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Auf Ideensuche für die Minetteregion
Wenn auch nicht jedem von Anfang an bewusst war, auf was er sich eingelassen hatte, wurde am Mittwoch im Aalt Stadhaus viel über die Zukunft der Südregion diskutiert.

Auf Ideensuche für die Minetteregion

Foto: Nicolas Anen
Wenn auch nicht jedem von Anfang an bewusst war, auf was er sich eingelassen hatte, wurde am Mittwoch im Aalt Stadhaus viel über die Zukunft der Südregion diskutiert.
Lokales 3 Min. 14.02.2019

Auf Ideensuche für die Minetteregion

Nicolas ANEN
Nicolas ANEN
Lieber ein Keltendorf oder eine Gemüsekooperative? Oder beides? Solche Ideen werden derzeit in Workshops diskutiert, im Rahmen der Kandidatur der Minetteregion für das Unesco-Label Man and Biosphere.

Ein „Minettsrestaurant“, eine lokale Obst- und Gemüsekooperative oder noch ein Keltendorf. Das sind einige der Vorschläge, die im Rahmen der Bürgerbefragung zur Kandidatur der Südregion für das Unesco-Label Man and Biosphere gemacht wurden. 

Mitdenken erfordert 

Etwa 40 Personen waren am Mittwochabend der Einladung im Differdinger Aalt Stadthaus nachgekommen. Der eine oder andere wurde wohl etwas überrumpelt, weil er sich eine klassische Informationsversammlung erwartete. Doch so hatte sich die Mannschaft von Jan Glas, dessen Firma den Workshop leitete, den Abend nicht vorgestellt. 

So wurden die Teilnehmer aufgefordert, mit anzupacken. Und Bürgermeister Roberto Traversini stellte sich demonstrativ in den Türrahmen und lachte: „Ich lasse keinen hier raus“. 

 Ein Post-it pro Idee  

Zuvor hatte Simone Beck, Präsidentin der nationalen Unesco-Kommission, erklärt, dass der Bürgerdialog im Rahmen der Kandidatur für das Unesco-Label eine zentrale Rolle spiele. Konkret wurden die Teilnehmer in einer ersten Phase aufgefordert, den Istzustand in den elf ProSud-Gemeinden zu beschreiben. Die Regel lautete: ein Post-it pro Idee. 

Das Biosphärenreservat ist kein Naturschutzgebiet. Es soll aber wirtschaftliche Entwicklung und Naturschutz besser in Einklang bringen.
Das Biosphärenreservat ist kein Naturschutzgebiet. Es soll aber wirtschaftliche Entwicklung und Naturschutz besser in Einklang bringen.
Foto: Chris Karaba

"Ein Ort ohne Handy und Playstation"  

In einer zweiten Phase diskutierten die Teilnehmer an Tischen, denen Themen zugeordnet waren, Ideen und brachten die beste davon zu Papier. Herausgekommen ist dabei unter anderem das Keltendorf. „Es geht darum, den Leuten den täglichen Stress zu nehmen“, erklärt Raymond Fixer. „Einen Ort zu bauen mit Materialien, die man im Wald findet. Ein Ort ohne Handy und Playstation“. 

 Eine weitere Idee bestand darin, Schatzsuchen für Familien anzubieten, samt Übernachtungsmöglichkeit. Es kamen aber auch Vorbehalte in Bezug auf das Unesco-Label zur Sprache. So merkte ein Teilnehmer an, dass bereits heute mancherorts viel Müll in Naturzonen liege.

 Er befürchtete, dass dies mit zahlreicheren Touristen zunehmen könnte. 

Und die Grubeneingänge? 

Dante Scolatice war seinerseits mit einem eigenen Forderungskatalog gekommen. Dieser bestand aus Fotos, nicht auf einem Smartphone, sondern fein säuberlich in einem kleinen Fotoalbum sortiert. Darauf zu sehen waren zum Teil frühere Grubeneingänge, allerdings ganz zugewuchert. „Was sollen wir Leute von der Unesco einladen, wenn wir es nicht schaffen, diese Orte sauber zu halten?“, so der 78-Jährige. 

Aus diesem Workshop Lehren ziehen


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Jan Glas zog seinerseits eine positive Bilanz des Abends, auch wenn aus dieser ersten Erfahrung einige Lehren für die kommenden Workshops zu ziehen seien. 

Diese finden noch in den anderen zehn ProSud-Gemeinden statt. Danach wird eine Synthese ausgearbeitet. 

Die soll in die Kandidaturakte einfließen, die im September bei der Unesco eingereicht wird. In der Hoffnung, dass die Südregion sich vom Frühjahr 2020 an ein Unesco-Biosphärenreservat nennen darf. 

Ziel dieses Programmes ist es, die wirtschaftliche Entwicklung und den Schutz der Natur in ausgewiesenen Zonen in Einklang zu bringen. 

Weltweit gibt es derzeit 669 solcher Biosphärenreservate. Darunter zum Beispiel der Schwarzwald. 


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