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Appellationshof Luxemburg: Kein neues Gutachten zum "Hasseler Mord"
Das Opfer war in der Nacht zum 1. November 2010 in seinem Haus in der Hasseler Rue Killebierg erschlagen worden - den vorliegenden Erkenntnissen zufolge wohl mit einer Axt.

Appellationshof Luxemburg: Kein neues Gutachten zum "Hasseler Mord"

Archivbild: Steve Remesch/2010
Das Opfer war in der Nacht zum 1. November 2010 in seinem Haus in der Hasseler Rue Killebierg erschlagen worden - den vorliegenden Erkenntnissen zufolge wohl mit einer Axt.
Lokales 3 Min. 06.01.2015

Appellationshof Luxemburg: Kein neues Gutachten zum "Hasseler Mord"

Der Auftakt im Berufungsverfahren um den "Hasseler Mord" am Dienstag gestaltete sich sehr zäh. Um den "Mord" ging es dabei nur am Rande.

(gs) - Der Auftakt im Berufungsverfahren um den "Hasseler Mord" am Dienstagnachmittag gestaltete sich sehr zäh und schleppend. Um den "Mord" an sich ging es nur am Rande, stattdessen gab viel juristisches Geplänkel. So forderten manche Anwälte nicht weniger als ein neues Gutachten in diesem Mordfall.

Me Liliane Glock und Me Sébastien Lanoue, aktuell mit der Verteidigung des mutmaßlichen Mörders Charles C. betraut, beantragten, das Dossier von einem durch ihnen ausgewählten „Experten“ untersuchen lassen. Bei dieser Person, die gewissermaßen ein „Gegengutachten“ erstellen soll, handelt es sich, so die Anwälte, um einen ehemaligen französischen Gendarmen mit Justizerfahrung, der auch als Dozent tätig sei.

Laut Verteidigung von C. müsse das Dossier nämlich noch einmal gründlich unter die Lupe genommen werden, da das erste Urteil „subjektiv“ sei, das Dossier zwar viele Indizien beinhalte, es aber an Beweisen fehle und z.B. Zeugenaussagen als Tatsachen betrachtet wurden. Diesen „Experten“ würde C. denn auch aus eigener Tasche zahlen, so Me Glock.

Neues Duo im Einsatz

Das Anwalt-Duo ist neu im Fall "Hasseler Mord" . Der Angeklagte Charles C. hat nämlich vor diesem Berufungsverfahren seinen Anwalt ausgetauscht, beziehungsweise seine Verteidigung aufgestockt. Statt wie in erster Instanz von Me Pim Knaff wird Charles C. nun eben von gleich zwei Anwälten, nämlich Me Glock und Me Lanou, vertreten. Und da es diesen beiden eigenen Aussagen zufolge nicht möglich war, sich in dieses „umfangreiche Dossier“ einzuarbeiten, nachdem sie den Fall erst vor kurzem übernommen hatten, beantragten sie gleich zu Beginn der Sitzung die Aussetzung des Verfahrens auf einen späteren Zeitpunkt.

"Für ein Audit ist das Gericht zuständig"

Das Gericht lehnte sowohl den Antrag für das „Gegengutachten“ als auch für die Aussetzung des Verfahrens ab. Wie der vorsitzende Richter Nico Edon erklärte, beantrage die Verteidigung ja nichts anderes als ein „Audit“ des Dossiers. Diese Aufgabe obliege aber nun einmal per Definition dem Gericht und keinem externen von der Verteidigung berufenen Experten. Die Anmerkungen und die Kritik der Verteidigung werde das Gericht aber zur Kenntnis nehmen und sie bei seinem Gesamturteil berücksichtigen.

"Einen solchen Prozess noch nie erlebt"

Und die Kritik der Verteidigung war scharf. Denn dass Anwälte in Berufungsverfahren die Urteile ihrer Mandanten in erster Instanz kritisieren, liegt in der Natur der Sache. Wie aber die Verteidiger am Dienstag das erste Urteil – und auch die Führung des ersten Verfahrens – anprangerten, war schon außerordentlich.

Die Anwälte bemängelten allem voran, dass der erste Prozess vom vorsitzenden Richter „einseitig“, ja „parteiisch“, und damit zum Leidwesen ihrer Mandanten geführt worden sei. Nicht nur hätten die Beschuldigten keine Möglichkeit gehabt, sich ausführlich zu erklären. Auch seien viele Zeugen nicht ernst genommen worden worden, die Aussagen anderer Zeugen aber als Tatsachen im Urteil übernommen worden. Passagen in dem Urteil würden zudem die Beschuldigten ohne Not diffamieren und beleidigen, so die Anwälte. „Einen solchen Prozess habe ich noch nie erlebt“, meinte Me Philippe Penning, Verteidiger des Angeklagten Pascal K.

Anhörung der Angeklagten am Freitag

Der Prozess wird am Freitagmorgen mit der Anhörung der Angeklagten fortgesetzt. Zur Erinnerung: Pascal K. (48), Jérémy B. (40) und Charles C. (43) müssen sich wegen des Todes des 69-jährigen Camille K. an Allerheiligen 2010 verantworten. Das Opfer war in seinem Haus in Hassel im Schlaf erschlagen worden. Pascal K. ist der ehemalige Lebensgefährte und Adoptivsohn des Opfers. Jérémy B. ist der „neue“ Partner von Pascal K. Charles C. soll die ausführende Hand gewesen sein und auf Order der beiden anderen gehandelt haben. Alle drei waren im Januar 2014 wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt worden.


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