Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Atomzentralen Tihange und Doel: Schlamperei und gefährliche Sicherheitslücken
Lokales 2 Min. 05.10.2016 Aus unserem online-Archiv

Atomzentralen Tihange und Doel: Schlamperei und gefährliche Sicherheitslücken

Ein interner Audit hat in der von Electrabel betriebenen Atomzentrale unweit von Luxemburg nicht weniger als zehn Sicherheitslücken bezüglich des Schutzes von vertraulichen Dokumenten festgestellt

Atomzentralen Tihange und Doel: Schlamperei und gefährliche Sicherheitslücken

Ein interner Audit hat in der von Electrabel betriebenen Atomzentrale unweit von Luxemburg nicht weniger als zehn Sicherheitslücken bezüglich des Schutzes von vertraulichen Dokumenten festgestellt
Foto: AFP
Lokales 2 Min. 05.10.2016 Aus unserem online-Archiv

Atomzentralen Tihange und Doel: Schlamperei und gefährliche Sicherheitslücken

Laurence BERVARD
Laurence BERVARD
Ein interner Audit hat in der Atomzentrale unweit von Luxemburg zehn Sicherheitslücken festgestellt. Hacker könnten ohne weiteres an vertrauliche Dokumente gelangen.

(lb) - Ein Audit der belgischen Betreiberfirma Electrabel über die Atomzentralen von Tihange (etwa 80 km von Luxemburg entfernt) und Doel sorgt für Unmut. Die beiden Kernkraftwerke wurden spezifisch auf Datenschutz geprüft. Dokumente über  beispielsweise Sicherheitscodes für den Zugang zur Zentrale und zu Internetservern seien nicht ausreichend geschützt, so die belgische Zeitung Sudpresse in ihrer Ausgabe von Mittwoch. 26 Sicherheitsverletzungen seien festgestellt worden, wovon mindestens zehn auf die Zentrale von Tihange entfielen.

Festgestellt wurde unter anderem, dass einige Dokumente, die als "vertraulich" oder "geheim" markiert wurden, nicht nur auf den hierfür vorgesehenen geschützten Computern in einem Raum mit beschränktem Personalzugang aufgerufen werden. Dies ermögliche, dass auch unbefugtes Personal mit etwas Geschick die Sicherheitscodes über das "Cache" der genutzten PCs zu einem späteren Zeitpunkt aufrufen könnte.

Zugang zu den Plänen der Geländesicherheit

Zudem sei eine externe Firma mit der Sicherheit der Betriebsausweise beauftragt worden, die dem Personal den Zugang zur Zentrale ermöglichen. Diese habe mindestens einen ihrer Aufträge nochmals an ein Subunternehmen ausgelagert, so dass sich ein weiterer, von Electrabel unbekannter Zulieferer ebenfalls Zugang zu Dokumenten verschaffen kann, die als "vertraulich" markiert sind. Darunter seien unter anderem die neuen Pläne der Geländesicherheit, so Sudpresse.

Ferner seien geheime Dokumente der beiden Atomzentralen ohne das Wissen des verantwortlichen Sicherheitschefs zerstört worden. Zudem würden bei Personalwechseln nicht systematisch alle Sicherheitscodes geändert, so dass möglicherweise entlassene Mitarbeiter diese weiterhin nutzen könnten, heißt es in dem Artikel von Sudpresse.

Das Internet für Attentate nutzen

Welche Gefahr diese Sicherheitslücken tatsächlich darstellen, verdeutlichen die im März geäußerten Bedenken des EU-Koordinators für Terrorismusbekämpfung Gilles de Kerchove.  In der Zeitung La Libre wurde er folgendermaßen zitiert: "Ich wäre nicht überrascht, wenn das Internet innerhalb der nächsten fünf Jahren für Attentatszwecke benutzt werden würde." Dabei hatte er unter anderem auch auf ein möglicherweise versuchtes Eindringen in die Management- und Koordinationszentrale einer Atomzentrale hingewiesen.

Die Zentrale von Tihange steht auch in Luxemburg immer wieder in der Kritik. Im November wollen rund 40 Gemeinden aufgrund der wiederholten Störfällen eine Sammelklage mit der Städteregion Aachen einreichen.

Ein Video des belgischen Fernsehsenders RTL über die Sicherheitslücken im  Atomkraftwerk Tihange während der terroristischen Attentate in Brüssel:



Lesen Sie mehr zu diesem Thema