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Anschuldigungen in Flüchtlingsheim: "Vergleiche mit Folterlagern sind inakzeptabel"
In einer Pressemitteilung verurteilten das Olai und die Regierung den Vandalismus am Montag

Anschuldigungen in Flüchtlingsheim: "Vergleiche mit Folterlagern sind inakzeptabel"

Foto: Facebook
In einer Pressemitteilung verurteilten das Olai und die Regierung den Vandalismus am Montag
Lokales 3 Min. 03.10.2016

Anschuldigungen in Flüchtlingsheim: "Vergleiche mit Folterlagern sind inakzeptabel"

Laurence BERVARD
Vorige Woche hatten Flüchtlinge inakzeptable Zustände im Flüchtlingsheim von Bourscheid bemängelt. Ein Bewohner hatte dieses gar mit dem Gefängnis von Guantanamo verglichen. Jetzt reagieren die zuständige Ministerin und das Olai.

(lb) - Manch einer wird die gefesselte und geknebelte Vogelscheuche, die letzte Woche in Bourscheid an einem Straßenrand für Aufregung sorgte und das Schild mit der Aufschrift „Prison Guantánamo in Bourscheid“ sicherlich als übertrieben bezeichnen. Die Regierung und das „Office luxembourgeois de l'accueil et de l'intégration“ (Olai) waren darüber alles andere als erfreut. In einer Pressemitteilung verurteilte das Olai  den diesbezüglichen Vandalismus am Montag (derselbe Asylbewerber hatte auch die Wände seines Chalets bemalt).

Für Unmut sorgte zudem die öffentliche Aussage der Leiterin des Integrationsprojektes "Sportunity". Sie hatte am Freitag behauptet, dass es mehrere Hinweise dafür gebe, dass das OLAI "einige Flüchtlinge psychologisch misshandelt (,psychological mistreatment‘)". Diese Anschuldigung bezeichnete das Olai als Verleumdung. 

Ich verurteile die Anschuldigungen, die gegen die Sozialarbeiter des Olai geäußert wurden.

"Ich verurteile die Anschuldigungen, die gegen die Sozialarbeiter des Olai geäußert wurden", so auch die Familien- und Integrationsministerin Corinne Cahen (DP) im Gespräch mit dem LW. "Die Mitarbeiter des Olai arbeiten sehr viel und machen falls nötig auch Überstunden an den Abenden und Wochenenden. Sie erledigen ihre Arbeit nach bestem Wissen und Gewissen und geben wirklich ihr Bestes. Es ist schlicht nicht fair, sie zu beschuldigen."

Ein Gefühl der Hilfslosigkeit

Im Rahmen der in der Presse beschriebenen Missstände im Flüchtlingsheim von Bourscheid könne man dennoch die Beschädigung von Material sowie den Vergleich mit Gefängnislagern nicht dulden. "Vergleiche mit Folterlagern ('camps de torture') sind inakzeptabel", so das Olai.

Dennoch ist der Asylbewerber, der die polemischen Zeichnungen an die Wand seines Chalets in Bourscheid malte, nicht der erste, der sein Flüchtlingsheim als "Gefängnis" bezeichnet. "Aufgrund der langen Wartezeiten auf das Flüchtlingsstatut und des mangelnden Wohnraums sind eine gewisse Unzufriedenheit und ein Gefühl der Hilfslosigkeit eine Realität", rechtfertigt das Olai. Asylbewerber sollten jegliche Beschwerden bitte sofort an ihre Sozialarbeiter richten. Jeder sei frei, seine eigene Meinung zu äußern, heißt es weiter. Das Olai arbeite hart daran, den Asylbewerbern im Rahmen der Möglichkeiten würdige und gerechte Lebensbedingungen anzubieten.

Der Asylbewerber, der diese Zeichnungen an die Wand seines Chalets in Bourscheid malte, ist nicht der erste, der sein Flüchtlingsheim als "Gefängnis" bezeichnet.
Der Asylbewerber, der diese Zeichnungen an die Wand seines Chalets in Bourscheid malte, ist nicht der erste, der sein Flüchtlingsheim als "Gefängnis" bezeichnet.
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Gemeinden sollen helfen

Der Olai-Direktor Yves Piron versteht dennoch die Verzweiflung einiger Flüchtlinge, wenn sie mehrere Monate und manchmal mehr als zwei Jahre auf ihre Asylzusage warten müssten, ohne zu wissen, ob sie überhaupt in Luxemburg bleiben könnten. "Es war stets der Plan, einen qualitativ besseren Wohnraum anzubieten, doch das gelingt nicht immer. Einige Flüchtlingsheime sind neu und gut, einige sind in Ordnung, einige sind schlecht", gesteht Piron.

Zudem sei das Olai weiterhin unterbesetzt, gibt Piron zu, der bestätigt, dass auch für einen Termin mit der Sozialberaterin des Olai manchmal lange Wartezeiten anstehen. Betreffend der mangelnden Wohnungen für Flüchtlinge, unterstreichen sowohl er als auch die Ressortministerin: Luxemburg hätte viel mehr Wohnraum, wenn die Gemeinden ihren Anteil leisten und nicht - wie jüngst in Steinfort - den geplanten Bau von Flüchtlingscontainern blockieren würden.


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