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Aufräumarbeiten im Ernztal und in Fels: „Wir helfen, wo wir können“
Bis die Arbeiten abgeschlossen sind, wird es wohl eine Weile dauern.

Aufräumarbeiten im Ernztal und in Fels: „Wir helfen, wo wir können“

Foto: John LAMBERTY
Bis die Arbeiten abgeschlossen sind, wird es wohl eine Weile dauern.
Lokales 22 3 Min. 25.07.2016

Aufräumarbeiten im Ernztal und in Fels: „Wir helfen, wo wir können“

Am Freitagabend wurden die Menschen im Ernztal von einer Sturzflut überrascht. Nach dem Regen ist der Schaden groß und die Gemeinde muss sich an die Aufräumarbeiten machen.

(mz/SH) - Am Freitagabend überraschte eine Sturzflut die Menschen der Ernztalgemeinde. Autos wurden von den Wassermassen mitgerissen, Häuser geflutet, Bäume sind umgefallen. Mittlerweile ist das Wasser zurückgegangen - was aber bleibt, ist das Chaos. Sehen Sie hier die ersten Bilder der Aufräumarbeiten:

Auch wenn sich die Einwohner bemühen, zur Normalität zurückzufinden, läuft das Leben weiterhin alles andere als normal. Sandspuren sind auf der Straße und den Bürgersteigen zu sehen. Garagentore, Türen und Fenster sind geöffnet. Vor vielen Häusern stehen Müllberge – Elektrogeräte, Möbel, persönliche Dinge. Alles durchnässt und kaputt. Die Gegenstände werden von der Gemeinde eingesammelt, während die Einwohner am Putzen sind.

„Wir helfen, wo wir können“, erklärt Bürgermeister Pierre Wies. Die Schäden werden ihn in den kommenden Wochen jedoch weiter begleiten. Denn genau zur Touristensaison sind einige Waldwege nicht mehr nutzbar. Auch der Weg zum Schloss ist verschüttet.

Ein erster kleiner Erfolg

Etwas weiter flussabwärts ist die Lage noch kritischer. In Ermsdorf waren die Überschwemmungen am heftigsten. Am Freitagabend stand das Wasser 2,50 Meter höher als je zuvor, erklärt der Bürgermeister der Ernztalgemeinde, André Kirschten.

Nahe der Kirche wird wie bereits das ganze Wochenende über gearbeitet. „Am Abend müsste alles wieder laufen“, erklärt ein Arbeiter am Montag. Strom, Straßenbeleuchtung, Telefon: Darauf mussten die Einwohner in den vergangenen Tagen verzichten.

Auch beim Trinkwasser ist weiterhin Vorsicht geboten. In den Gemeinden Fels, Ernztal und Nommern muss es abgekocht werden, in der Gemeinde Reisdorf bleibt es ungenießbar; voraussichtlich bis Mittwoch. Immerhin kam am Montag für die Ortschaften Nommern und Ermsdorf Entwarnung. Das Wasserwirtschaftsamt teilte mit, dass die Wasseranalysen zufriedenstellend sind.

Im Erdgeschoss stand ein Schrank, in dem wir Fotos aufbewahrt hatten. Ich habe mich noch nicht getraut, ihn zu öffnen.

Ein kleiner Erfolg für Ermsdorf, dessen 400 Einwohner versuchen optimistisch zu bleiben. „Das erste Stockwerk blieb unversehrt“, spricht Sophie Saxer zuerst das Positive an. Das Lager des Familienbetriebes war jedoch im Erdgeschoss untergebracht. Auf 60 000 Euro wird der Schaden geschätzt.

Der materielle Verlust sei jedoch nicht so schlimm, als jener von persönlichen Dingen. „Im Erdgeschoss stand ein Schrank, in dem wir Fotos aufbewahrt hatten. Ich habe mich noch nicht getraut, ihn zu öffnen.“

Solidarität unter Nachbarn, Freunden und Fremden

Auf der anderen Straßenseite hilft Dany Fernandes Freunden beim Ausräumen des Hauses. „Die Möbel sind kaputt. Aber immerhin lässt es sich im ersten Stockwerk noch leben.“

Wie er zeigten sich viele Menschen mit den Opfern solidarisch, halfen bei den Aufräumarbeiten und spendeten Möbel, Elektrogeräte, Kleidung und Spielzeug. „Viele Leute haben sich gemeldet“, bestätigt André Kirschten. Allerdings sei es noch zu früh, um die Möbel zu verteilen. In den meisten Häusern sei es einfach noch zu feucht. Tage oder Wochen wird es dauern, bis Normalität einkehren wird.

Der Bürgermeister zeigt uns den Bauernhof in Bakesmillen. Nichts steht mehr. Die 200 Jahre alte Brücke, die zum Hof führte ist eingestürzt. Sie wurde durch einen Steg ersetzt, den das Technische Hilfswerk aus Bitburg am Wochenende aufgebaut hat. Der Bauer steht vor dem Ruin. Einen Traktor hat er noch – und seine Tiere. Dass weder Menschen noch Tiere durch das Hochwasser gestorben sind, scheint unfassbar, wenn man sich die Situation vor Ort anschaut.

Fünf bis sechs Meter ist das Wasser innerhalb einer halben Stunde gestiegen

Auf dem Weg in Richtung Reisdorf ist eine weitere Brücke eingestürzt. Entlang der Ernz liegen Steine, Reste von Möbeln und Autos – teilweise meterweit vom Flussbett entfernt. Sie sind Zeugen davon, wie hoch das Wasser stand. „Fünf bis sechs Meter ist es innerhalb einer halben Stunde gestiegen“, so André Kirschten.

Ernz muss gesäubert werden

Sein Handy klingelt während der Unterhaltung mehrmals – 65 Anrufe hat er alleine am Montagmorgen bekommen. Umso erfreuter war er über die Unterstützung von Staatsminister Xavier Bettel, Innenminister Dan Kersch, Familienministerin Corinne Cahen sowie vom Direktor der Rettungsdienste, Paul Schroeder.

„Nachdem der Krisenstab einberufen wurde, lief alles einwandfrei“, erklärt er. Und auch wenn der Krisenstab am Sonntag aufgelöst wurde, kann er weiterhin auf Unterstützung zählen.

Neben den Aufräumarbeiten gilt es nun, die Einwohner zu informieren, welche Hilfen sie beantragen können. Hierzu werden in den kommenden Tagen Informationsversammlungen stattfinden. Zudem muss die Ernz ausgebaggert werden. Arbeiten, mit denen am Dienstag in Reisdorf begonnen wird.

Denn sollte es erneut regnen, wirken die Steine und Gegenstände, die im Wasser herumtreiben, wie Staudämme. Die Konsequenzen könnten noch verheerender sein. Erste Bäume, die durch Erdrutsche zu frei standen, wurden in Reisdorf bereits am Montag gefällt.


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