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Aufstand im Gefängnis Schrassig: Betrunkene Krawallmacher
Lokales 3 Min. 06.09.2016

Aufstand im Gefängnis Schrassig: Betrunkene Krawallmacher

Für Gefängnisdirektor Vincent Theis und Justizminister Felix Braz stand der Aufstand am Montag in keinem Zusammenhang mit vorangegangenen Forderungen von Gefängnisinsassen.

Aufstand im Gefängnis Schrassig: Betrunkene Krawallmacher

Für Gefängnisdirektor Vincent Theis und Justizminister Felix Braz stand der Aufstand am Montag in keinem Zusammenhang mit vorangegangenen Forderungen von Gefängnisinsassen.
Foto: Lex Kleren
Lokales 3 Min. 06.09.2016

Aufstand im Gefängnis Schrassig: Betrunkene Krawallmacher

Volker BINGENHEIMER
Volker BINGENHEIMER
Es ging um Alkohol und Lust an der Konfrontation: Bei dem vierstündigen Aufstand in der Haftanstalt Schrassig spielten die Haftbedingungen zwar wohl eine Rolle, der Hintergrund der Revolte war aber offensichtlich kein Hilferuf, sondern reine Kampfeslust.

Von einer Gefängnismeuterei zu sprechen ist sicherlich überzogen. Um die Lage am Montagabend in der Haftanstalt Schrassig als einen unbedeutenden Vorfall abzutun, dafür war die Situation dann doch viel zu ernst.

Gegen 21.40 Uhr widersetzten sich die Häftlinge einer Gefangenenstation dem nächtlichen Zelleneinschluss. Sie verbarrikadierten beide Zugänge zum Zellenblock und verhängten die Panzerglasscheiben der Station. Zudem wurde mindestens ein Bettlaken in einem Gemeinschaftsraum mit Öl übergossen und in Brand gesetzt – ein Feuer, das die Berufsfeuerwehr schließlich durch ein eingeschlagenes Panzerglasfenster löschen konnte.

„Die wollten nicht mit uns reden“

„Wir haben festgestellt, dass sie sich gut vorbereitet hatten“, stellte Gefängnisdirektor Vincent Theis gestern Nachmittag in einer Pressekonferenz im Justizministerium fest. „Aber es ist ihnen wohl nur darum gegangen, Stimmung zu machen.“ Forderungen wurden keine gestellt. Gespräche waren weder mit dem Gefängnispersonal noch mit den Verhandlungsspezialisten der Polizei erwünscht. „Diese Leute wollten gar nicht mit uns reden“, bekräftigt Vincent Theis.

Im Mittelpunkt des Geschehens standen zudem offenbar nur drei von 19 Personen. Und der Hintergrund des Aufstands dürfte Informationen des „Luxemburger Wort“ zufolge eher bei exzessivem Alkoholkonsum zu suchen sein.

Alkohol aus Zuckerwasser und Obst

Auf Nachfrage bestätigt Anstaltsleiter Vincent Theis dies in der Pressekonferenz, wenn auch zurückhaltend. „Wir können davon ausgehen, dass so etwas im Spiel war“, meinte er. Mit Bestimmtheit könne er es aber noch nicht sagen. „Es kommt immer wieder vor, dass in Gefängnissen Insassen Zuckerwasser mit Obst gären lassen und in Behältern aufbewahren, die nicht direkt auffallen“, erklärt Theis. „Das kommt vor, wir können aber auch nicht immer alles bis ins kleinste Detail überprüfen.“

Sicher ist man sich indes, dass die beteiligten Unruhestifter es von Beginn an auf eine Konfrontation mit Gefängnispersonal oder der Polizei angelegt hatten. Hinter vorgehaltener Hand wird auch von an Holzstangen befestigten Rasierklingen berichtet.

Bis zuletzt heftigst zur Wehr gesetzt

Als gegen 1.20 Uhr die Spezialeinheit dem Spuk ein Ende bereitete, seien von den 19 auf der Station untergebrachten Häftlingen bereits 16 freiwillig in ihre Zellen zurückgekehrt gewesen. Die drei verbleibenden Krawallmacher hätten sich allerdings bis zuletzt heftigst zur Wehr gesetzt – ohne, dass sie jedoch den Festnahmespezialisten der Polizei viel entgegensetzen hätten können.

Bei zwei der drei Krawallmacher handelt es sich LW-Informationen zufolge um Männer, die bereits in der Vergangenheit sehr unangenehm in Schrassig aufgefallen sind. Zu ihrer Identität hielt man sich während der Pressekonferenz bedeckt: „Es waren Personen beteiligt, die unter einer schweren Persönlichkeitsstörung leiden, deren Lebenserfahrung wir uns kaum vorstellen können, die keine Zukunft vor sich haben und dann auch noch psychische Probleme aufweisen“, erläuterte Vincent Theis.

Lob vom Menschenrechtsbeauftragten

Am Tag nach den Vorkommnissen gibt es denn auch Lob vom Menschenrechtsbeauftragten des Ombudsman, der als externer Prüfer der Haftanstalt fungiert. „Die Menschenrechte wurden respektiert, die Einschätzung der Situation war extrem gut“, betont Serge Legil. Die Einsatzkräfte beglückwünscht er für ihr professionelles Vorgehen – „bei Feuer, Dunkelheit und Ungewissheit zur Bewaffnung und zum Gemütszustand der Beteiligten“.

Lediglich eine Person habe sich bereits vor dem Einsatz der Spezialkräfte mit einer Rasierklinge verletzt. Ein zweiter habe nach dem Zugriff Nasenbluten gehabt.

„Um jeden Preis eingreifen“

„Sie hatten alles so verhängt, dass nicht mehr zu sehen war, was im Innern vor sich ging“, unterstrich Vincent Theis. „Wir können nicht zulassen, dass dann einer den anderen abschlachtet. Wir müssen um jeden Preis eingreifen und tun das auf eine angebrachte Art und Weise.“

Die Staatsanwaltschaft hat indes die Kriminalpolizei mit Ermittlungen befasst. Dabei steht unter anderem eine nächtliche Brandstiftung in einem bewohnten Gebäude im Raum, bekräftigt die Verantwortliche für den Strafvollzug Jeanne Guillaume. Aber das müssten die weiteren Untersuchungen zeigen – und auch, ob es noch andere Straftaten gab.

Der Aufstand in Schrassig ist immerhin mit einem bitteren Beigeschmack behaftet: 2006 hatten Insassen ein Feuer gelegt. Ein Mensch überlebte damals nicht. 37 weitere Personen wurden verletzt, drei davon lebensgefährlich.


Beginn der Pressekonferenz um 7:00.



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