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Auf Umwegen zur Umgehungsstraße
Mehr zu, als offen: Die Bahnschranke in Dippach-Gare sorgt täglich für erhitze Gemüter bei den Autofahrern und Anwohnern.

Auf Umwegen zur Umgehungsstraße

Foto: Guy Jallay
Mehr zu, als offen: Die Bahnschranke in Dippach-Gare sorgt täglich für erhitze Gemüter bei den Autofahrern und Anwohnern.
Lokales 2 Min. 21.06.2018

Auf Umwegen zur Umgehungsstraße

Der lang ersehnte Bau der Umgehungsstraße von Dippach-Gare ist zum ersten Mal zum Greifen nah. Ein Beschluss des Zivilgerichtes könnte im Herbst für Klarheit sorgen und die ersten Boden- und Bauarbeiten einläuten. 17,4 Millionen Euro soll der Bau kosten.

(AH) - Wegen ungeklärter Besitzverhältnisse zwischen Grundeigentümern und Staat geriet das Projekt der lang ersehnten Umgehungsstraße von Dippach-Gare immer wieder ins Stocken. Voraussichtlich im Herbst könnte aber ein Beschluss des Zivilgerichtes zur definitiven Besitzübergabe der Landparzellen an den Staat das Bauvorhaben vorantreiben. Auch der Beginn der Bauarbeiten würde somit zum ersten Mal ins Visier rücken. Dies geht aus der Antwort von Infrastrukturminister François Bausch (Déi Gréng) auf eine parlamentarische Frage des DP-Abgeordneten und Dippacher Schöffen Max Hahn hervor.

Seit der Zweigleisigkeit der Zugstrecke Luxemburg-Petingen im Jahr 2012 bleibt in Dippach-Gare der Bahnübergang 30 bis 40 Minuten pro Stunde gesperrt. Es ist eine Zerreißprobe für über 10 000 Autofahrer, die den Bahnübergang auf der N 13 täglich überqueren. Auch die Anwohner leiden unter der unzumutbaren Situation. Täglich sitzen sie im Lärm und den Abgasen tausender Autos, die vor geschlossener Bahnschranke verweilen.

Der Bau der Umgehungsstraße von Dippach-Gare ist seit 20 Jahren ein heftiges Diskussionsthema. Im Laufe der Zeit wurde das Vorhaben zwar konkreter, ließ dennoch wegen unzähliger Rückschläge auf sich warten.

Hürden überwinden

Im Juni vergangenen Jahres hatte das Verwaltungsgericht in zweiter Instanz ein Urteil vom 19. Januar 2017 bestätigt. Damals hatten Grundbesitzer gegen ihre Enteignung geklagt, indem sie das Statut des Projektes als Utilité publique infrage gestellt hatten. Diesen öffentlichen Nutzen bestätigte das Gericht jedoch auch in zweiter Instanz und gab den Klägern somit keine Genugtuung.

Auch zwei Grundstückseigentümer, die den Vorkaufvertrag schon unterzeichnet hatten, zögerten plötzlich den definitiven Vertrag zu unterzeichnen, weil sie befürchteten, kein gleichwertiges Land als Gegenleistung zu bekommen. Aber auch diese Hürde ist laut Max Hahn genommen, beide Verträge sind unter Dach und Fach.

Zurzeit ist ein vom Staat beauftragter Anwalt mit der Vorladung vor das Zivilgericht beschäftigt, damit die Besitzübergabe der Parzellen an den Staat rechtskräftig wird. Dieser Beschluss wird im Herbst erwartet. Infolge eines Gutachtens soll daraufhin auch der Grundbesitzer entschädigt werden.

Der Vorentwurf zur Umsetzung der Umgehungsstraße und der anschließenden Entfernung der Bahnschranke und des Bahnübergangs wurde bereits am 18. Mai dieses Jahres bewilligt. Die Studien zur Erstellung der Ausschreibungsunterlagen werden zurzeit ausgeführt.

Baubeginn im Sommer 2019

Sind ferner auch die geotechnischen Bodengutachten der Parzellen – die sich zurzeit noch nicht in staatlichem Besitz befinden – abgeschlossen, kann das Ausschreibungsheft vervollständigt und das Ausschreibungsangebot veröffentlicht werden. Sechs Monate später – also im Sommer 2019 – dürfte dann mit dem ersten Spatenstich für die Bauarbeiten der Umgehungsstraße von Dippach-Gare gerechnet werden. Zweieinhalb Jahre sollen die Bauarbeiten dauern.

Den ursprüngliche Zeitplan für die Bauarbeiten konnte nicht eingehalten werden. Mit der Fertigstellung des schätzungsweise 17,4 Millionen Euro teuren Bauvorhabens ist erst Ende 2021 zu rechnen. Die Hälfte der Kosten werden zulasten des Fonds des Routes verbucht, die restlichen 50 Prozent zulasten des Fonds du Rail.

„Einerseits bin ich erleichtert, dass es endlich vorangeht im Dossier der Umgehungsstraße von Dippach-Gare und wir endlich Gewissheit haben. Andererseits bedauere ich, dass dieses Projekt in den vergangenen 20 Jahren nicht mit der nötigen Sorgfalt behandelt wurde. Der Staat müsste sich in solchen Angelegenheiten andere Instrumente geben, um schneller voranzukommen“, sagt Max Hahn.


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