentur "Lusa".


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