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Anpacken, Aufräumen: Der Morgen nach dem Tornado
Lokales 6 3 Min. 10.08.2019

Anpacken, Aufräumen: Der Morgen nach dem Tornado

Die Aufräumarbeiten sind in vollem Gang.

Anpacken, Aufräumen: Der Morgen nach dem Tornado

Die Aufräumarbeiten sind in vollem Gang.
Foto: Anouk Antony
Lokales 6 3 Min. 10.08.2019

Anpacken, Aufräumen: Der Morgen nach dem Tornado

Diana HOFFMANN
Diana HOFFMANN
Nachdem ein Tornado am Freitagabend im Süden des Landes für Verwüstung gesorgt hat, beginnen die Menschen sich zu organisieren.

Es herrscht eine seltsame Ruhe nach dem Sturm am Samstagmorgen gegen 9 Uhr in Petingen. In der Route de Luxembourg sind um diese Zeit nur wenige Passanten unterwegs. Bis in die frühen Morgenstunden waren die Rettungskräfte und die Anwohner mit den ersten Aufräumarbeiten beschäftigt.


Dossier: Tornado im Süden Luxemburgs
Ein verheerender Sturm sorgt im Raum Niederkerschen/Petingen für Leid und Zerstörung.

Viele Trümmerteile - Holzbretter, Blechfetzen oder Äste - sind sorgsam zu kleinen und größeren Haufen zusammengekehrt. Überall liegen noch Dachziegel herum. Schwer beschädigte Fahrzeuge lassen auf die ungewöhnlichen Zustände vermuten, die sich am Vortag dort abgespielt haben. Neben den zahlreichen Dellen in der Karosserie sind auch viele Fenster zerborsten. Notdürftig wurden sie mit Planen überdeckt. Doch erst der Blick in die Höhe lässt das volle Ausmaß der Katastrophe erahnen.

Der Wirbelsturm, der am Freitagabend gegen 17.30 Uhr über Rodange, Lamadelaine, Petingen, Linger und Niederkerschen hinwegfegte, riss die Dächer von einigen Häusern mit einer derartigen Kraft ab, dass der offene Blick ins Dachgeschoss fast schon surreal wirkt. Der Sog des Sturmes hat gar einige Fenster und Türen aus den Angeln gerissen. An jeder Hausfassade in den betroffenen Straßen sind Beschädigungen zu sehen, die von herumfliegenden Trümmern verursacht worden sind. Besonders schlimm sind die Schäden in Petingen, Lamadelaine und Niederkerschen.

Erste Dachdeckerbetriebe haben mit Reparaturarbeiten begonnen

Doch langsam erwachen die Ortschaften am Tag danach wieder zum Leben. Einige Passanten laufen durch die Gassen und begutachten die Schäden. Manche gehen mit ihrem Hund spazieren. Zwei Kastenwagen von Dachdeckerbetrieben fahren vorbei. Von Weitem sind Hammerschläge zu vernehmen. Das Dach eines Hauses wird gerade repariert. Eine Anwohnerin unterhält sich mit ihrem Nachbarn über die Geschehnisse. „Ich habe den Sturm kommen sehen“, sagt sie und gestikuliert dabei mit ihren Händen. „Es ist unfassbar was passiert ist.“


Viele Häuser sind nach dem Tornado unbewohnbar.
Versicherer sagen Unterstützung zu
Wer durch den Tornado materiellen Schaden erlitten hat, soll sich an seine Versicherung wenden. Der Dachverband der Gesellschaften hat Unterstützung zugesagt.

Die ganze Hauptstraße von Petingen in Richtung Niederkerschen zeigt ein quasi identisches Bild. Manche Häuser sind schwer beschädigt bis hin zu unbewohnbar, andere weisen lediglich Schäden an der Fassade auf. Beim Kreisverkehr Biff in Richtung Niederkerschen gibt es am Samstagmorgen dann kein Durchkommen mehr. Die Polizei hat die Strecke gesperrt. Auch für Passanten. Wegen eines umgeknickten Strommastes ist ein Weiterfahren zu gefährlich. Die Leitungen liegen dort auf den Dächern von mehreren Häusern und ziehen sich in etwa sieben Metern Höhe über die Straße bis auf das Dach eines Supermarktes. Die Spannung ist daher dermaßen groß, dass sie zu reißen drohen.


Die Avenue de Luxembourg in Niederkerschen nahe dem Kreisverkehr Biff ist ersten Einschätzungen zufolge im Gesamtausmaß am schlimmsten betroffen. Die Dächer einer ganzen Häuserreihe wurde hier abgedeckt. Dabei sind sowohl alte Häuser betroffen, wie auch ein komplett neues Mehrfamilienhaus. Bäume wurden entwurzelt oder sind wie Streichhölzer zersplittert. In diesem Bereich sind die Rettungskräfte bereits mit den Aufräumarbeiten beschäftigt. Mit Baggern wird Unrat auf einen Lastwagen gehievt und weggefahren.


dégâts Tornade Pétange/Bascharage - Pétange Bascharage -  - 10/08/2019 - photo: claude piscitelli
Unbewohnbare Häuser, Stromkabel unter Spannung
Bis zu 100 Häuser sind nach dem Tornado unbewohnbar. Von den 19 verletzten Personen ist der Zustand eines Menschen besorgniserregend.

Am späten Morgen erscheint dann auch die Armee vor Ort und beginnt bei den Räumungsarbeiten anzupacken. Nach dem folgenreichen Abend und der unruhigen Nacht  werden die Straßen gegen Mittag belebter. Ein Anwohner hat den Helfern Wasser auf einer Mauer vor seiner Tür bereitgestellt. Ein Mann ist mit einer Kettensäge unterwegs, um zu helfen. Einige Passanten haben Handschuhe dabei, andere Kehrbürsten. Vor manchen stark beschädigten Häusern sammeln sich kleine Gruppen. Wo anfangen? Wie sich einen Überblick verschaffen? Das sind die Themen, die die Menschen in diesem Augenblick beschäftigen. Und wohl auch noch mehrere Tage lang beschäftigen werden. Die Bevölkerung hat jedenfalls die Ärmel hochgekrempelt.


 

 


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