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"Angetrunken, nicht betrunken"
Lokales 2 Min. 16.12.2015 Aus unserem online-Archiv
Prozess um Tod einer Polizistin

"Angetrunken, nicht betrunken"

Ohne zu bremsen, war der Fahrer in den Wagen gerast, der gerade kontrolliert wurde.
Prozess um Tod einer Polizistin

"Angetrunken, nicht betrunken"

Ohne zu bremsen, war der Fahrer in den Wagen gerast, der gerade kontrolliert wurde.
Foto: Polizei
Lokales 2 Min. 16.12.2015 Aus unserem online-Archiv
Prozess um Tod einer Polizistin

"Angetrunken, nicht betrunken"

Beim Prozessauftakt um den Tod einer Polizistin bei einer Geschwindigkeitskontrolle am vergangenen 
5. Juni wurde sich am Mittwoch vorrangig mit dem Angeklagten befasst. Der Mann war bei dem Unfall betrunken und stand unter Drogeneinfluss.

(str) - In Handschellen und von zwei Polizisten begleitet wurde Pascal T. am Mittwochnachmittag in den Gerichtssaal geführt. Der 36-Jährige hatte am 5. Juni in betrunkenem Zustand eine Polizeibeamtin bei einer Verkehrskontrolle angefahren und getötet.

Der Beschuldigte, leicht untersetzt, hohe Stirn, Brillenträger und mit hellem Kragenpullover, trat sehr zurückhaltend und sichtbar nervös vor das Strafgericht. „Ich wollte sagen, es tut mir furchtbar leid“, platzte es aus ihm heraus, als die Richterin ihn zur Identitätsfeststellung nach seinem Namen fragte.

Die Befragung zu seinen Lebensumständen offenbarte Arbeitslosigkeit, Depressionen, gesundheitliche Probleme und in den vergangenen Jahren nur wenig 
Eigeninitiative, um seinen Lebenswandel zu verbessern. Die Zusammenfassung der vorsitzenden Richterin Sylvie Conter gab dann allerdings den Ton der Verhandlung vor: „Da sitzt man den ganzen Tag lang zu Hause, raucht Joints, abends säuft man und fährt dann einen Menschen über den Haufen.“

Erklärungen zum Drogenkonsum

Sichtlich beeindruckt nahm der Beschuldigte im Anschluss die ausführlichen Schilderungen des Gerichtsmediziners zur Kenntnis: Schwerste Traumatisierungen im Bereich der Beine, Kopfverletzungen und ein fast zweistündiger Überlebenskampf.

Ein Toxikologe erklärte, dass der Angeklagte fast zwei Stunden nach dem Unfall einen Blutalkoholwert von 1,33 Promille aufwies, demnach rund 1,6 Promille zum Unfallzeitpunkt. Der Experte gab zudem auch Erklärungen zum Drogengebrauch des Beschuldigten. Dieser sei ein regelmäßiger Cannabis-Konsument. Nach dem Unfall lag sein THC-Wert bei 4,2 ng pro Milliliter Blut, ein relativ hoher Wert, meinte der Toxikologe. Der Beschuldigte habe zweifelsfrei unter Drogeneinfluss gestanden.  

Ein Wert von 5 ng/ml sei mit einem starken Drogeneinfluss gleichzustellen. Wann er zum letzten Mal einen Joint geraucht habe, ließe sich auf Grund des chronischen Konsums nicht feststellen. Gegenüber dem psychiatrischen Gutachter gab der Angeklagte an, dies sei am frühen Nachmittag geschehen. Abends habe er Bier und Whisky getrunken. Als er in den Wagen gestiegen sei, habe er sich angetrunken, aber nicht betrunken gefühlt. Stark betrunken, mit 2,14 Promille, war Pascal T. allerdings bereits knapp ein Jahr vor dem tragischen Unfall am Steuer erwischt worden. 2010 hatte er bereits einen schweren Unfall erlitten – unter Medikamenteneinfluss mit einem Blutalkoholwert von 1,35 mg/l.

Irrationale Reaktion

Sehr bewegend war am Mittwoch die Aussage des Kollegen der getöteten Polizistin. Er erzählte davon, wie er den Wagen stoppen wollte, der sich mit mehr als 60 km/h näherte und in derart weiten Schlangenlinien fuhr, dass er die gesamte Fahrbahnbreite von sieben Metern benötigte. Er erzählte, wie der Fahrer dann beim Anblick des Kontrollpunkts seinen Wagen wieder geradlinig auf der Gegenfahrbahn steuerte, die Fahrt allerdings nicht verlangsamte.

Dann aber sei der Wagen plötzlich nach rechts gezogen. „Er fuhr genau in Yasmine“, erklärte der Polizist. Nach dem Aufprall habe seine Kollegin stark geblutet, sei nicht mehr ansprechbar gewesen, habe allerdings noch immer geatmet. Erst später bemerkte er, dass der Unfallverursacher schlussendlich rund 100 Meter weiter stehen geblieben war.

Am Donnerstag wird der Prozess mit der Anhörung des Angeklagten fortgesetzt.


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