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Anforderungen an Luxemburger Zugverkehr: Die Grenzenüberwinder
Lokales 15 1 3 Min. 04.10.2014

Anforderungen an Luxemburger Zugverkehr: Die Grenzenüberwinder

Lokales 15 1 3 Min. 04.10.2014

Anforderungen an Luxemburger Zugverkehr: Die Grenzenüberwinder

Zehntausende Grenzgänger kommen täglich nach Luxemburg. Viele mit der Bahn – wie dem neuen CFL-Zug „Kiss“. Kaum einer ist sich aber bewusst, welche Herausforderungen die Verbindungen ins Ausland mit sich bringen.

Von Jan Söfjer

Jean-Paul Zeimet hat gleich gemerkt, dass dieser Zug anders ist. Besser. Überlegen. In gewisser Weise sogar ihm selbst. Das Schweizer Zug-Fabrikat „Kiss“ (komfortabler, innovativer, spurtstarker S-Bahn-Zug) ist das Neueste, was die CFL in ihrem Fuhrpark hat – speziell für den Grenzverkehr nach Deutschland eingekauft.

Ab Mitte Dezember wird der Zug stündlich zwischen Luxemburg-Stadt über Trier nach Koblenz pendeln. Doch dass die Züge in Luxemburg überhaupt die Landesgrenzen passieren können, ist nicht selbstverständlich und nur durch großen Aufwand möglich. Für Zeimet ist an diesem sonnigen aber kühlen Oktobermorgen in Wasserbillig Schluss. Weiter darf er nicht fahren. Er dreht um.

Verschiedene Strom- und Sicherheitssysteme

Für Menschen herrscht in der Europäischen Union Freizügigkeit, für Züge aber gilt das nicht. In der Welt der Schienen stehen die Grenzen noch. Schuld ist erst einmal die Technik. In vielen Staaten Europas gibt es nicht nur verschiedene Sicherheitssysteme, sondern auch verschiedene Stromsysteme für Züge. Spanien hat gar eine andere Schienenbreite. Aber auch Luxemburgs Nachbarländer Belgien, Deutschland und Frankreich unterscheiden sich. Hätten die Züge in Luxemburg nur Luxemburger Systeme installiert, könnte kein Zug das Großherzogtum verlassen.

Für den Pendelverkehr nach Deutschland gibt es nun acht „Kiss“-Züge der Firma Stadler, zwölf weitere sollen folgen. Ins französische Nancy hingegen fahren 20 „Transport express régional“-Züge (TER2N) von Alstom. Ebenso nach Belgien, wobei es dort zwar das gleiche Stromsystem wie in Frankreich gibt, aber ein anderes Sicherheitssysstem. Dieses ist auch eine Ursache, dass ab Dezember keine deutschen Fernvekehrszüge mehr nach Luxemburg fahren. Die Deutsche Bahn scheut die Kosten, die bisherigen Züge umzurüsten.

Vier Wochen Fortbildung für Auslandslizenz

Doch damit nicht genug. „Auch die Lokführer müssen Grundausbildungen absolvieren, damit sie in ein anderes Land fahren dürfen“, sagt der CFL-Lokführer-Ausbilder Mario Arnscheidt. Der 25-jährige Zeimet hat noch keine Lizenz für für Deutschland. Vier Wochen dauert die Fortbildung. Und für jedes Land braucht man eine andere. Von den rund 350 Lokführern der CFL dürfen nur ungefähr 100 nach Deutschland fahren und ebenso viele jeweils nach Frankreich und Belgien.

Zeimet hat gerade erst die Fortbildung für den „Kiss“ absolviert. Eine Woche dauerte diese, das meiste davon Praxis, aber auch Theorie: Wie man Störungen bewältigt, einen Zug abschleppt oder schlicht Durchsagen macht. „Für jede Lokomotive braucht man eine eigene Qualifikation“, sagt Ausbilder Arnscheidt.

Zeimet kam nach dem Abitur zur CFL. Eine Berufsausbildung qualifiziert aber auch, um in sechs Monaten Lokführer zu werden – alle ein, zwei Wochen abwechselnd Theorie und Fahren. Man muss auch nicht mehr Elektriker, Schlosser oder Mechaniker gelernt haben wie früher. Heute reparieren Lokführer nichts mehr selber. Und wenn eine Sicherung durchbrennt, zeigt der „Kiss“ auf einem Bildschirm genau an, wo sie sich befindet.

Der neue Zug gefällt Zeimet besonders gut. „Er ist sehr laufruhig und komfortabel.“ Nicht nur wegen der Ledersitze in der 1. Klasse. Da hat Zeimet ja nichts von. Beim „Kiss“ kann der Lokführer nicht nur die Höhe seines Sitzes verstellen, sondern auch die Höhe des Podestes für die Füße – was sehr angenehm für große und kleine Menschen ist. Das gab es bislang nicht. Zeimet lehnt sich zurück. Ein zweifaches „Ding“ ertönt. Das Signal des Zugbegleiters zum Weiterfahren. Zeimet drückt den Gashebel leicht nach vorne. Der „Kiss“ rollt Richtung Luxemburg. Im nächsten Jahr wird Zeimet mit ihm auch die Grenze nach Deutschland überqueren.


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