Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Antibiotika helfen nicht gegen Erkältung
Lokales 2 Min. 18.11.2016 Aus unserem online-Archiv
Europäischer Informationstag

Antibiotika helfen nicht gegen Erkältung

Mehr als die Hälfte der Europäer ist der Meinung, mit Antibiotika könne Schnupfen bekämpft werden.
Europäischer Informationstag

Antibiotika helfen nicht gegen Erkältung

Mehr als die Hälfte der Europäer ist der Meinung, mit Antibiotika könne Schnupfen bekämpft werden.
Foto: dpa
Lokales 2 Min. 18.11.2016 Aus unserem online-Archiv
Europäischer Informationstag

Antibiotika helfen nicht gegen Erkältung

Diana HOFFMANN
Diana HOFFMANN
Viele Menschen sind nicht darüber aufgeklärt, wieso ein unsachgemäßer Gebrauch von Antibiotika schwere Folgen haben kann. Antibiotika-Resistenz führt in Europa jährlich zu 25.000 Todesfällen.

(dho) - Mit einem unsachgemäßen Umgang mit Antibiotika schadet man nicht nur sich selbst, sondern auch möglicherweise seinen Mitmenschen. Ein überhöhter Gebrauch von Antibiotika führt zu einer Mutation der Gene der Bakterien, und somit zu deren Resistenz. Die Folge: sämtliche Antibiotika wirken nicht mehr. Dies kann zu erheblichen Komplikationen, etwa im Rahmen der Organtransplantation, der Chemotherapien gegen Krebs oder anderen medizinischen Maßnahmen führen. Europaweit sterben jährlich 25.000 Menschen an Bakterien, die resistent sind.

Vor knapp zehn Jahren noch gehörte Luxemburg zu den Spitzenreitern, was die Anzahl der Verschreibungen von Antibiotika betrifft. In den letzten Jahren konnte die Zahl durch Aufklärungsarbeit in der europäischen Union gesenkt werden. 93 Prozent der Antibiotika werden bei einer ambulanten Behandlung verschrieben. Aus diesem Grund ist es wichtig sowohl für die Patienten, aber auch für die Ärzte, den richtigen Umgang mit dem Medikament zu kennen.

Was muss ich als Patient wissen?

  • Antibiotika wirken nicht gegen ein Virus (Erkältung oder Grippe). Sie bieten also keine Linderung bei Husten, Schnupfen, Fieber, Halsschmerzen usw. Man sollte daher auf keinen Fall bei seinem Hausarzt darauf bestehen, Antibiotika verschrieben zu bekommen.
  • Das Einnehmen der Antibiotika muss nach ärztlicher Verordnung erfolgen. Auf keinen Fall darf die Behandlung früher abgebrochen werden, selbst wenn eine Verbesserung des Gesundheitszustandes eingetreten ist. Dies würde nämlich die Bakterien-Resistenz fördern.
  • Es dürfen keine Antibiotika genutzt werden, die in einem anderen Zusammenhang verschrieben worden sind. Sie dürfen auch nicht an eine andere Person weiter gegeben werden. Antibiotika sind nämlich nicht generell gegen alle Bakterien wirksam.
  • Manche Impfungen können dem Gebrauch von Antibiotika vorbeugen. So kann etwa das Risiko einer Mittelohrentzündung durch eine Impfung gegen Pneumokokken gesenkt werden.
  • Auch regelmäßiges Händewaschen und das Meiden von direktem Kontakt mit kranken Personen können eine Erkrankung vorbeugen.

Jedoch stehen, laut Dr. Jean-Claude Schmit, Direktor des Gesundheitsamtes, auch die Ärzte in ihrer Pflicht. Sie müssten sich regelmäßig zu dem Thema weiterbilden. Antibiotika würden schließlich weniger häufig verschrieben werden, seit man von der Antibiotika-Resistenz weiß.

494.000 Antibiotika-Packungen wurden 2015 verschrieben

In Luxemburg gebe es bereits ein Rückgang bei den Verschreibungen von Antibiotika. Jedoch bleibe noch Raum nach unten, so Gesundheitsministerin Lydia Mutsch auf einer Pressekonferenz am Freitag Vormittag. So sei laut Eurobarometer immer noch eine von vier Personen der Meinung, man könne durch Antibiotika ein Virus bekämpfen. Mehr als die Hälfte der Menschen wüssten nicht, dass Antibiotika ineffizient gegen Schnupfen sei.

2015 wurden hierzulande 494.000 Antibiotika-Packungen an die Patienten verschrieben. In Gewicht ausgedrückt wären dies 4,1 Tonnen pro Jahr. In 60 Prozent der  Fälle wurden die Antibiotika durch den Allgemeinmediziner verschrieben.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Der falsche Einsatz von Antibiotika lässt Bakterien immun werden, es bilden sich multiresistente Keime. Die Medikamente verlieren ihre Wirkung. Die Folgen können verheerend sein.
Die Resistenz gegen Antibiotika ist eine der größten Gesundheitsgefahren weltweit. Sie kostet auch in der EU Leben. Am Dienstag wurde Luxemburgs erster Antibiotika-Plan für die nächsten fünf Jahre vorgestellt.
Kein Wundermittel: Bei Grippe und Erkältung helfen Antibiotika nicht
Zum europäischen Antibiotika-Tag
Viele Luxemburger denken, dass Antibiotika auch bei grippalen Infekten helfen. Zum europäischen Antibiotika-Tag erklärt ein Allgemeinmediziner, warum diese Annahme falsch ist – und weshalb der übertriebene Einsatz dieser Medikamente so gefährlich ist.
Antibiotikamissbrauch
Gesundheits- und Landwirtschaftsministerium wollen bis Ende des Jahres den nationalen Antibiotikaplan fertigstellen. Dieser soll einen vernünftigen Umgang mit dem Medikament durchsetzen, um gefährliche Resistenzen zu verhindern.
Damit Antibiotika gegen Bakterien wirksam bleiben, müssen sie gezielt und sparsam eingesetzt werden.
In Luxemburg werden trotz eindringlicher Appelle zu viele Antibiotika verschrieben und eingenommen. Nun stellen Ärzte seit drei Jahren fest, dass viele Bakterien resistent geworden sind.
Antibiotika werden in vielen Fällen bei Erkältungen verschrieben - gegen Viren sind sie machtlos.